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Aus: Ausgabe vom 06.08.2022, Seite 18 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Wenig gelernt

Zu jW vom 25.7.: »Panzerrennen«

Da schreit das deutsche Kriegerherz nach Vernichtung des »bösen Russen«. Das, was 1914 nicht klappte, das, was 1943/44 vor Stalingrad scheiterte, sollte doch mit Hilfe der Ukrainer endlich realisiert werden. Aus allen Worten von den »deutschen Kriegern« spricht nur eins: endlich »den bösen Russen« vernichtend zu schlagen. Die Rachegelüste der Ewiggestrigen brauchen nicht einmal mehr den Antikommunismus als Grund, der pure »Russenhass« reicht den Nationalisten. Es ist erschreckend, wie wenig dieses deutsche Volk aus der Geschichte gelernt hat. Nationalismus und Rassismus stecken so tief in diesem Volk, dass ich mich wieder schäme, ihm anzugehören. Keine Frage, Putin hat diesen Krieg begonnen, er muss so schnell wie möglich beendet werden. Wenn man jedoch die Gründe für diesen Krieg außer acht lässt, wird man die Ursachen nicht aus der Welt schaffen. Den sich in den Vordergrund drängenden »Schreihälsen« von der CDU bis zu den Grünen geht es nicht um Beendigung eines Krieges, es geht ihnen nur noch um das Besiegen des »bösen Russen«. Damit stehen sie fest im Bunde mit den USA.

Egal, ob wir es nun Hegemonie oder Imperialismus nennen, es sterben täglich Menschen auf beiden Seiten, dahinter stecken immer egoistische Interessen. So war der Kapitalismus schon immer, und so ist er heute noch. Ob er den Nationalismus oder was auch immer als Grund anführt, am Ende lässt sich alles auf Profitinteressen reduzieren.

Ronald Prang, Berlin

Unqualifizierte Vorschläge

Zu jW vom 1.8.: »FDP für Bibberbonus«

Das ist mal wieder typisch für diese kleinkarierten »Mittelstandsvertreter«. Keine Ahnung haben, aber lauthals Unsinn verbreiten: »Wer jedoch Arbeitslosengeld II bezieht, hat diesen Anreiz nicht, da die Kosten in der Regel vollständig vom Jobcenter übernommen werden«, meint Lukas Köhler. Schneller kann man sich mit der Verbreitung von Unsinn kaum blamieren. Die Äußerung des Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion zeigen, dass er von der Materie, über die er redet, wahrlich keine Ahnung hat. Denn beim Bezug von Arbeitslosengeld II bzw. Grundsicherung im Alter werden Heizkosten maximal nur bis zur Höhe eines durchschnittlichen Verbrauchswertes übernommen. Was darüber liegt, muss von den Betroffenen aus dem monatlichen Regelsatz selbst gezahlt werden, was zu einer Unterschreitung des sogenannten Existenzminimums führt. Ein Anreiz, Heizkosten zu sparen, besteht also auch ohne solch unqualifizierte FDP-Vorschläge.

Zudem sind die hohen Energiepreise allein eine Folge westlicher Sanktionen, durch die die Gaspreise an der Börse extrem gestiegen sind. Verantwortlich hierfür: die jetzige Bundesregierung, an der auch die FDP aktiv beteiligt ist. Wer so unüberlegt handelt, sollte allein für diese Wucherpreise zahlen, die diese einfältigen Politdilettanten verursacht haben. Im übrigen kann es an Geld kaum mangeln, wenn diese Kriegstreiber 100 Milliarden Euro für ein gewaltiges Rüstungspaket und weitere Milliarden für unsinnige Waffenlieferungen an die Ukraine ausgeben können.

Lothar Böling, Düren

Krokodilstränen

Zu jW vom 3.8.: »Hinrichtung ohne Urteil«

Gerade noch haben die USA und ihre Vasallen Meere von Krokodilstränen über die Notwendigkeit vergossen, das Völkerrecht und die territoriale Integrität jeden Landes zu respektieren. Jetzt haben sie in Kabul demonstriert, was davon zu halten ist: Gegner werden füsiliert, egal in welchem Land sie sich gerade aufhalten. Rechtsstaatliche Verfahren braucht es dazu nicht, das Recht des Stärkeren zählt. Nationale Grenzen sind Schall und Rauch, wenn die USA Rache üben wollen. Die Medien der BRD applaudieren stehend. Erst morgen werden sie die Platte über die notwendige Respektierung des Völkerrechts wieder auflegen.

Joachim Seider, per E-Mail

Überdeutlicher Affront

Zu jW vom 30./31.7.: »Nur hübsche Worte«

Wer es noch nicht wusste, weiß es jetzt ganz genau – die Bundesrepublik ist an einer ernsthaften Aufarbeitung ihrer faschistischen Geschichte nicht ernsthaft interessiert. Der Auftritt der deutsch-grünen Bundesaußenministerin ist ein überdeutlicher Affront gegenüber all jenen Menschen, die im Kampf gegen faschistische Okkupanten gestanden haben, und der Bevölkerung, die durch die schwarz-braun-olivgrünen Horden des Deutschen Reiches unterjocht, gequält und getötet wurden. Mit dem leichtfüßigen und lächelnden Auftritt von Baerbock werden die juristisch und moralisch begründeten Wiedergutmachungsansprüche der Griechen einfach abgeschmettert. Arrogant und dreist wird auf den Zwei-plus-vier-Vertrag verwiesen, der alles im Sinne der Bundesrepublik mit einem Basta regeln soll. Einmal mehr erweist sich dieser Vertrag als ein Diktat der USA sowie Deutschlands gegenüber den Interessen ehemaliger sozialistischer Länder und deren Folgestaaten sowie darüber hinaus gegen die Forderungen nach berechtigten Entschädigungszahlungen Griechenlands und Italiens.

Die »Antrittsreise« von Baerbock in Griechenland und in der Türkei offenbart, dass auch Politiker der Grünen Menschenrechte nicht einfordern und durchsetzen wollen, sondern diese als Kampfbegriff für die Durchsetzung ihrer Machtinteressen missbrauchen. Die grün eingefärbte Außenpolitik der Ampel in Berlin lautet: keine Entschädigung für faschistisches Unrecht, keine Verurteilung des völkerrechtswidrigen Krieges der Türkei gegen die Kurden und gegen Syrien. Mit den Grünen haben wir eine weitere Partei ohne moralische und ethische Grundsätze an der Spitze der Macht in Deutschland.

Raimon Brete, Chemnitz

Lauter Experten

Zu jW vom 4.8.: »Der fehlende Part«

Es ist schon toll, was wir da für eine Regierung aus Fachleuten haben: nicht nur einen Wirtschaftsminister, der Gaskraftwerke abstellen will, ohne dass er bis heute versteht, worin der Unterschied zwischen Grundlast und Spitzenlast besteht, nein, nun auch noch einen Kanzler, der durch bloße Draufsicht beurteilen kann, dass eine Gasturbine voll funktionstüchtig ist. Ich bin fasziniert.

Gabriel Toledo, Berlin

Mit den Grünen haben wir eine weitere Partei ohne moralische und ethische Grundsätze an der Spitze der Macht in Deutschland.

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