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Aus: Ausgabe vom 04.08.2022, Seite 11 / Feuilleton
Film

Bis auf den Schädel

»Predator« vs Comanche: Der Film »Prey«
Von Marc Hairapetian
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Gejagte Jäger: Comanche im Visier des Predator

Die Comanchería im Jahr 1719; Naru (Amber Midthunder) ist eine talentierte Kriegerin, die aber als Frau einen schweren Stand in ihrem Stamm hat. Als ihr Lager von einem unsichtbaren Gegner bedroht wird, macht sie sich auf, ihr Volk zu beschützen. Die Bedrohung, mit der Naru konfrontiert wird, entpuppt sich als außerirdischer Profijäger mit neuestem technischen Arsenal, was zu einem bösartigen Showdown zwischen der Kriegerin und dem unbekannten Wesen führt.

»Prey«, der ab dem 5. August exklusiv als Disney-plus-Original gestreamt wird, schildert im ersten Filmdrittel ausführlich Sitten und Gebräuche der Comanchen. Regisseur Dan Trachtenberg (»10 Cloverfield Lane«) nimmt sich über eine halbe Stunde Zeit, bis der Mensch und Tier skelettierende Predator erstmals auftaucht.

Der Zuschauer begleitet die Comanchen auf die Jagd, wo Naru von ihrem Bruder Taabe (Dakota Beavers) und den anderen Kriegern belächelt wird. Folglich übt sie unter den erstaunten Blicken ihres Hundes so lange mit dem Tomahawk, bis sie auch als Frau ihren Mann steht. Wird Beute erlegt, bedankt sich der Stamm bei dem toten Tier. Sie töten nur, um sich zu ernähren. In diese vermeintliche Idylle platzt plötzlich der Predator, der aus purer Machtlust tötet. Man kann die von den Brüdern Jim und John Thomas ersonnene, seit 1987 im Kino bekannte Gestalt, die sich unsichtbar machen kann und an H. R. Gigers »Alien« (1979) erinnert, vielleicht auch als Parabel sehen: auf den Krieg, den die USA seit der Annexion von Texas 1845 gut drei Jahrzehnte lang gegen die Comanchen führten.

Verkörpert wird der Predator diesmal vom 2,06 Meter großen, ehemaligen Basketballspieler Dane DiLiegro, der den nach einem Verkehrsunfall durch eine Behandlung mit einer HIV-infizierten Blutkonserve an AIDS erkrankten und verstorbenen Kevin Peter Hall (1955–1991) aus dem legendären ersten »Predator«-Film in puncto Physis in nichts nachsteht. Er tötet systematisch wie ein Wissenschaftler im Versuchslabor, der das Leid und den Zerfall seiner Beute emotionslos beobachtet. Besonders grausam ist eine Szene, in der ein Wolf ausgeweidet und sein Fell mit einem Laser weggebrannt wird, bis nur noch der kahle Schädel übrig bleibt. Es verwundert nicht, dass der Arbeitstitel des Filmprojekts zunächst »Skulls« hieß.

Nun ist in der Rolle seiner Duellantin Amber Midthunder (»Only Mine«) zu sehen. Die Tochter des Schauspielers David Midthunder und der Stuntfrau Angelique Midthunder ist Mitglied der Fort Peck Indian Reservation und indigener, spanischer und thailändischer Herkunft. Ihre Naru setzt brachialer technischer Gewalt eine durch Beobachtungsgabe geschärfte, intelligente Überlebensstrategie entgegen, um das Monster zu besiegen. Abseits der brutalen Predator-Action hebt die Produktionsfirma hervor, dass es den Filmemachern ein großes Anliegen war, einen Film zu kreieren, der das Volk der Comanchen so realistisch wie möglich präsentiert. Er sollte den indigenen Völkern gerecht werden. Ein Genremeisterwerk.

»Prey«, Regie: Dan Trachtenberg, USA 2022, 99 Min., ab Freitag exklusiv auf Disney plus

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