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Aus: Ausgabe vom 12.09.2022, Seite 8 / Ansichten

Irreale Kriegsziele

Kiews Vorstoß um Charkiw
Von Reinhard Lauterbach
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Verlassene russische Panzer in der Region von Charkiw (11.9.2022)

Der ukrainische Vormarsch im Bezirk Charkiw wird nachhaltige Folgen für den Verlauf des Ukraine-Krieges haben. Mit der Rückeroberung von Kupjansk und – wahrscheinlich – auch Isjum sind Russlands Optionen durchkreuzt, eventuell durch einen Angriff von Norden den Rest des Bezirks Donezk zu erobern und damit das ursprünglich propagierte Kriegsziel zu erreichen, das Gesamtgebiet des Donbass zu »befreien«. Es ist, als ob von zwei zubeißenden Kiefern dem einen die Zähne ausgeschlagen worden wären. Im Gegenteil wird jetzt sogar die russische Kontrolle über das Gebiet Lugansk fraglich. Erst recht kann Russland die Hoffnung darauf vergessen, im Süden entlang der Schwarzmeerküste weiter vorzustoßen. Die Moskauer Strategen können froh sein, wenn sie die Kontrolle über das Südufer des Dnipro-Unterlaufs und damit den Auslass des Nord-Krim-Kanals behalten, über den die Halbinsel den Großteil ihres Süßwassers bekommt.

Die Fehleranalyse kann man Leuten in Russland überlassen, denen mehr Details zugänglich sind als einem Beobachter in Deutschland. Auf ukrainischer Seite haben sicherlich die massiven Lieferungen westlicher Raketenwerfer und anderer schwerer Waffen das Kriegsglück gewendet. Auf knapp 15 Milliarden Dollar in sechs Monaten hat US-Außenminister Antony Blinken letzte Woche allein die US-Militärhilfe für Kiew beziffert, und das betrifft nur die Hardware, nicht immaterielle Unterstützung wie Aufklärungsdaten.

Eine weitere Konsequenz aus den ukrainischen Erfolgen dürfte sein, dass die Glaubwürdigkeit der offiziellen russischen Informationspolitik auch im eigenen Land stark erschüttert wird. Symptomatisch ist ein Text auf der Seite der russischen Wirtschaftsagentur RBC vom Sonnabend. Er listete einfach nur auf, was offizielle russische Vertreter in der letzten Woche zur Lage im Gebiet Charkiw mitgeteilt haben – der Kontrast zur Realität war so evident, dass es keines weiteren Kommentars bedurfte.

Moskau wird seine Kriegsziele der militärischen Realität anpassen müssen. Das Problem ist, dass parallel hierzu der Appetit der Ukraine immer größer wird. Ihr Sicherheitsratschef Olexij Danilow erklärte am Wochenende gegenüber Voice of America, ukrainisches Kriegsziel sei der Zerfall Russlands in seiner jetzigen Gestalt. Wenn das eine mit den Trägern dieses Senders abgesprochene Position ist, wird das allerdings die russische Position nur weiter verhärten. Wenn Wladimir Putin vor Kriegsbeginn davon gesprochen hatte, Russland dürfe den Fehler der Jahre 1939–1941 nicht wiederholen, als es eine vor seiner Grenze anwachsende Bedrohung zu lange ignoriert habe, sind Statements wie das von Danilow eine Steilvorlage, die Propagandaformel von der »Spezialoperation« in die vom »Großen Vaterländischen Krieg 2.0« zu transformieren.

Nur von Verhandlungen redet niemand. Das Unheil nimmt seinen Lauf.

