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Aus: Ausgabe vom 01.08.2022, Seite 6 / Ausland
Krise des Kapitalismus

»Neue Vitalität des Marxismus«

Die KP Chinas veranstaltete ein virtuelles Weltforum marxistischer Parteien
Von Arnold Schölzel
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Die beiden KP-Vorsitzenden Chinas und Vietnams: Xi Jinping (l.) und Nguyen Phu Trong in Beijing (2015)

Am 28. Juli veranstaltete die KP Chinas (KPCh) ein virtuelles Forum mit marxistischen Parteien aus aller Welt, darunter aus der Bundesrepublik die DKP. Anlass war die Vorbereitung des für die zweite Jahreshälfte geplanten 20. Parteitags der KPCh. Das Thema der Tagung lautete: »Anpassung des Marxismus an die nationalen Bedingungen und die Zeiten des 21. Jahrhunderts«. Mehr als 300 Vertreter von rund 100 Parteien aus etwa 70 Ländern folgten der Einladung.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping, seine Amtskollegen aus Vietnam, Nguyen Phu Trong, und Kuba, Miguel Díaz-Canel, sowie der Vorsitzende des Zentralkomitees der KP der Russischen Föderation (KPRF), Gennadi Sjuganow, eröffneten das Treffen mit Grußansprachen. Xi erklärte dabei, der Marxismus zeige im 21. Jahrhundert eine neue Vitalität, und rief alle marxistischen Parteien auf, ihre Theorie besser den nationalen Bedingungen anzupassen. Es vollzögen sich gegenwärtig weltweit tiefgreifende Veränderungen in so rasantem Tempo wie seit einem Jahrhundert nicht mehr, die Menschheit stehe erneut an einem Scheideweg der Geschichte.

Nguyen Phu Trong verwies darauf, dass der Marxismus-Leninismus und die Ho-Chi-Minh-Gedanken in den vergangenen 90 Jahren das ideologische Fundament und die Stütze der KP Vietnams gewesen seien. Er beglückwünschte die KPCh und China zu ihren bemerkenswerten Leistungen beim Aufbau des Sozialismus, einschließlich ihrer innovativen Anwendung des Marxismus-Leninismus.

Díaz-Canel hob hervor, dass der Marxismus seit seiner Entstehung die Klassenkämpfe des entstehenden Proletariats jedes Landes und der internationalen Arbeiterklasse wissenschaftlich untermauert habe. Angesichts ständiger gesellschaftlicher Umwälzungen zeichne er sich durch die Fähigkeit aus, sich selbst weiterzuentwickeln, und die Perspektive auf das Thema der Revolution ohne jedes Dogma zu erweitern. In Kuba sei der Marxismus mit dem Besten der nationalen revolutionären Tradition verschmolzen, deren wichtigste Vertreter José Martí und Fidel Castro Ruz gewesen seien. Wörtlich erklärte Díaz-Canel: »Wir sind fest davon überzeugt, dass der Sozialismus der einzige Weg zu einer Entwicklung mit sozialer Gerechtigkeit ist – als schöpferische Überwindung des Kapitalismus, seiner unhaltbaren Irrationalität und der Werte, die ihn leiten.«

China sei dabei heute weltweit ein inspirierender politischer und wirtschaftlicher Bezugspunkt. Die Realität der heutigen Welt bestätige, »dass es für uns marxistische Parteien immer notwendiger und dringender wird, sich zu vereinigen, um die großen Herausforderungen zu bewältigen, die vor uns liegen. Nur die Einheit in der Vielfalt wird uns den Sieg sichern.«

Auch Sjuganow verwies darauf, dass sich »die systemische Krise des Kapitalismus vertieft«. Die wachsende Aggressivität der Imperialisten bedrohe den gesamten Planeten. Daher sei es besonders wichtig, den Dialog marxistischer Parteien auszubauen und die Solidarität im Handeln zu stärken. Die Logik der Ereignisse beweise überzeugend, »dass das sozialistische China zu einer Lokomotive des Fortschritts und zu einem Leitstern für die gesamte Menschheit geworden ist. Die Erfahrung Chinas hat in der Tat universelle Bedeutung erlangt.«

Sjuganow erklärte dann: »Vietnam, Kuba, die DVR Korea und Laos haben eine wichtige Rolle beim Sammeln von Erfahrungen mit dem sozialen Fortschritt gespielt. Belarus, Venezuela, Südafrika, Nicaragua und andere Länder erfüllen eine wichtige Aufgabe, indem sie die Grundsätze einer souveränen Entwicklung bekräftigen. Die strategische Partnerschaft zwischen Russland und China vertieft sich. (…) Die Zusammenarbeit innerhalb der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) und der BRICS-Staaten ist effektiv. Dies ist von großer Bedeutung für die ganze Welt.«

Die tragische Erfahrung der UdSSR habe gezeigt, dass die Aufgabe der Führungsrolle durch die kommunistische Partei die Gesellschaft unweigerlich ins Chaos stürze und zur Restauration des Kapitalismus führe. In diesem Zusammenhang würdige die KPRF die Bemühungen der KPCh, »das System der Parteiführung auf allen Ebenen zu erhalten, zu stärken und zu verbessern«. Angesichts zunehmender Spannungen und militärischer Bedrohungen sehe »ein großer Teil des Planeten in dem Konzept der Schicksalsgemeinschaft der Menschheit eine einzigartige Chance für ein friedliches Leben und eine harmonische Entwicklung«. Die Verwirklichung dieses Ziels werde es ermöglichen, eine neue, gerechte Welt aufzubauen, die auf der Achtung der Souveränität aller Länder und auf der Achtung der Kulturen aller Völker beruhe.

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