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Aus: Ausgabe vom 04.08.2022, Seite 2 / Kapital & Arbeit
Rüstung

Gewinn mit jedem Schuss

Heckler & Koch feiert erfolgreichstes Jahr für Handfeuerwaffen
Von Annuschka Eckhardt
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Handfeuerwaffen liefen im Vorjahr richtig gut (Storkow, 27.10.2020)

Eine Welt in Demokratie und Frieden, gesichert von Einsatzkräften, die von dem Waffenhersteller Heckler & Koch (H & K) ausgestattet sind – das ist die Vision der traditionsreichen Kriegsprofiteure. In der virtuellen Hauptversammlung (HV) 2022 der Heckler & Koch AG am Mittwoch feierten die Kleinwaffenproduzenten ihren vermeintlichen Erfolg: »2021 war das erfolgreichste Jahr in bezug auf Handfeuerwaffen in der Firmengeschichte«, jubiliert der Geschäftsführer Bodo Koch in seinem Redebeitrag. Das Geschäft mit dem Mordwerkzeug bescherte dem Unternehmen 2021 einen Jahresüberschuss von 21,8 Millionen Euro nach Steuern – eine Steigerung von 61 Prozent zum Vorjahr.

Der Konzern, der sich selbst als »Teil der europäischen Sicherheitsarchitektur« bezeichnet, freute sich im Jahr 2021 besonders über die »enorm hohen Anfragen« der US-Behörden und des US-Zivilmarktes. »Heckler und Koch leistet mit seinen Produkten einen Beitrag, um Frieden und Demokratie in der freiheitlich-demokratischen Welt zu sichern«, sagte Christina Jann von der Unternehmenskommunikation am Mittwoch gegenüber junge Welt. Nach Berechnungen der Journalisten von The Trace wurden 2021 in den USA 20.329 Menschen erschossen, Selbsttötungen durch Schusswaffen nicht mit einberechnet.

»Die jetzigen beträchtlichen Gewinne beruhen auf der internationalen Krisen- und Kriegslage weltweit. Aktuell profitiert H & K von Waffenverkäufen an Litauen und Lettland, die Kriegsgewinne werden steigen«, sagte Jürgen Grässlin von der »Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel« am Mittwoch im jW-Gespräch. Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre (DKA) stellte auf der HV insgesamt 86 kritische Fragen an H & K.

Auf der letzten Hauptversammlung im Sommer 2021 hatte die H & K-Führung versprochen, mit Hilfe einer von ihr beauftragten Historikergesellschaft die NS-Vergangenheit ihres Namenspatrons und Firmenmitbegründer Edmund Heckler aufzuarbeiten. Nun soll die Publikation erst im Juni 2023 erfolgen. Bis dahin trägt das Waffenunternehmen weiter den Namen eines Naziverbrechers.

Der Euphorie über den Handfeuerwaffenhandel zum Trotz, muss Heckler und Koch »weiterhin den eigenen Schuldenberg von 238,9 Milliarden Euro abbauen«, sagte DKA-Referent Tilmann Massa gegenüber jW. »Und wird weiter jedes Land, das als ›Sicherheitspartner Deutschlands‹ eingeschätzt wird, mit Waffen beliefern.«

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