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Aus: Ausgabe vom 11.07.2022, Seite 6 / Ausland
Free Mumia!

40 Jahre, 40 Städte

Weltweite Solidarität mit Mumia Abu-Jamal am Jahrestag des Todesurteils gegen ihn
Von Jürgen Heiser
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Mumia Abu-Jamals Unterstützer haben einen langen Atem: Soliprotest in Philadelphia (28.12.2018)

Am 3. Juli haben Menschen weltweit auf Kundgebungen und Demonstrationen an das vor 40 Jahren ergangene Unrechtsurteil gegen den Bürgerrechtler Mumia Abu-Jamal erinnert. Der Journalist aus Pennsylvania verbrachte nach dem Todesurteil im Jahr 1982 fast drei Jahrzehnte in der Todeszelle, bevor das Urteil 2011 auf Druck der internationalen Solidaritätsbewegung in lebenslänglich umgewandelt wurde. Bis heute kämpft der politische Gefangene um die Durchsetzung seiner mehrfach abgelehnten Berufungsanträge, um seine Freiheit zurückzuerlangen.

Auf den Kundgebungen und Demonstrationen für Abu-Jamal wurde auch des ermordeten Jayland Walker gedacht, und es wurden Parallelen gezogen zu vielen Fällen von Polizeigewalt. Der 25jährige war nach einer Polizeihatz von 60 Projektilen förmlich durchsiebt worden. Dass erst am Freitag Berichte über den zu Abu-Jamals Unterstützung angesetzten Aktionstag »40 Jahre – 40 Städte« in Umlauf kamen, liegt auch daran, dass die Proteste gegen den tödlichen Polizeiangriff rund um den Jahrestag im Vordergrund standen. Auch der heute 68jährige Abu-Jamal wurde 1981 von einer Polizeikugel getroffen und ist nur knapp dem Tode entronnen.

Polizei und Staatsanwaltschaft drehten jedoch den Spieß gegen den früheren Aktivisten der Black Panther Party um und führten ihn als Täter vor, obwohl er den Beamten, der auf ihn geschossen hatte, nicht getötet haben konnte. Trotzdem wurde Abu-Jamal 1982 in einem Schauprozess wegen Polizistenmordes verurteilt. Im Widerstand gegen dieses Unrecht versammelten sich in Philadelphia am 3. Juli zahlreiche Unterstützer gegenüber dem Rathaus. Auch die »Radical Elders«, eine von Männern und Frauen aus den Bewegungen der 1960er und 1970er Jahre gebildete Veteranengruppierung, hatten zur Teilnahme aufgerufen. Sie sehen Abu-Jamal »durch die schlechte medizinische Versorgung im Gefängnis« in Todesgefahr. Ihn schütze indes, so die »Radical Elders«, dass »Mumia trotz der endlosen Haft unerschrocken und prinzipienfest Widerstand gegen jegliche Unterdrückung geleistet« und sich auch unter stärkstem Druck nicht habe brechen lassen. »Angesichts der Korruption im Straf- und Berufungsverfahren« forderte die Gruppe seine sofortige Freilassung. »Wir wollen, dass Mumia bei unserer nächsten Versammlung anwesend ist!«

Die Aktivistin Ted Kelly erklärte in ihrer Ansprache, sie habe sich durch Abu-Jamals Beispiel politisch organisiert. Auch in dem Stadtteil Philadelphias, in dem er früher gelebt habe, organisiere sich die Black Community. »Das ist wichtig«, sagte Kelly, denn »hier und in der ganzen Welt müssen wir die Art und Weise verändern, wie Menschen miteinander umgehen«. Die Ideologie dieses Landes sei »faul und rückständig« und zerschlage »Solidarität und Gemeinsinn der Menschen untereinander«.

Bevor die Menge zu einem Marsch durch Philadelphias Zentrum aufbrach, sprach der Aktivist Mike Africa Jr., der als Sohn der politischen Langzeitgefangenen Debby und Mike Africa von der Move-Organisation im Gefängnis geboren wurde. »Nur die Macht des Volkes« habe verhindert, »dass Mumia hingerichtet wurde«, obwohl Pennsylvanias früherer Gouverneur Thomas Ridge 1995 und 1999 zwei Hinrichtungsbefehle gegen ihn unterzeichnet hatte. Die Einsicht, unbeirrt weiterhandeln zu müssen, einte viele mobilisierte Menschen von Kalifornien bis New York, von Washington bis Massachusetts und an vielen weiteren Orten in den USA und im Ausland – von Mexiko über Großbritannien und Frankreich bis zu den Niederlanden und Deutschland – an diesem Aktionstag. Die Bewegung habe »Mumia zwar aus der Todeszelle geholt, aber die Reichen und Mächtigen wollen, dass er im Gefängnis stirbt«, so Africa Jr. Es sei an der Zeit, »ihn jetzt nach Hause zu bringen«.

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