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  • Leserbrief von Achim Lippmann aus Shenzhen/China (12. September 2022 um 14:21 Uhr)
    Ich weiß nicht, welche neben den offiziell genannten Kriegszielen die Russische Föderation hat. Obwohl Putin als Präsident den Oberbefehl über die gesamten – nuklearen eingeschlossen – Streitkräfte hat, kommt nicht alles aus seiner Küche. Da gibt es mehrere Köche, die gut oder weniger gut sind und es gibt sicher einen Lernbedarf.
    Sicher ist, dass die Ukraine diesen Krieg – sehr wahrscheinlich in veränderter Form – überstehen wird. Das beste wäre gewesen, wenn das Land schon 2014 zu föderalen Strukturen, zu einer Entmachtung seiner Oligarchen und einer stabilen Demokratie hatte finden können.
    Zur russischen Armee. All die großen Heerführer der Sowjetunion waren 1941/42 noch weit davon entfernt, große Militärstrategen zu werden. Die Sowjetunion erlitt katastrophale Niederlagen in den Jahren 1941/42. Die ukrainische Armee des Jahres 2022 war kampferfahren. Seit 2014 lernte man und der Lernprozess brachte Ergebnisse.
    Was sind die offensichtlichen Mängel der russischen Streitkräfte?:
    - Die Russische Föderation ist eine führende Kosmosnation. Sehr offensichtlich bringt die Erdfernbeobachtung bei weitem noch nicht die wünschenswerten Ergebnisse. Man bekommt weder die Offensivvorbereitungen der Ukraine mit noch kann man ukrainische Artillerieeinheiten, die auf offenem Feld Stellung beziehen, außer Gefecht setzen.
    - Die elektronische Kriegsführung beherrscht China, aber Russland hat da einen gewaltigen Nachholbedarf.
    - Russland hat auch Kampfflieger der 5. Generation. Warum die nicht zum Einsatz kommen, ist mir unerklärlich
    - Russland hat moderne Drohnensysteme. Davon sieht man auch nicht viel.
    - Man lässt sich von der Ukraine strategisch diktieren. Man sieht sehr wenig eigene, souveräne strategische Operationen.
    Aber es geht nicht um die reinen militärischen Aspekte. Kriege werden nicht so sehr von modernen Waffensystemen entschieden. Wenn man solche hat, müssen Menschen in der Lage sein, damit umzugehen und sie effektiv zu handhaben.
    Es geht um die politische Lösung des Konflikts!
    Durch den Konflikt leiden:
    - Der Kampf gegen die globale Erwärmung.
    - Die Volkswirtschaften Europas.
    - Auch die Demokraten in den USA werden durch diesen Krieg nicht zu einer Wiederwahl Bidens kommen und die USA werden nicht die diversen Probleme des Landes vom Umweltschutz zu den Infrastrukturen bis zu den sozialen Problemen lösen.
    - Russland hat 70 Prozent der Taiga. Eine Verdichtung der Taigawälder – die man als die Lösung bei der Neutralisierung der CO2-Emissionen betrachtet – wird 2022 oder 2023 nicht einmal angedacht werden. Wir alle – und auch die nachfolgenden Generationen – sind Verlierer in diesem Krieg! Und das egal, wer militärisch gewinnen wird.
    Schuld an diesem Kkrieg haben der Friedensnobelpreisträger Barack Obama (US-Präsident 2014 als der Krieg begann), Frau Clinton, Victoria Nuland, die 2014 die Gelegenheit kommen sahen, Russland den Gnadenstoß zu versetzen! Und andere kalte Krieger aus den USA! Die aus Europa können wir aus dem Spiel lassen. Das sind nur die Clowns der US-Strategen!
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Marc P. aus Cottbus (12. September 2022 um 13:55 Uhr)
    »… Das Unheil nimmt seinen Lauf.« Um so wichtiger ist es, jetzt den Druck für eine Verhandlungslösung zu erhöhen.
  • Leserbrief von Andrea Varese aus Bonn (12. September 2022 um 13:48 Uhr)
    Anscheinend ist die militärische Unterstützung, die die Ukraine offen und verdeckt vom Westen erfährt, immenser und effektiver als angenommen. Diese Unterstützung erinnert mich stark an die massive Unterstützung des Iraks durch die USA etc., im Krieg gegen den Iran in den Jahren 1980 bis 1988. Wie es hier ausgehen wird, wissen wir nicht.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Peter S. aus Berlin (12. September 2022 um 12:59 Uhr)
    Die Ukrainer pflastern mit ihren Leichen die Felder. Wie kann man das als Erfolg und Kriegsglück bezeichnen? Das ist widerlich!
