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Aus: Ausgabe vom 23.09.2022, Seite 8 / Abgeschrieben

Kampf gegen Pandemie klar gescheitert

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Impfaktion in Côte d’Ivoire (September 2021)

Zwei Drittel aller Länder haben das Ziel, 70 Prozent der Bevölkerung gegen Covid-19 zu impfen, nicht erreicht. Dazu teilten Oxfam und die People’s Vaccine Alliance (PVA) am Donnerstag mit:

Oxfam und die PVA erkennen ein klares Scheitern bei dem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gesetzten Ziel, welches US-Präsident Biden der Staatengemeinschaft angetragen hatte.

Die Covid-19-Todesrate ist in Ländern mit niedrigem Einkommen deutlich höher als in Ländern mit hohem Einkommen. In ersteren hat weniger als die Hälfte der Bevölkerung eine Grundimmunisierung erhalten. Wenn sich die Situation nicht ändert, wird es fast noch zweieinhalb Jahre dauern, bis 70 Prozent der Bevölkerung in den ärmsten Ländern grundimmunisiert sind. Gleichzeitig beginnen die wohlhabenden Länder gerade mit der zweiten oder sogar dritten Boosterimpfung mit Impfstoffen der neuen Generation, die schon jetzt größtenteils von den wohlhabenden Ländern aufgekauft wurden. Pfizer/Biontech und Moderna verzeichnen erneut immense Gewinne und weigern sich weiterhin, ihre Technologie mit der WHO zu teilen, obwohl beide Konzerne öffentliche Förderungen erhalten haben. (…)

Oxfam und die PVA machen die massiven Versäumnisse bei der internationalen Pandemiebekämpfung an diesem Missstand fest. Es wurde völlig ignoriert, dass Länder mit niedrigem Einkommen eine eigene Produktion benötigen, um ihre Versorgung sicherzustellen und das weltweite Angebot an medizinischen Mitteln zu diversifizieren. Oxfam und die PVA fordern die Regierungen der wohlhabenden Länder daher auf, die folgenden Ziele umzusetzen:

– Die im Juni 2022 bei der WTO getroffene Vereinbarung zu Covid-19-Impfstoffen muss umgehend um Tests und Medikamente erweitert werden.

– Der globale Pandemievertrag muss sicherstellen, dass lebensrettende Impfstoffe, Tests und Medikamente als öffentliches Gut verfügbar sind, frei von Monopolen der Pharmakonzerne. (…)

– Zur Stärkung der Gesundheitssysteme in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen und um das Ziel von 70 Prozent geimpfter Bevölkerung weltweit zu erreichen, müssen sich die Regierungen der wohlhabenden Länder zu einer beispiellosen Finanzierungshilfe verpflichten.

– Der Vorschlag der großen Pharmakonzerne – die sogenannte Berlin Declaration – muss konsequent abgelehnt werden, weil die Entscheidung über Leben und Tod nicht Konzernen überlassen werden darf.

Ein Bericht von Matahari Global Solutions, der Treatment Preparedness Coalition und der PVA befand kürzlich, dass die geringe weltweite Impfquote durch eine Kombination von unzuverlässigen Impfstofflieferungen und unterversorgten Gesundheitssystemen verursacht wurde. Gerüchte über Impfskepsis seien instrumentalisiert worden, um in wohlhabenden Ländern das Versagen bei der Pandemiebekämpfung zu verschleiern.

Anna Marriott, Gesundheitsexpertin von Oxfam, erklärt: »Wir müssen das bestehende System, in dem Pharmaprofite mehr zählen als Menschenleben, grundlegend umgestalten. Wirtschaftlich benachteiligte Länder brauchen einen gleichberechtigten Zugang zu Impfstoffen, Tests und Medikamenten. Die gleiche tödliche Ungleichheit, die wir bei Covid-19 feststellen müssen, zeigt sich nun auch bei den Impfstoffen gegen Affenpocken. Die Regierungen müssen dem ein Ende setzen.« (…)

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