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Aus: Ausgabe vom 17.08.2022, Seite 10 / Feuilleton

Schmidt, Hollinderbäumer, Sanoussi-Bliss

Von Jegor Jublimov
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»Beklag mich nicht, doch leih dein ernst Gehör dem, was ich kund will tun«: Der gute Geist von Harald Schmidt als Hamlets Vater

»Auch wenn irregeleitete Medien manchmal anderes behaupten: Im Fernsehen bin ich der Beste!« Der das vor Jahren der Stuttgarter Zeitung sagte, leidet nicht an Schüchternheit. Harald Schmidt ist deutlich im Vorruhestandsalter und wird am Donnerstag 65. Der Sohn eines aus Böhmen und Mähren stammenden Ehepaars wuchs in Nürtingen am Neckar auf, war bei den katholischen Pfadfindern, ehrenamtlicher Kirchenorganist und Zivi in einem katholischen Pfarrbüro. Wahrscheinlich musste er daraufhin einfach hauptberuflicher Spötter werden, der (wie die meisten großen erratischen Komiker) die Grenze zum Zynismus und zu Geschmacklosigkeiten nicht scheute. Mit seinen ersten Shows »MAZ ab!«, »Pssst …« und »Schmidteinander« (mit dem im Oktober 2020 verstorbenen, kogenialen Herbert Feuerstein, langjähriger Chefredakteur der Satirezeitschrift Mad) steigerte sich Schmidt ab 1989 von gesittet zu überschäumend bis unverschämt. Als er von 1995 bis 2014 bei Sat.1 und in der ARD nach US-amerikanischem Vorbild Late-Night-Shows leitete, ging es nicht ohne Geschmacklosigkeiten ab, wenn er etwa die Polen mit groben Witzen beleidigte oder sich über eine lesbische WDR-Moderatorin lustig machte. Talk-Formate hat er noch nicht ganz an den Nagel gehängt, etwa bei N-TV halbjährlich mit »Gysi & Schmidt«. Ansonsten ist er Schauspieler (sein alter Lehrberuf) und findet als Kreuzfahrtdirektor im ZDF-»Traumschiff« sicherlich ein gutes Auskommen.

Eine umgekehrte Karriere legte Dietrich Hollinderbäumer hin. Er wurde 1968 Theaterschauspieler, Bühnenstar in Wien (u. a. Burgtheater), gastierte nur ab und an im Fernsehen, auch in dramatischen Rollen, bis er einen großen Erfolg in der Comedy-Reihe »Pastewka« als Vater des Helden hatte. Von da war es nur noch ein kleiner Schritt zur »Heute-Show«, wo er als Korrespondent Ulrich von Heesen bestes Kabarett bietet. Der gebürtige Essener kam mit neun Jahren nach Stockholm, wo er kurz bei der Lufthansa arbeitete und dann Schauspielunterricht nahm, u. a. bei Ingmar Bergman. So ist es auch folgerichtig, dass er gelegentlich in schwedischen Produktionen, etwa dem Sportlerfilm »Männer im Wasser« (2008), mitwirkte. Am Dienstag konnte er seinen 80. feiern.

Der Kleinkunst verbunden ist auch ein Schauspieler, der am Mittwoch 60 wird und der sich Ende der achtziger Jahre als ein singender Komödiant von Rang im Jugendtreff des Palasts der Republik erwies. Pierre Bliss (heute nach seinem guineischen Vater Sanoussi-Bliss) studierte Schauspiel in Berlin-Schöneweide, spielte dann in Dresden Theater und unter der Regie von Christa Mühl, Peter Vogel, Hannelore Unterberg, Rolf Losansky und zweimal Heiner Carow in Defa-Filmen. Bundesweit bekannt machte ihn die ZDF-Serie »Der Alte«, in der er ab 1997 in 169 Folgen den Ermittler Axel Richter spielte. Sanoussi-Bliss, der auch zwei Filme inszenierte, ist mit Till Kaposty-Bliss, einem der Herausgeber der Zeitschrift Das Magazin, verheiratet und hat die Arbeit an einer neuen Serie begonnen.

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