Zum Inhalt der Seite

Katalonien: Großdemo für Unabhängigkeit

Barcelona. Knapp fünf Jahre nach der gescheiterten Abspaltung von Spanien erwägen die Unabhängigkeitsbefürworter Kataloniens erstmals die Gründung einer eigenen Partei. Bei der jährlichen Großdemonstration in Barcelona kritisierten Menschen, dass die traditionellen Regionalparteien den Weg zur Unabhängigkeit zu langsam beschritten. Die Präsidentin der Bürgerbewegung ANC, Dolors Feliu, rief am Sonntag abend unter dem lauten Jubel der Demonstranten: »Entweder ihr verwirklicht die Unabhängigkeit, oder ihr ruft Neuwahlen aus!« An der Kundgebung anlässlich des katalanischen Nationalfeiertags Diada nahmen nach Polizeiangaben 150.000 Menschen teil, die ANC sprach hingegen von 700.000 Teilnehmern. (dpa/jW)

junge Welt

Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Erschienen in der Ausgabe vom 13.09.2022, Seite 6, Ausland

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
→Leserbriefe
  • Jordi Oriola Folch aus Barcelona 13. Sept. 2022 um 14:25 Uhr
    Am 11. September gedachten die Katalanen des Verlusts der katalanischen Souveränität, denn an diesem Tag im Jahr 1714 zog Philipp V. mit seiner Armee in Barcelona ein und gliederte Katalonien in einen absolutistischen Staat ein, der von Madrid aus regiert wurde, alle katalanischen Institutionen aufhob und die kastilische Sprache einführte und die katalanische Sprache verbot.
    Angesichts der zunehmenden Uneinigkeit mit Spanien haben die Katalanen in den letzten zehn Jahren zu Hunderttausenden friedlich demonstriert und die Unabhängigkeit Kataloniens von einem Staat gefordert, der uns wie eine Kolonie behandelt. An der diesjährigen Demonstration nahmen nach unabhängigen Schätzungen etwa 300.000 Menschen teil (700.000 nach Angaben der Organisatoren und 150.000 nach Angaben der Polizei, die im Auftrag der PSC, einer spanischen nationalistischen Partei, vorging). So erweist sich die katalanische Unabhängigkeit als die stärkste europäische Bewegung, die Jahr für Jahr die größten Demonstrationen auf dem Kontinent organisiert.
    Angesichts dessen behandelt der spanische Nationalismus, der daran gewöhnt ist, die ETA mit der Polizei und der Justiz zu bekämpfen, die friedliche und gewaltlose Unabhängigkeitsbewegung, als wären wir Terroristen. Von Madrid aus fühlen sie sich legitimiert, uns die Zugehörigkeit zu Spanien wie in einer Diktatur aufzuzwingen, anstatt zu versuchen, uns politisch oder demokratisch zu überzeugen, indem sie beispielsweise akzeptieren, dass das katalanische Volk in einem vereinbarten Referendum entscheiden kann, was es sein will.
    Und es ist wahr, dass nicht alle staatenlosen Nationen neue Staaten in Europa bilden müssen. Jeder Fall sollte für sich selbst geprüft werden. Der Fall Katalonien hat es jedoch verdient, in seiner Art und seinem Umfang als ein ganz besonderer Fall betrachtet zu werden, vor allem wegen der von Spanien ausgeübten Repressionen und Übergriffe, die beweisen, dass die Katalanen eine nationale Minderheit innerhalb des spanischen Staates sind, die einer »gerechte Sache« nachgehen, und sich zu einem souveränen Staat konstituieren müssen, um ihren Bürgern demokratische und soziale Grundrechte garantieren zu können.
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!