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Aus: Ausgabe vom 05.08.2022, Seite 8 / Ansichten

Anstoß des Tages: Oktoberfest

Von Jörg Tiedjen
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Bayrische Spezialitäten sollte man in Marokko wenn überhaupt heimlich verspeisen

Es ist noch nicht lange her, dass sich die Beziehungen zwischen Rabat und Berlin wegen des Westsahara-Konflikts auf dem Nullpunkt befanden. Kaum konnte die »grüne« Außenministerin Annalena Baerbock in Verein mit dem Bundespräsidenten mit ein paar blumigen Erklärungen, sprich: einem windelweichen Einknicken vor den Forderungen des Königreichs, den Zorn besänftigen, da drohte den deutsch-marokkanischen Beziehungen neues Ungemach. Wie die Nachrichtenseite Yabiladi am Montag meldete, hatte die Deutsche Industrie- und Handelskammer in Rabat vor, diesen Herbst zum ersten Mal überhaupt in Casablanca ein Oktoberfest zu organisieren. Doch hatten die Vertreter der deutschen Wirtschaft offensichtlich vergessen, wo sie sich befinden. Flugs sammelten fromme Marokkaner Unterschriften, um das »Bierfest« zu verhindern, aufgebracht über die Vorstellung, dass in einem »islamischen Land« von Bedienungen in freizügigen Dirndls Schweinshaxen und Gerstensaft in Humpen aufgetischt werden. Wie auf Yabiladi am Mittwoch zu lesen war, hat die Handelskammer mittlerweile alle Hinweise auf die Volksbelustigung aus dem Internet gelöscht.

Im benachbarten Algerien ist man übrigens der irrigen Auffassung, dass zur »Fête de la bière« in Deutschland das Bier nicht nur in paradiesischen Strömen fließt, sondern überdies umsonst ist. Vielleicht wäre das nach dem Neun-Euro-Ticket eine weitere Geschenkidee, in diesen schweren Zeiten für ein wenig gute Stimmung zu sorgen? In Algerien erschien am Mittwoch auf der Webseite La Patrie News auch ein bissiger Kommentar zum jüngsten Bericht der Weltbank über Marokko. Die vernichtende Analyse der sozialen und wirtschaftlichen Situation fasst der Autor mit der Überschrift »Im Angesicht einer drohenden Hungersnot« zusammen. Islam hin oder her: Nicht nur die Marokkaner bräuchten im Augenblick Brot. »Sollen sie doch Bier trinken«, frei nach Marie-Antoinette, ist da die falsche Devise.

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