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Aus: Ausgabe vom 29.07.2022, Seite 8 / Ansichten

Gipfel der Glückseligkeit des Tages: Salzburg Summit

Von Matthias István Köhler
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Salzburg Summit oder: Mozartkugeln bis der Doktor kommt

Da ist die Welt noch in Ordnung: Auch heuer kommen in Salzburg bei den Festspielen die Reichen und Schönen zusammen. Heißt: spritschleudernde Luxuskarosse abstellen, Mozartkugeln fressen. Rein in die Edelboutique, shoppen, was die Lieferketten noch hergeben. Ein wenig Louis Vuitton hier, ein wenig Rolex da – für Pfiffi und Muschi, versteht sich. Zwischendurch mehrere hundert Euronen für Don Dschowanni oder Zauberflöte hinblättern. Einfach mal den lieben Gott einen guten Jedermann sein lassen.

Der Gipfel der Glückseligkeit? Nein, es geht noch höher. Denn in diesen Tagen findet zusätzlich der »Salzburg Summit« statt. Die Stadt wird zum »Zentrum für Wirtschafts- und politische Gespräche mit hochkarätigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern«, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Organisiert wird das Ganze unter anderem von der Industriellenvereinigung Österreichs. Unter den »Speakern« tummeln sich Vorstandsvorsitzende, Topmanager und Experten wie der Exchef der Münchner Kriegstreiberkonferenz, Wolfgang Ischinger. Oder der frühere österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz. Für den ist es sein erster großer Auftritt, seit er wegen des Verdachts auf Untreue und Bestechlichkeit zurückgetreten ist und nun unbehelligt Kohle in der »Privatwirtschaft« scheffeln darf.

Thematisiert werden in Salzburg die »großen ›Challenges‹ unserer Zeit«. Zu deutsch: die großen Herausforderungen. Oder auf gut deutsch: Wie lässt sich mit Krieg und Krise Profit machen? Während Otto Normalgeknechteter sich mit Blick auf den Winter schon das Duschen abgewöhnt und bei Kik zwecks Verfügbarkeit warmer Pullis oder Wolldecken Erkundungen anstellt, rauchen also auch in Mozarts Geburtsstadt die Köpfe. Nur eben bei Galadinners im Prunkhotel. Aber es muss schließlich sichergestellt werden, dass alles so Gucci bleibt, wie es ist.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Josie M. aus 38448 Wolfsburg (29. Juli 2022 um 13:54 Uhr)
    Zu: »Zwischendurch mehrere hundert Euronen für Don Dschowanni oder Zauberflöte hinblättern. Einfach mal den lieben Gott einen guten Jedermann sein lassen.« – Ja, es ist am Rande erwähnt auch noch beklagenswert, dass sich dort die »Reichen und Schönen« obendrein für ihre Skrupellosigkeit mit der Teilnahme an Kulturveranstaltungen belohnen dürfen. Trotz dieses Skandals sollte nicht vergessen werden, dass die ehemals Kulturschaffenden, insbesondere Wolfgang Amadeus Mozart, der bis heute hinreißende Werke wie »Don Giovanni« oder »Die Zauberflöte« geschaffen hat, mit 36 Jahren in Armut verstorben ist. Immerhin kann sich das »einfache Volk« entsprechende Aufzeichnungen noch im Fernsehen zu Gemüte führen. – Also, ich gehöre zu denen, die sich gelegentlich damit trösten können.

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