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Aus: Ausgabe vom 01.08.2022, Seite 8 / Ansichten

Streckbank des Tages: AKW-Debatte

Von Jan Greve
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Immer mehr Grüne sind dafür, dass unter anderem das Kernkraftwerk Emsland länger laufen soll

Es muss ein finsteres Kämmerlein sein, in dem die noch finstereren Folterknechte diese Begriffe zusammenschustern, die einen erschaudern lassen. »Anschlussverwendung« zum Beispiel. Oder, aktuell hoch im Kurs: »Streckbetrieb«, der Nachfolger der »Brückentechnologie«. Wortungetüme wie diese sind dafür da, politische Schandtaten in ein bürokratisches Gewand zu hüllen. Und weil das in der bürgerlichen Gesellschaft Mode ist, hält man die Buchstabensuppe am Köcheln.

Die Grüne Jugend rührt nun auch kräftig mit und würzt nach, was die Mutterpartei ihr auftischt. Ein Streckbetrieb bis zum Frühjahr sei möglich, verkündete die Vorsitzende Sarah-Lee Heinrich am Sonntag gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Bedeuten soll das: Die drei derzeit noch in der BRD laufenden Atomkraftwerke sollen über das geplante Ende 2022 hinaus die Energie liefern, die man vom bösen Russen nicht mehr haben will. Motto: Atomkraft, ja bitte! Strecken bis zum Umfallen! Grünes Licht fürs grüne Leuchten! Aber, so Wortklauberin Heinrich: »Eine Laufzeitverlängerung ist mit uns nicht zu machen« – der Streckbetrieb allerdings schon. Doof nur, dass sich der frühere Bundesumweltminister Jürgen Trittin am Freitag gegenüber dem Tagesspiegel verplappert hat, als er sagte, auch ein Streckbetrieb sei eine Laufzeitverlängerung. Fundi-Alarm!

Wenn die Grünen nicht gerade zum Spalten von Kernen, Verbrennen von Kohle und Ruinieren des Kremls aufrufen, richten sie sich direkt ans Wahlvolk: Gas sparen, bis Putin (mindestens mittelfristig) in die leere Nord-Stream-Röhre guckt! Die Folterinstrumente für den Pöbel liegen bereit: steigende Energiepreise bei sinkenden Temperaturen in den Mietwohnungen. Sind daheim erst einmal alle Glühbirnen herausgedreht, wird das finstere Kämmerlein zum Statussymbol der Saturierten. Die Grünen machen Frieren cool!

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