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Aus: Ausgabe vom 15.08.2022, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Freiheit zur Rape Culture

Abendschau | Fr., 19.30 Uhr, RBB
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Rühmte sich, 3.000 Frauen »gehabt« zu haben: Nachtklubkönig Rolf Eden (Berlin, 31.1.2017)

»Rolf Eden hat so gelebt, wie er wollte. Mit ihm hat Berlin den letzten Playboy verloren«, vermeldete die RBB-»Abendschau« am Freitag abend den Tod des am Vortag im Alter von 92 Jahren verstorbenen Multimillionärs und Nachtklubbesitzers. Es sei ihm stets nur um »Freiheit, Freiheit, Freiheit« gegangen. Gemeint ist wohl die Freiheit zur Rape Culture. 2009 hatte der geliftete, solariumgebräunte und blondierte Widerling in einer Talkrunde zum Thema Zwangsprostitution getönt, es sei ihm »so was von egal«, ob Prostituierte alles freiwillig täten, schließlich sei das »ja keine Arbeit, ist ja auch Vergnügen für die Frauen«. Das unterschlägt der RBB. Statt dessen erfahren wir, Eden habe im israelisch-arabischen Krieg 1948 gekämpft – »eine Zeit, über die er später so gut wie nicht spricht«. Dafür hatte Eden, dessen Familie vor den Nazis nach Palästina geflohen war, allen Grund: Die für ihre Kriegsverbrechen berüchtigte zionistische Elitetruppe Palmach, der er angehörte, war damals führend an Vertreibungen in Palästina beteiligt. (nb)

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  • Leserbrief von Theodora Becker (17. August 2022 um 11:40 Uhr)
    Ja, Rolf Edens Äußerungen waren oft von schwer erträglicher Naivität und von Ausbeutung, Gewalt, Krankheit, Armut, Tod – all den hässlichen Dingen, die diese Gesellschaft kultiviert – wollte er nichts wissen, ebensowenig wie von Verantwortung, Moral, Pflicht. Das prädestiniert ihn zur Hassfigur der Linken. Aber genau deshalb ist die Welt ärmer ohne ihn. Und deshalb kann man getrost die Behauptung aufstellen, daß Eden in seinem Leben mehr Frauen glücklich gemacht hat als die ganze jW-Redaktion zusammen. Denn wenn Rolf Eden 3.000 Frauen gehabt hat, dann haben auch 3.000 Frauen Rolf Eden gehabt und vielleicht nicht zu ihrem Nachteil, wie der Autor insinuiert, der sich in moralischer Überlegenheit sonnt gegenüber einem, der sein Leben nicht der Politik, sondern dem Genuss gewidmet hat und dabei, soweit bekannt, niemandem übel wollte und anderen ebensoviel Glück gönnte, wie er für sich selbst in Anspruch nahm. Der Autor hat dafür nur Verachtung: Wie kann er es wagen, glücklich zu sein! Wie, an das Gute im Menschen zu glauben! Sex und Frauen zu lieben und das auch noch zu sagen!
    Infam ist die Behauptung, mit dem zitierten Satz habe Rolf Eden sich der Unterstützung einer angeblichen »Rape Culture« schuldig gemacht. Der Satz mag verklärend sein (allerdings sprach Eden aus der Erfahrung des Westberliner Nachtlebens und Prostitutionsmilieus, das inzwischen der Vergangenheit angehört), aber er ist immerhin nicht so dumm und sexualfeindlich, wie die gegenteilige Ansicht, die Prostituierten seien alle vergewaltigte Opfer, die nur darauf warten, von jW-Redakteuren moralisch gestärkt zu werden.
    Am Ende hat Rolf Eden sogar noch der Jungen Welt einen Dienst erwiesen, indem er als Jude, erfolgreicher Nachtclubbesitzer und »Sexist« alle Herzensthemen linker Dummheit abgedeckt hat. So lassen sich alle Ressentiments auf einer Person vereinigen: Wut auf unverdientes Glück, Verachtung des sexuellen Gewerbes und Hass auf Israel. Und er hätte wohl gesagt: »Das ist mir so was von egal.«

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