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Aus: Ausgabe vom 04.08.2022, Seite 5 / Inland
Immobilienhaie

Mehr Profit wagen

Wohnungskonzern Vonovia verzeichnet in Halbjahresreport kräftige Ausbeute. Weitere Gewinnsteigerungen geplant
Von David Maiwald
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Konzerngewinne gehen zu Lasten der Mieterinnen und Mieter – die dagegen auf die Straße (Bochum, 23.4.2022)

Zuletzt riefen sie nach einem Inflationsausgleich durch steigende Mieten. Die Heizung sollte heruntergefahren werden, um angesichts der steigenden Energiepreise Kosten zu sparen. Doch tatsächlich sprudeln die Gewinne beim größten deutsche Wohnungskonzern Vonovia fröhlich weiter, die sich ausbreitende Krise hinterlässt dort keinen Kratzer im Lack. Am Mittwoch vermeldete der Immobilienriese einen Gewinn von 1,063 Milliarden Euro für das Halbjahr 2022 – ein Zuwachs von 36,3 Prozent in sechs Monaten. Im gesamten Jahresverlauf 2021 hatte der Konzern 1,7 Milliarden Euro Gewinn verbucht. Profitieren konnte der Immobilienhai, dem knapp 500.000 Wohnungen alleine in der Bundesrepublik gehören, durch steigende Mieten im Halbjahr, das Wachstum führt man in der Bochumer Konzernzentrale besonders auf die Übernahme der Deutschen Wohnen im vergangenen Jahr zurück.

Auf Wachstumskurs

Das jetzige Tochterunternehmen hatte Vonovia für rund 17 Milliarden Euro übernommen. Der Konzern führte seinen im letzten Halbjahr mit einer Steigerung von 34,5 Prozent verbuchten Umsatz von 3,11 Milliarden Euro »im wesentlichen« auf die »Konsolidierung der Deutsche Wohnen« zurück. Das Unternehmen plane in den kommenden Jahren, Immobilien im Umfang von 13 Milliarden Euro abzustoßen, hieß es in einer Mitteilung am Mittwoch. Weiter hieß es darin, die Mieten in Vonovia-Wohnungen seien in den letzten sechs Monaten um insgesamt 3,4 Prozent gestiegen. Im Durchschnitt liegen sie damit bei einem monatlichen Quadratmeterpreis von 7,44 Euro, rechnete der Deutsche Mieterbund (DMB) in einer Mitteilung am Mittwoch vor. Denn wo es möglich war, habe Vonovia die Mieten »in unverminderter Geschwindigkeit angehoben«. Das Unternehmen rechnet im laufenden Jahr mit einem Wachstum von mehr als 20 Prozent, in der Bilanz sollen am Ende bis zu 2,1 Milliarden Euro stehen.

An Vonovia zeige sich erneut beispielhaft, »dass die Orientierung auf Konzerngewinne zu Lasten der Mieterinnen und Mieter geht«, sagte Angelika Schmid-Balzert von der Kampagne Mietenstopp am Mittwoch im Gespräch mit junge Welt. Der Gewinnsprung des Unternehmens sei ein »richtig großer Batzen«, Ein Inflationsausgleich durch Mieterhöhungen, wie jüngst von Vonovia gefordert, sei »völliger Quatsch«. Mieterinnen und Mieter zahlten durch steigende Nebenkosten ohnehin schon »mehr als genug Inflationsausgleich für das Unternehmen«. Ähnlich äußerte sich auch Hans-Joachim Witzke, DMB-Vorsitzender in Nordrhein-Westfalen, in einer Mitteilung am Mittwoch. Mieterinnen und Mieter zahlten »nach wie vor« »die immensen Gewinne und Dividenden«. Gewinne »auf Kosten der Menschen immer weiter maximieren zu müssen«, sei »unanständig«. »Wohnen ist ein Grundbedürfnis und gehört nicht an die Börse«, so Witzke weiter.

Enormes Misstrauen

Der Wohnungsmagnat gibt den Kümmerer. »Gemeinsam mit den Mietern« werde man »eine Lösung finden, wenn sich jemand seine Wohnung wegen erhöhter Heiz- und Warmwasserkosten« nicht mehr leisten könne, wurde Konzernchef Rolf Buch am Mittwoch zitiert. »Unsere Mieterinnen und Mieter können sich auf uns verlassen.« Das steht zu befürchten. »Die Sorgen von Mieterinnen und Mietern, ihre Heizrechnung und weitere Kosten nicht mehr tragen zu können, bewegen uns natürlich enorm«, sagte Bana Mahmood von der Initiative »Deutsche Wohnen und Co. enteignen« am Mittwoch im jW-Gespräch. Wenn Konzernboss Buch allerdings von einer »gemeinsamen Lösung« spreche, sei »das Misstrauen enorm«. »Den Wohnungskonzernen ist die Faktenlage klar, doch sie wollen nichts daran ändern. Im Gegenteil: Sie wollen die Mieten ja sogar weiter steigern«, so Mahmood zu jW. »Was wir jetzt brauchen, ist eine klare politische Antwort auf den total entfesselten Markt.«

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Andreas E. aus Schönefeld ( 4. August 2022 um 07:42 Uhr)
    Herr Buch hat mit einer Jahresvergütung im Jahr 2016 von 4,2 Millionen Euro natürlich gut lachen. Und kann sich arrogant und selbstherrlich um Mieter »kümmern«, die sich ihre überteuerten Vonovia-Wohnungen auf Grund von Inflation und ständig steigender Energiekosten nicht mehr leisten können. Wie sein »Kümmern« wohl aussehen mag? Senkt er sein Gehalt auf das Niveau eines durchschnittlichen Vonovia-Mieters (und die anderen Haie in der Konzernzentrale gleich mit)? Mit Sicherheit nicht. Auch deshalb gehören diese Immobilienunternehmen nicht an die Börse, sondern gehören vergesellschaftet. Und hier ist Enteignung der einzig gangbare und vor allem richtige Weg. Alle Bereiche, die zu den grundlegenden Bedürfnissen aller Bürger gehören, also Wohnen, Ernährung, öffentlicher Nah- und Fernverkehr, Post und Telekommunikation usw., gehören verstaatlicht.