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Aus: Ausgabe vom 01.08.2022, Seite 15 / Politisches Buch
Marxistische Debatte

Kein erkenntnistheoretisches Problem

Der Begriff »Freiheit« ist Schwerpunkt der Marxistischen Blätter
Von Arnold Schölzel
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Sorge vor einem dritten Weltkrieg: Die USA verlieren an Hegemonie, während China weiter an Einfluss gewinnt

Das neue Heft der Marxistischen Blätter enthält eine Beilage mit Beiträgen zu Russland bzw. zum Ukraine-Krieg, die besonders zur Lektüre empfohlen seien. Zum einen interviewt Gudrun Havemann den griechischen Philosophen Dimitrios Patelis, zum anderen analysiert der Marburger Historiker Joachim Hösler »Russlands Transformation, Geschichtspolitik und Imperialismus«. Patelis sieht die allgemeine Ursache des Krieges in der ungelösten Strukturkrise des heutigen Kapitalismus. Sie lasse einen dritten Weltkrieg befürchten.

Die Auseinandersetzung sei keine zwischen Russland und der Ukraine oder der NATO, sondern ein beginnender Krieg »gegen den Hegemonialanspruch des alten, noch starken, aber im Abstieg befindlichen euroatlantischen imperialistischen Machtblocks«. Gegenpol sei China, um das sich eine Gruppe von Ländern und Bündnissen, darunter Russland, sammle. Die russischen Oligarchen sähen sich gern als Akteure eines eigenständigen Wirtschaftsimperiums, das werde Russland aber nicht erlaubt. Von der »imperialistischen Pyramide«, mit der auch einige kommunistische Parteien den Imperialismusbegriff zur Schablone machen, hält Patelis nichts: Das falle hinter Lenin zurück. Zugleich beweise die russische Bourgeoisie mit ihrer beschränkten historischen Perspektive »dem Volk ihre völlige Untauglichkeit, die Existenz Russlands und seiner Bevölkerung selbst sicherzustellen«.

Hösler fasst die Geschichte Russlands seit dem Ende der Sowjetunion so zusammen: Demütigung durch den Westen. Russland reagiere darauf wie in den Jahrhunderten davor mit einer Politik »zwischen Abwehr und Expansion«. Die Frage sei, »wozu drei Jahrzehnte Gegenrevolution« im Innern des Landes geführt haben.

Zum Schwerpunktthema äußern sich neben anderen die Philosophen und Sprachwissenschaftler Hannes und Hellmuth Fellner (»Zur Dialektik von Freiheit und Notwendigkeit«). Sie untersuchen die grundlegenden Aussagen der Klassiker des Marxismus zu dem Thema, während Claudius Vellay (»Zum marxistischen Freiheitsbegriff«) sich vor allem dagegen wendet, Freiheit als erkenntnistheoretisches Problem zu behandeln. Das werde in der Formulierung »Freiheit als Einsicht in die Notwendigkeit« suggeriert. Freiheit kennzeichne vielmehr »die individuelle Auswahl- und Entscheidungsfähigkeit der menschlichen Individuen« und sei eine »Auswahl unter Möglichkeiten statt determinierender Notwendigkeit«.

Der in China lehrende Roland Boer stellt »Freiheit und Demokratie aus chinesischer Sicht« sehr informativ dar. Achim Bigus (IG Metall) konfrontiert Anspruch und Realität des Betriebsverfassungsgesetzes, das vor 70 Jahren verabschiedet wurde, mitein­ander. Ergänzt wird der Schwerpunkt durch zwei Texte des Rechtswissenschaftlers Hermann Klenner zur Beschäftigung von Marx und Engels mit dem Begriff des Naturrechts sowie mit den Menschenrechten (beide Beiträge sind vollständig soeben in der Reihe »Masch-Skripte« der MB erschienen). Volkmar Schöneburg, der außerdem eine wiederaufgelegte Biographie Hans Littens bespricht, rezensiert ausführlich das Buch von Andreas Fisahn zu Rechtsstaat und Demokratie in der Bundesrepublik. Insgesamt bietet das Heft so ein breites Spektrum marxistischer Sichtweisen auf das Thema.

Außerdem im Heft: Josef Baum über »China aus sozialökologischer Sicht« und eine Würdigung zum 200. Todestag des englischen Dichters Percy Shelley von Jenny Farrell.

Marxistische Blätter, Nr. 4/2022, 138 Seiten, 12,50 Euro (im Abonnement 9 Euro, ermäßigt 6 Euro), Bezug: Marxistische Blätter, Hoffnungstr. 18, 45127 Essen, Tel.: 0201/236757, E-Mail: redaktion@marxistische-blaetter.de

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