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Aus: Ausgabe vom 01.08.2022, Seite 2 / Ausland
Kriegsgefahr und Aufrüstung

Neue Marinedoktrin

Verteidigung der Interessen auf Weltmeeren: Putin unterzeichnet Dokument
Von Matthias István Köhler
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Ein Militärorchester begleitet am Sonntag in St. Petersburg die Flottenparade anlässlich des Tags der Marine

Russland sieht die USA und das Kriegsbündnis NATO als »größte Bedrohungen« für seine nationale Sicherheit. Das steht in der neuen Marinedoktrin, die Russlands Präsident Wladimir Putin am Sonntag anlässlich des Tags der russischen Flotte in St. Petersburg unterzeichnete. Das gelte insbesondere für Washingtons »strategisches Ziel, die Weltmeere zu dominieren«, und die »Ausweitung der militärischen Infrastruktur der NATO an die russischen Grenzen«, heißt es in dem 55seitigen Dokument laut der russischen Nachrichtenagentur TASS.

»Die nationalen Interessen der Russischen Föderation als einer großen Seemacht erstrecken sich auf die gesamten Weltmeere und das Kaspische Meer«, heißt es in der Doktrin. Als Maßnahmen für eine bessere Durchsetzung der Interessen sind demnach unter anderem eine Steigerung der Kampffähigkeiten der Flotte vorgesehen, eine forcierte Entwicklung der Schiffsbauindustrie, beispielsweise für Flugzeugträger, und verstärkte Aktivitäten in der Arktis. Putin kündigte zudem an, die neue Hyperschallseerakete »Zirkon« sei bald einsatzfähig. In den kommenden Monaten werde mit der Auslieferung begonnen, die Fregatte »Admiral Gorschkow« werde als erste damit ausgerüstet.

In der Stadt Sewastopol auf der Halbinsel Krim war auf die Feierlichkeiten zum Tag der Marine verzichtet worden. Am Morgen hatte es laut russischen Angaben einen Drohnenangriff auf den Stab der Schwarzmeerflotte in der Stadt gegeben. Sechs Menschen seien bei der Attacke »ukrainischer Nationalisten« verletzt worden, wie der Gouverneur von Sewastopol, Michail Raswoschajew, auf Telegram mitteilte. Kiew dementierte, für den Angriff verantwortlich zu sein.

Derweil wurde im Libanon am Sonnabend ein unter syrischer Flagge fahrendes Schiff mit einer Ladung Getreide auf Antrag der ukrainischen Botschaft in Beirut festgesetzt. Der Botschafter Igor Ostasch hatte sich am Donnerstag wegen der »illegalen« Ladung des Schiffes an den libanesischen Präsidenten Michel Aoun gewandt. Ein Zollbeamter sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Schiffspapiere seien »in Ordnung, und es gibt keinen Beweis dafür, dass die Waren gestohlen wurden«.

Wie am Freitag abend bekannt wurde, haben sich erstmals seit Moskaus Eingreifen in den Krieg im Donbass US-Außenminister Antony Blinken und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow telefonisch unterhalten. Wie TASS meldete, habe Lawrow Blinken über Russlands Position zur Situation in der Ukraine, globale Lebensmittelsicherheit und einen Gefangenenaustausch informiert.

Laut Blinken habe es ein »offenes und direktes Gespräch« über die Freilassung der in Russland inhaftierten US-Basketballerin Brittney Griner und des US-Staatsbürgers Paul Whelan gegeben. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, bestätigte demnach einen Bericht des Nachrichtensender CNN, wonach Moskau die Freilassung des wegen des sogenannten Tiergartenmordes verurteilten russischen Staatsbürgers fordere.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Erich Rainer K. aus Potsdam ( 1. August 2022 um 07:32 Uhr)
    Nun, wie man in den Wald hineinruft … Die seit Jahrzehnten anhaltende Drohkulisse der NATO an der Grenze zu Russland, die jetzt im Ukraine-Konflikt kulminierte, führt zur weiteren Verschärfung der Weltkriegsgefahr. Russland hat offenbar verstanden, dass der Westen und sein militärischer Arm NATO an keiner gemeinsamen globalen Sicherheitsarchitektur interessiert ist. Die Folge des Aufrüstens dort hat eine weitere Aufrüstung Russland initiiert. Für die Lösung der dringendsten Probleme derzeit, die sich mit dem Überleben der Menschheit auf diesem Planeten beschäftigen sollten und mit dem Klimawandel sowie der Zerstörung der Lebensgrundlagen zu tun haben, ist das eine schlechte Nachricht.

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