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Aus: Ausgabe vom 01.08.2022, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Arbeitskampf

Streiksommer auf der Insel

Britische Lokführer im Ausstand. Weitere Aktionen geplant. Auch in anderen Branchen rumort es
Von Christian Bunke
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Mitglieder der Lokführergewerkschaft ASLEF streiken am Sonnabend vor dem Bahnhof King’s Cross in London

Nun sind auch die Lokführer in den britischen Streiksommer eingetreten. Am Samstag bestreikten 5.500 Mitglieder der Lokführergewerkschaft ASLEF 24 Stunden lang insgesamt sieben britische Eisenbahnverbindungen. Betroffen waren sowohl Nahverkehrsverbindungen, zum Beispiel in der Hauptstadt London, als auch eine Reihe von wichtigen Fernverbindungen. Der Streiktag war strategisch gut gewählt, denn am Samstag begann nicht nur die englische Fußballsaison, sondern es wurden in der Großstadt Birmingham außerdem die »Commonwealth Games« eröffnet. Dabei handelt es sich um eine Art olympischer Spiele der ehemaligen britischen Kolonien, ein auf der Insel durchaus wichtiges sportliches Großereignis.

Ein weiterer Streiktag ist bereits für den 13. August festgesetzt. Dann sollen neun Eisenbahnkonzerne bestreikt werden. Daneben geht auch die Streikkampagne der Transportarbeitergewerkschaft RMT weiter, die für den 18. und 20. August insgesamt 14 Eisenbahnkonzerne bestreiken will. Gesellschaft bekommen sie an diesen Tagen von der Eisenbahner-Angestelltengewerkschaft TSSA, deren Mitglieder ebenfalls in landesweite Arbeitskämpfe eintreten.

Während es bei den Kämpfen der RMT und der TSSA auch um Widerstand gegen Stellenabbau und geplante Verschlechterungen bei den Arbeitsbedingungen geht, kämpfen die Lokführer vor allem für höhere Löhne. Seit 2019 seien sie nicht mehr angehoben worden, so ASLEF-Generalsekretär Mick Whelan am Samstag in zahlreichen Medieninterviews. »Die Inflation liegt bei zehn Prozent. Das bedeutet, dass die Lokführergehälter in den vergangenen Jahren gesunken sind. Wir wollen eine Lohnerhöhung, die mit den Lebenshaltungskosten Schritt hält. Wir wollen uns auch im Jahr 2022 leisten können, was wir im Jahr 2021 kaufen konnten«, sagte Whelan am Samstag der Tageszeitung The Guardian.

Unterstützung für den Streik kam unter anderem von dem Labour-Politiker Sam Tarry, der am Samstag öffentlichkeitswirksam einige Streikposten besuchte. Tarry war bis vor kurzem transportpolitischer Sprecher seiner Partei. Weil er sich in der vergangenen Woche mit den streikenden Eisenbahnern der RMT solidarisiert hatte, wurde Tarry von Parteichef Keir Starmer kurzerhand von diesem Posten entfernt. Starmer sendete damit wieder einmal ein deutliches Signal, dass streikende Arbeiter von seiner Partei keine offizielle Unterstützung zu erwarten haben.

Die Arbeiter setzen ohnehin zunehmend auf das Mittel der direkten Aktion, um ihre Interessen durchzusetzen. Und das durchaus mit Erfolg. So verkündete die Gewerkschaft UNITE am Freitag das offizielle Ende eines 27 Wochen andauernden Arbeitskampfes von Mitarbeitern der städtischen Müllabfuhr in der Stadt Coventry. Das ist der längste Streik, den diese Gewerkschaft jemals geführt hat. Am Ende dieser Kampagne steht nun eine Lohnerhöhung von 12,9 Prozent – knapp über der Inflationsrate. Dieser Streik war auch in anderer Hinsicht historisch, denn er richtete sich gegen eine sozialdemokratisch geführte Stadtverwaltung. Da die auch vor dem Einsatz von Streikbrechern nicht zurückschreckte, hat die UNITE-Gewerkschaft inzwischen jede finanzielle Unterstützung für die lokale Labour-Partei eingestellt.

Auch in Branchen ohne offizielle gewerkschaftliche Organisation rumort es. Am 28. Juli kam es zu einem spontanen Streik Hunderter Arbeiter einer in der Nähe von Manchester gelegenen Nahrungsmittelfabrik. Mit ihrem ausschließlich selbstorganisierten Ausstand wollten sie gegen zu kurze Arbeitspausen, niedrige Löhne und tyrannische Managementmethoden protestieren – die Musik der Zukunft.

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