    • Leserbrief von Matthias Sommer aus Berlin (12. September 2022 um 19:31 Uhr)
      Das sehe ich mal absolut genauso! Die Ukronazis ziehen marodierend und mordend gegen ihr eigenes Volk (und das seit 2014!) zu Felde. Und dennoch: Wenn man bedenkt, was die vom Westen mit Hightech und Stahl zugeschissene ukrainische Armee nur gegen eine russische Armee mit einer Kampfstärke von nur zwei vollen Fußballstadien ausrichten kann. … Da wird schon klar, wo die mutigen Strategen, und wo die Feiglinge und Verlierer stehen.
  • Leserbrief von Dr. Karl S. aus Sachsen (12. September 2022 um 12:56 Uhr)
    Sehr geehrte Damen und Herren, aus Zeitgründen nur ein paar Thesen zum oben stehenden Artikel, auch als Ergänzung zu den bisherigen Leserbriefen hierzu.
    1. Wenn in fünfzig Jahren – sofern dann noch die Möglichkeit dazu besteht – die Archive solcher menschenfreundlicher Einrichtungen wie NSA, CIA, MI6, SBU, FSB, MAD, Norwegischer Marinegeheimdienst und wie sie sonst noch heißen, zum Umfeld des Ukrainekrieges geöffnet werden, wird man das volle Ausmaß an Selbstbetrug, Fehleinschätzung und gezielter Desinformation überschauen können, das unter anderem zu dem jetzt erkennbaren Debakel der russischen Armee geführt hat.
    2. Die Kriegsziele der russischen Führung erweisen sich nicht erst jetzt als irreal, sie waren es bereits vom 24. Februar 2022 an (ohne nähere Beweisführung: Demilitarisierung und Denazifizierung der Ukraine, Aufruf in den ersten Kriegstagen an die ukrainische Armee zum Umdrehen der Waffen und zur Aufnahme von Verhandlungen mit Russland usw. usf.). Unabhängig davon war seither in diversen jW-Beiträgen und im Forum häufig ein etwas positiver Grundton präsent, der so gar nicht zu den kritischen Entwicklungen auf dem Kriegsschauplatz passen wollte. Es wäre nicht verkehrt, wenn bei der Bewertung des Krieges zukünftig wieder etwas mehr marxistische Herangehensweise und weniger Wunschdenken zum Tragen kämen.
    3. Die Abwehr der ständigen Bedrohung der beiden »Volksrepubliken« durch ukrainischen Anti-Terror-Beschuss war und ist ehrenwert, allein bei den Kampfhandlungen der russischen Armee vermisst man die Wechselwirkung von Ziel, Weg und Mitteln, was nunmehr dazu führt, dass sie russischen Soldaten Gegenstand bösartigsten Hohns und Spotts seitens ihrer erklärten Gegner geworden sind. Und die Bilder abgeschossener russischer Panzer erinnern an Bilder schlimmer Zeiten im Zweiten Weltkrieg, wo vom ersten bis zum letzten Tag sowjetische Panzerwracks zuhauf in der Gegend herumlagen.
    4. Der Charakter der jetzigen Zeit verlangt mehr und neuartiges Eingehen auf die Kriegssicht.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Christoph V. aus 53227 Bonn (12. September 2022 um 11:46 Uhr)
    Sehr geehrter Herr Lauterbach, nicht Russland hat jegliche Verhandlungen abgebrochen. Russland hat stets erneute – ernstzunehmende – Verhandlungen gefordert. Das wissen sie genau. Denn das konnte man in der jW lesen. Und da wächst auch kein ukrainischer Hunger. Diese Ziele der Peripherisierung Russlands bis hin zu Zerstörung der russischen Staatlichkeit sind in den USA fortwährend und seit langem maßgeblich formuliert worden. Ihnen diente der Putsch 2014. Nuland u. a. machte sich doch lautstark Sorgen 2021, was man den noch tun müsse, um Russland zum Zuschlagen zu bringen. Die Herrschaften in Kiew wurden ebenso nie müde, einen großen europäischen Krieg unter Einschluss der NATO und durchaus atomar als im Interesse der Ukraine zu betonen. Mit von den von Ihnen selbst genannten Zielen. Sehen wir von den innenpolitischen und letztlich rassenpolitisch motivierten Absichten der Clique in Kiew einmal ab. Sie blenden genau die politisch-strategischen Essentials der Lage aus, die Rolf Becker in Kassel zu Recht veranlassten, das Vorgehen Russlands als »strategisch erzwungene Verteidigung« zu benennen. Man kann das noch schärfer formulieren. Man kann ebenso und gerade auch mit dem Wissen darum, dass Russland existentiell bedroht wird, die Schlussfolgerungen in Moskau heftig kritisieren. Die Gegebenheiten aber zu vernebeln oder kleinzureden, dient der Sache, zu sagen, was ist, selbstredend nicht. Warum also, was soll das?
