75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Freitag, 2. Dezember 2022, Nr. 281
Die junge Welt wird von 2690 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 13.09.2022, Seite 7 / Ausland
Nach Tod von Elisabeth II.

Mehr Republik wagen

Antigua und Barbuda: Premier kündigt Referendum über Ablösung von Vereinigtem Königreich an. Mögliches Signal für weitere Karibikstaaten
Von Volker Hermsdorf
7.jpg
Genug von den Royals: Charles, damals noch als Prinz, im November 2017 in Antigua

Der Premierminister des Karibikstaates Antigua und Barbuda, Gaston Browne, will nach dem Tod von Königin Elisabeth II. innerhalb der nächsten drei Jahre ein Referendum über die Umwandlung seines Landes in eine Republik durchführen lassen. Browne hatte am Sonnabend ein Dokument unterzeichnet, in dem Charles III. als neues Staatsoberhaupt bestätigt wurde, schlug aber Minuten später eine Volksabstimmung über die Loslösung des Landes von der britischen Krone vor. »Dies ist kein Akt der Feindseligkeit, sondern der letzte Schritt, um die Unabhängigkeit zu vollenden und zu einer wirklich souveränen Nation zu werden«, sagte der Premierminister des 100.000 Einwohner zählenden Inselstaates am Wochenende dem britischen Fernsehsender ITV.

Browne kündigte an, dass Antigua und Barbuda weiterhin Mitglied des Commonwealth bleiben werde, auch wenn das Land die Monarchie per Referendum abschaffe. Der Inselstaat hatte 1981 die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich erlangt, den britischen Monarchen aber als Staatsoberhaupt beibehalten. Derzeit erkennen auch noch Kanada, Australien, Neuseeland, Jamaika, die Bahamas, Belize, Grenada, Papua-Neuguinea, die Salomonen, Tuvalu, St. Lucia, St. Vincent sowie St. Kitts und Nevis die britische Monarchie als ihre eigene an. Seit die sozialdemokratische »Antigua and Barbuda Labour Party« (ABLP) 2014 in dem Karibikstaat an die Macht zurückkehrte und ihr Parteiführer zum Premierminister gewählt wurde, hat Browne keinen Hehl daraus gemacht, dass er die Ablösung der Monarchie und die Einführung einer Republik anstrebt. Jetzt kündigte er an, bei einer Wiederwahl im kommenden Jahr das Referendum in seiner nächsten Amtszeit einzuleiten. Der Schritt könnte dazu beitragen, dass die Tage der Monarchie in der Karibik endgültig gezählt sind.

Im vergangenen Jahr war bereits der südlich von Antigua und Barbuda gelegene Inselstaat Barbados eine Republik geworden. Sandra Mason, seit dem 30. November 2021 erste Staatspräsidentin, bezeichnete bei Amtsantritt den Übergang zur Republik als einen »bahnbrechenden Moment«, durch den Barbados, eine der ersten Sklavenkolonien Englands, die eigene koloniale Vergangenheit vollständig hinter sich lassen werde. Die britische Tageszeitung The Guardian erinnerte am Sonntag daran, dass Demonstranten auf Jamaika Charles Sohn und Thronfolger Prinz William und dessen Ehefrau Catherine Middleton bei einer Karibiktour im März vorgeworfen hatten, vom »Blut, den Tränen und dem Schweiß« der Sklaven zu profitieren. In Nassau (Bahamas) wurden die Repräsentanten der Krone aufgefordert, anzuerkennen, dass die Wirtschaft Großbritanniens in der Vergangenheit auf dem Rücken der Karibik aufgebaut worden war, und Wiedergutmachung zu leisten. Der Premierminister von Jamaika, Andrew Holness, hatte gegenüber William und »Kate« angekündigt, dass sein Land als nächstes eine Republik werden könnte, während ein Minister aus Belize erklärte, dass es vielleicht an der Zeit sei, »den nächsten Schritt zu tun, um unsere Unabhängigkeit wirklich zu besitzen«. Die in Kingston regierende liberalkonservative »Jamaica Labour Party« (JLP) bereitet bereits ein Referendum über die Gründung einer Republik vor. Das letzte Land vor Barbados, das die Königin als Staatsoberhaupt abgesetzt hatte, war Mauritius im Jahr 1992.

Während immer mehr Karibikstaaten die Unabhängigkeit anstreben, will Australien zumindest vorerst unter dem Einfluss der britischen Krone bleiben. Zwar hatte Premierminister Anthony Albanese von der sozialdemokratischen Labor-Partei wiederholt Pläne angedeutet, Australien zu einer Republik machen zu wollen, erklärte aber am Wochenende gegenüber dem britischen TV-Sender Sky News, »aus Respekt vor Queen Elisabeth II.« derzeit kein Referendum über die Abschaffung der Monarchie anzupeilen. 1999 hatte bei einer Volksabstimmung eine Mehrheit (55 Prozent) der Australier für die Beibehaltung der Monarchie gestimmt.

Aufklärung statt Propaganda

Die Tageszeitung junge Welt liefert Aufklärung statt Propaganda! Ihre tägliche Berichterstattung zeigt in Analysen und Hintergrundrecherchen auf, wer wie und in welchem Interesse handelt. Jetzt das Aktionsabo zum Preis von 75 Euro für 75 Ausgaben bestellen!

  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (13. September 2022 um 09:41 Uhr)
    Ein Appell fürs Königtum: Warum haben die Bienen auch eine Königin? Weil, wenn sie eine demokratische Regierung hätten, gäbe es keinen Honig!
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Burkhard I. (12. September 2022 um 20:02 Uhr)
    Eine Frage bleibt auch in der jW-Berichterstattung zum Thema Queen unbeantwortet, ja, wird nicht einmal gestellt (soweit ich es gesehen habe): Welchen Auftrag haben eigentlich bundesdeutsche Medien – öffentlich-rechtliche, private, Netzwerke etc. –, wenn sie einem Land, einer Bevölkerung 104 Jahre, nachdem die Vorfahren hiesige Monarchen davon gejagt haben, ständig suggerieren und einbläuen, wie toll es doch ist, Königin oder König als Staatsoberhaupt zu haben? Reicht es nicht, wenn die Nachfahren davogejagter Monarchen hierzulande bis heute privilegiert sind (und entsprechend medial gefeiert werden)?

Ähnliche:

  • Ein Dorf in den Highlands in Papua-Neuguinea
    29.07.2022

    Gewaltvolle Abstimmung

    Massaker und Polizeirepression: Zahlreiche Tote bei Parlamentswahlen in Papua-Neuguinea
  • Das Wahlsystem behindert Kleinparteien: Plakate des Labor-Kandid...
    21.05.2022

    Wohnen und verteidigen

    Wahlen in Australien: Oppositionelle Labor-Partei laut Umfragen vorn
  • »Reparationen jetzt«: Demonstrantin wartet am 25. März in Nassau...
    25.04.2022

    Kühler Empfang

    Proteste bei Reise britischer Monarchen in ehemalige Kolonien in der Karibik. Forderungen nach Entschädigungen werden lauter

Mehr aus: Ausland

Rosa-Luxemburg-Konferenz: Programm einsehen oder Tickets bestellen unter jungewelt.de/rlk