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Aus: Ausgabe vom 06.09.2022, Seite 2 / Inland
Arbeitskampf

Mehr Geld für Hafenarbeiter

Verdi stimmt Abschluss für Nordseehäfen zu. Schwächen bleiben bestehen
Von Jens Walter
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Die Verdi-Bundestarifkommission hat dem Abschluss trotz Kritik und Unmut von Beschäftigten zugestimmt

Der neue Tarifvertrag für die rund 12.000 Hafenarbeiter an den deutschen Nordseehäfen ist endgültig unter Dach und Fach. Die Bundestarifkommission der Gewerkschaft Verdi stimmte dem mit dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) vor knapp zwei Wochen vereinbarten Tarifabschluss am Montag »nach eingehender Diskussion« zu, wie die Gewerkschaft mitteilte. Vorausgegangen war eine beispiellose Warnstreikserie, die im Juni und Juli die Abfertigung in den Häfen für insgesamt 80 Stunden lahmgelegt hatte.

Der nach zehn Runden gefundene Abschluss sieht Entgelterhöhungen in diesem und im kommenden Jahr vor. Laut Verdi-Mitteilung werden die Entgelte in Vollcontainerbetrieben für die 12.000 Beschäftigten rückwirkend ab 1. Juli um 9,4 Prozent angehoben. In den konventionellen und den Stückguthafenbetrieben steigen die Entgelte um 7,9 Prozent. Ab 1. Juni 2023 erhöhen sich die Löhne jeweils um weitere 4,4 Prozent. Zudem enthält der Abschluss eine Klausel für den Fall, dass die aktuell extrem hohe Inflationsrate von fast acht Prozent auch im kommenden Jahr ausufern sollte. »Unser Ziel war ein echter Inflationsausgleich, um die Beschäftigten nicht mit den Folgen der galoppierenden Preissteigerungen allein zu lassen«, sagte die Verhandlungsführerin der Gewerkschaft, Maya Schwiegershausen-Güth. »Das ist uns für die allermeisten Betriebe gelungen.«

An dem Abschluss ist in den vergangenen Wochen aber auch viel Kritik laut geworden. Beispielsweise gibt es unter den Beschäftigten Unmut über die vereinbarte Laufzeit von zwei Jahren rückwirkend ab 1. Juli, da Verdi ursprünglich mit der Forderung »zwölf Monate« in die Verhandlungen gestartet war. Kritik gibt es auch an die Staffelung der Lohnerhöhung, die zwischen A-, B- und C-Betrieben unterscheidet. In letzteren wird wegen aktueller wirtschaftlicher Probleme vorübergehend unter einem gesonderten Beschäftigungssicherungstarifvertrag arbeiten. Trotzdem sind für die Beschäftigten hier gerade mal 3,5 Prozent Erhöhung im ersten und 2,5 Prozent im zweiten Laufzeitjahr vorgesehen – und das, obwohl die Tarifrunde mit dem erklärten solidarischen Ziel gestartet war, vor allem die C-Betriebe überproportional anzuheben.

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