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Erich Rainer K. aus Potsdam (12. September 2022 um 11:22 Uhr)
    Ich kann meinem Vorkommentatoren nur recht geben. Russland hat sich bisher weitgehendst zurückgehalten. Man ist dort zu Recht der Meinung, Russen und Ukrainer sind Brudervölker und da verbat es sich bisher, die militärischen Operationen zu einem tatsächlichen Krieg zu eskalieren. Da die faschistische Bande in Kiew aber nun mit immer schwereren Waffen versorgt wird, kann sich Russland weitere militärische Niederlagen nicht erlauben. Es läuft auf eine Eskalation hinaus, die, sollte die USA nicht zur Vernunft kommen und ihren Krieg mithilfe der Selenskij-Marionette beenden, durchaus zu einem Weltbrand führen kann.
  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (12. September 2022 um 11:03 Uhr)
    Natürlich sind die beidseitigen Kriegsziele irreal. Darüber zu schwadronieren lohnt sich nicht. Fakten sind: Russland schaden die verhängten Sanktionen kaum, mindestens aber nicht so, wie es vom Westen vorgesehen war. Jetzt mal abgesehen von den medial aufgeputschten Militärlieferungen, wäre die Ukraine ohne westliche finanzielle Unterstützung wirtschaftlich längst Pleite! Sie über den Winter zu bringen und ihre Staatsfunktion einigermaßen aufrechterhalten wird uns Europäer an unsere Belastungsgrenze bringen. Ob es gelingen wird, das ist hier die Frage, nicht, ob es überhaupt lohnt. Zwar bin ich kein Anhänger des Mottos »Erst kommt das Fressen, dann die Moral«, fürchte aber, dass sie zahlreiche, sogar mehrheitliche Fans in der EU hat. Im Leben darf die Bereitschaft zum Opfer den Verstand nicht ausschalten. Russland braucht in der Ukraine nicht unbedingt weitere Siege, Selenskij nach seiner Vollmündigkeit schon. Seine Ziele sind aber irreal. Ohne Erfolge wird er schon kurzfristig weder innen- noch außenpolitisch haltbar. Und nicht nur die Russen, sondern auch eine natürlich zu erwartender osteuropäischer kalter Winter drohen ihm auch! Das Tischtuch zu zerreißen ist das eine; es wieder zu flicken zu versuchen, das andere. Frieden muss das gemeinsame Ziel sein!
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Otto K. aus Herzberg-die Esperantostadt (12. September 2022 um 01:17 Uhr)
    Seit Wochen hat sich angedeutet, dass die als SMO (Spezielle Militäroperation) bezeichnete militärische Offensive Russlands teilweise scheitern und ein »full scale war« notwendig werden könnte, da die NATO, insbesondere USA und GB die Warnungen Russlands nicht beachteten und sogar mehr und qualitativ bessere Waffen liefern. Russland hat keine Frist angegeben, bis wann die Operation abgeschlossen ist, d. h. es ist abzusehen, dass nun auch Russland den Krieg bis unter die Schwelle eines Atomkriegs eskalieren und somit die Zahl der Gefallenen in sinnloser Weise erhöht wird. Bisher war die Kriegsführung Russlands kein Vietnam, Afghanistan, Irak oder Libyen, weil es dem Konzept einer SMO widersprochen hätte. Ich zitiere nun aus einer Rede Putins vor Führern der Staatsduma und den Vorsitzenden der Parteifraktionen in der Staatsduma der Föderalen Versammlung der Russischen Föderation (7.Juli 2022): »Heute hören wir, dass sie uns auf dem Schlachtfeld besiegen wollen. Nun, was soll ich sagen? Lass sie es versuchen. Wir haben schon viel darüber gehört, dass der Westen uns ›bis zum letzten Ukrainer‹ bekämpfen will. Dies ist eine Tragödie für das ukrainische Volk, aber das scheint der Weg zu sein, an den es geht. Aber jeder sollte wissen, dass wir im Großen und Ganzen noch nichts ernsthaft begonnen haben.« Nach mir vorliegenden Informationen hat RU bisher lediglich 10 Prozent seines Militärpotentials eingesetzt. Wenn Bundeskanzler Scholz und seine wildgewordene Außenministerin dem Druck der NATO nachgeben, müssen die schweren Waffen erst mit teurer Energie und wertvollen seltenen Metallen gebaut und dann zum Verschrotten durch die russische Luftwaffe in die Ukraine geschickt werden. Ein völlig neuer Weg zur Abrüstung. Mir bleibt nur noch blanker Zynismus angesichts des Hoch- und Landesverrats unserer Regierung. Im Auftrag der USA die eigene Industrie beschädigen und konkurrenzunfähig zu machen! Schaden abwenden vom deutschen Volk. So lautet der Amtseid!
