Dein Abo für den heißen Herbst!
Gegründet 1947 Friday, 7. October 2022, Nr. 233
Die junge Welt wird von 2651 GenossInnen herausgegeben
Dein Abo für den heißen Herbst! Dein Abo für den heißen Herbst!
Dein Abo für den heißen Herbst!
Aus: Ausgabe vom 16.08.2022, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft
Folgen der Coronapolitik

Keine oder schlechte Jobs

Jugendarbeitslosigkeit steigt. Unzufriedenheit mit der Ausbildung auch.
Von Bernd Müller
Messe_fuer_Job_und_A_74818137.jpg
Man kann es ja mal versuchen: Ab zur Jobbörse (Berlin, 12.9.2016)

Die Coronapandemie hat junge Menschen härter getroffen als andere Altersgruppen. Das zeigen verschiedene Studien, die in den letzten Wochen veröffentlicht wurden. Es handelt sich dabei nicht nur um ein deutsches oder europäisches Problem – es ist ein globales, wie aus dem neuen Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hervorgeht.

Der ILO-Bericht zeigt, dass mit der Pandemie Hürden verstärkt wurden, mit denen junge Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren konfrontiert sind. Unter ihnen stieg die Arbeitslosigkeit stärker als unter Erwachsenen. In diesem Jahr wird dem Bericht zufolge die Gesamtzahl der Jugendlichen ohne Beschäftigung bei 73 Millionen liegen, weltweit. Im Vergleich mit der Zeit vor der Coronapandemie ist das ein Anstieg von sechs Millionen.

Aber auch der Anteil von jungen Menschen ist gestiegen, die weder in Ausbildung sind noch arbeiten oder eine Schulung durchlaufen. Für diese Gruppe sind die Daten allerdings älter; das letzte Jahr, für das Daten vorliegen, ist 2020. Damals gehörte fast jeder vierte Jugendliche zu dieser Gruppe (23,3 Prozent). Das bedeutet nicht nur einen Anstieg von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, sondern markiert den höchsten Stand seit mindestens 15 Jahren. Für sie besteht laut ILO das besondere Risiko, auf lange Sicht schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben.

Die Situation von jungen Frauen verschlechtert sich aufgrund dieser Entwicklung besonders. Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung gehen sie deutlich seltener einer Beschäftigung nach als junge Männer. Nur rund 27,4 Prozent aller jungen Frauen werden in diesem Jahr eine Beschäftigung ausüben, schätzt die ILO; von den jungen Männern sind es demnach 40,3 Prozent. Die Schere zwischen den Geschlechtern geht vor allem in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen auf; in Ländern mit hohen Einkommen gehen fast genauso viele junge Frauen einer Beschäftigung nach wie Männer.

Die ILO geht davon aus, dass sich die Jugendbeschäftigung regional unterschiedlich entwickeln wird – je nach Höhe des Einkommens in den jeweiligen Ländern. Wo die Einkommen sich auf einem hohen Niveau bewegen, wird die Jugendarbeitslosigkeit voraussichtlich sinken, auf das Niveau von 2019. In den anderen Ländern wird sie noch über dem Niveau der Vorkrisenzeit verbleiben.

In Europa und Zentralasien wird der Anteil der Jugendlichen ohne Beschäftigung demnach um 1,5 Prozent höher sein als der globale Durchschnitt im Jahr 2022 – 16,4 Prozent im Vergleich zu 14,9 Prozent. In diesen Ländern gebe es zwar Fortschritte dabei, die Jugendarbeitslosigkeit zu verringern, stellte die ILO fest; aber der Krieg in der Ukraine werde die Entwicklung »höchstwahrscheinlich negativ beeinflussen«.

»Die Covid-19-Krise hat eine Reihe von Schwächen bei der Art und Weise gezeigt, wie auf Bedürfnisse von jungen Menschen eingegangen wird«, erklärte Martha Newton, Vizegeneraldirketorin für den Bereich Politik bei der ILO. Betroffen seien vor allem die besonders vulnerablen Gruppen: Berufseinsteiger, Schulabbrecher, frisch Graduierte mit wenig Arbeitserfahrung und die unfreiwillig Inaktiven. Was junge Menschen am dringendsten bräuchten, seien »gut funktionierende Arbeitsmärkte mit angemessenen Beschäftigungsmöglichkeiten« sowie qualitativ hochwertige Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten, so Newton.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam kürzlich auch das Deutsche Jugendinstitut (DJI); in der vergangenen Woche stellte das Institut erste Befunde einer Langzeituntersuchung unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland vor. Für die Studie werden regelmäßig etwa 1.500 junge Menschen im Alter von 15 bis 25 Jahren befragt. Mit ihrer Ausbildungs- und Bildungssituation waren demnach deutlich mehr junge Menschen unzufrieden als vor der Pandemie. Der Anteil der Zufriedenen sank auf 55 Prozent, was einem Rückgang um 16 Prozent entspricht im Vergleich zum Jahr 2019.

Dein Abo für den heißen Herbst!

in Zeiten der sozialen Verwerfungen braucht es ein Korrektiv, das die Propaganda der Herrschenden in Wirtschaft und Politik aufzeigt. Deshalb: jetzt das jW-Abo abschließen!

Mehr aus: Betrieb & Gewerkschaft