Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Gegründet 1947 Dienstag, 27. September 2022, Nr. 225
Die junge Welt wird von 2651 GenossInnen herausgegeben
Jetzt drei Wochen gratis lesen. Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Aus: Ausgabe vom 23.09.2022, Seite 16 / Sport
Beim Fananwalt

Alles, was recht ist

Von René Lau
Der Fananwalt_Logo.jpg

Wir erinnern uns noch alle an die Zeit vor Corona, in der es heiß herging wegen eines gewissen Herrn Hopp. Außerhalb Sinsheims mag ihn kaum ein Fußballfan, außer vielleicht einige Personen an der Säbener Straße in München oder der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt am Main. Schon während der Pandemie versuchte der Deutsche Fußballbund, die ganze Sache herunterzukochen. Dabei ging es auch um den sogenannten Dreistufenplan. Demnach kann der Schiedsrichter bei Diskriminierungen nach einer Spielunterbrechung mit Stadiondurchsage (Stufe eins) das Spiel länger unterbrechen und die Mannschaften in die Kabine schicken (Stufe zwei) und letztlich die Partie sogar abbrechen (Stufe drei). Es war heftig umstritten, ob der Plan bei vermeintlichen Beleidigungen überhaupt greifen soll, bis der DFB voriges Jahr letztlich entschied: Er tut es nicht.

Doch am letzten Wochenende war der Stufenplan plötzlich wieder in aller Munde. Fans von Borussia Mönchengladbach, die das Brausekonstrukt aus Leipzig zu Gast hatten, machten ihrem Ärger mit Transparenten Luft. Ziel waren der frühere eigene Sportdirektor Max Eberl und sein neuer Brötchengeber aus Leipzig. Über die teils beleidigende Wortwahl auf den Transparenten kann man sicherlich geteilter Meinung sein. Doch Schiedsrichter Patrick Ittrich stellte einen Spielabbruch in den Raum, obwohl für die Anwendung des »Dreistufenplans« nach DFB-Maßgabe gar keine Grundlage bestand. Denn dieser greift nur bei personifizierter Gewaltandrohung oder Diskriminierungen, etwa aufgrund von Geschlecht, Religion, Behinderung und sexueller Identität. Der sicherlich nicht schöne Begriff »H…sohn« fällt nicht darunter.

Ittrich gab dies nach dem Spiel selbst zu, meinte aber, es seien Kinder im Stadion, und deshalb müsse man handeln. Da fragt sich der Fananwalt schon, auf welcher Rechtsgrundlage der mögliche Abbruch erfolgt wäre, wenn die Transparente nicht abgehangen worden wären. Das sportgerichtliche Verfahren hätte ich gerne gesehen. Ist es denn Aufgabe eines Schiedsrichters, Moralapostel zu spielen? Sehen sich die Schiedsrichter zukünftig jedes Plakat genauer an, um dann »im Interesse der Kinder« zu entscheiden, was moralisch zulässig ist? Soll der Schiedsrichter nicht eigentlich ein Spiel leiten? Wo, lieber Herr Ittrich, soll das hinführen? Wo fängt man an, wo hört man auf? Haben alle Schiedsrichter die gleichen Moralvorstellungen?

Stopp – kann ich da nur sagen. Wenn etwas nach den eigenen Regularien des DFB nicht sanktionsfähig ist, dann hat da kein Schiedsrichter eigenmächtig einzugreifen. Sicherlich ist das Stadion kein »rechtsfreier Raum« (Ittrich), aber eben auch kein Hort des verordneten feingeistigen Wortes.

»Sport frei!« vom Fananwalt.

Drei Wochen kostenlos lesen

Die Tageszeitung junge Welt stört die Herrschenden bei der Verbreitung ihrer Propaganda. Sie bezieht eine aufklärerische Position ohne Besserwisserei und wirkt durch Argumente, Qualität, Unterhaltsamkeit und Biss.

Überprüfen Sie es jetzt und testen die junge Welt drei Wochen lang (im europäischen Ausland zwei Wochen) kostenlos. Danach ist Schluss, das Probeabo endet automatisch.