  • Leserbrief von Holger K. aus Hessen (11. September 2022 um 22:52 Uhr)
    Russland hat eine völlig falsche Rechnung aufgemacht, nämlich anzunehmen, die Ukraine quasi im Handstreich zu besiegen. Man darf in dem Zusammenhang nicht vergessen, dass die Ukraine mit westlichen hochmodernen Waffen nur so zugeschüttet wird. Hinzu kommt ein nationalistischer Taumel, der dieses Land erfasst hat und der die Ukrainer verbissen und erbittert kämpfen lässt. All dies bedenkend, hätte Russland dem nur durch eine Teilmobilmachung erfolgreich begegnen können und nicht nur mit einer bloßen Handvoll Soldaten Kiew die Stirn zu bieten.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Gottfried W. aus Berlin (12. September 2022 um 14:02 Uhr)
      Die Russische Föderation hat seit 2014 stets eine recht konstante Reaktion gezeigt. Mit langsamer Eskalation der NATO-Offensive begegnen scheint mir weithin eine rationale und einer marxistischen Analyse zugängliche Strategie. Wie wir hier sehen, wird die Schlacht nicht nur auf dem Feld, sondern ebenfalls auf ökonomischer, Cyber- und propagandistischer Ebene ausgefochten, nicht ausgeschlossen, dass der angestrebte (…) Krieg auch biologische und weitere Bereiche erfassen soll. Die Entscheidung, langsamer zu eskalieren als die NATO hat sich bisher bewährt. Niemand hätte geglaubt, dass die über die Monate immer deutlicher werdende Kriegführung solche Dimensionen erreicht und dies von der aggressivsten deutschen Kapitalfraktion mit solcher Begeisterung angekommen wird. Dass ein Krieg die bekriegten Gesellschaften unter Druck setzen kann, ist bekannt. Outbalacing nennt NATO das. Aber wer glaubt, die RF wäre unfähig diese Herausforderung annehmen zu können, kann gerne wetten. Auch die Bezeichnung SMO ist vor diesem Grund eher klug gewählt. Gedacht war eine quasi polizeiliche Lageklärung, diese wurde erwartungsgemäß sabotiert durch die Mächte, denen der Schutz der angegriffenen Regionen übertragen war, darunter Deutschland, das durch seine Gebietsansprüche historisch belastet ist. Frankreich hat D freie Hand gelassen. Die Eskalation hat Schwächen auf beiden Seiten offenbart, ganz normal. Der Krieg dauert noch lange, soviel ist klar.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (11. September 2022 um 21:59 Uhr)
    Aus »Das Unheil nimmt seinen Lauf« könnte in der Tat sehr schnell ein apokalyptisches Rennen werden. Wenn ich mich richtig erinnere, hat Putin vor einigen Wochen gesagt, dass Russland keinen Krieg in der Ukraine führe, denn ein Krieg sähe anders aus. Ob er einen Vergleich zu US-amerikanischen Kriegen mit Bombenteppichen und Napalm gezogen hat? Nimmt man verschiedene Äußerungen unterschiedlicher »wertewestlicher« Politiker:*:Innen wie: »russische Wirtschaft ruinieren«, »Russland entkolonialisieren«, das obige Zitat des Herrn Danilow und die Erfahrung der letzten (fünfzehn) Jahre zusammen, dann bleiben Russland nur zwei Optionen: bedingungslose Kapitulation oder Anpassung der militärischen Strategie an die Kriegsziele. Vom »Wertewesten« eine Russlandpolitik mit Respekt und auf Augenhöhe zu erwarten, wäre wohl naiv. Da müsste man sofort seinen Rücktritt erklären (ich als Rentner kann aber nur vorwärts und nicht vergessen in die Grube). Auf meinem finalen Vormarsch werde ich noch darüber nachdenken, ob die vier apokalyptisch Reiter der Bibel oder die fünf von John Gottman zielführender sind. Ob sich Frau Baerbock und Herr Habeck bis zum Ende der Legislatur halten können? Wie man hört, grummelt es etwas in einigen Untermengen des Stimmviehs … Und dann noch die Zwischenwahlen in den USA (…), oh je! Dass in Kriegszeiten in Bezug auf militärische Gegebenheiten von allen Seiten gelogen wird, ist bekannt. Wie sieht es wirtschaftlich in Russland aus? Dazu würde ich mir (mindestens) einen evidenzbasierten Artikel in der jW wünschen. Von der Ukraine wissen wir es.

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