Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Gegründet 1947 Sa. / So., 24. / 25. September 2022, Nr. 223
Die junge Welt wird von 2651 GenossInnen herausgegeben
Jetzt drei Wochen gratis lesen. Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Aus: Ausgabe vom 08.07.2022, Seite 11 / Feuilleton
Kino

Was den Göttern dämmert

Bombastisch, bunt und laut, aber noch immer nicht ernst: »Thor: Love and Thunder«
Von Marc Hairapetian
imago0159973141h.jpg
Einsamer Thor: Doch wo sind Sieg und Siegsbeweise aus dem von dir vertretenen Reich?

»Wenn Sie sich diesen Film nicht ansehen, bedeutet das, dass Sie Spaß, Kunst und unabhängiges Kino hassen«, sagt Taika Waititi über seinen Film »Thor: Love and Thunder«. Der neuseeländische Regisseur maorisch-jüdischer Herkunft, der per Motion Capture wieder den Steinmann Korg spielt, hat sich mit dieser Aussage recht weit aus dem Fenster gelehnt. Dennoch: Waititi bleibt der bessere und subversivere Regisseur der Marvel-Saga um den von Chris Hemsworth nun bereits zum achten Mal (inklusive vier »Avengers«-Filmen) verkörperten Donnergott, zumindest besser, als es Kenneth Branagh 2011 und Alan Taylor 2013 gewesen sind.

Der vierte Teil kommt, wie Waititi zu Protokoll gibt, tatsächlich »größer, lauter und bombastischer« daher als der ebenfalls von ihm inszenierte »Thor: Tag der Entscheidung« (2017) und nimmt sich zugleich auf noch läppischere Art nicht übermäßig ernst. Die Handlung basiert lose auf der Comicstoryline »The Mighty Thor«, in der Thors »Love interest« Jane Foster (Natalie Portman) an Krebs erkrankt, aber durch Thors magischen Hammer »Mjölnir« zwischenzeitlich gesundet und sogar die Fähigkeit erlangt, selbst zur Donnergöttin zu werden. Tessa Thompson als mürrische lesbische Walküre mit Alkoholproblem verwaltet das auf der Erde als Themenpark für Touristen wieder aufgebaute Asgard. Gemeinsam treffen sie auf ihren nihilistischen Widersacher Gorr, den Götterschlächter (Christian Bale), der nach dem vermeintlichen Tod der eigenen Tochter noch schlechtere Laune als die Walküre hat.

Die Story der rund 200 Millionen US-Dollar teuren, vorrangig in Australien gedrehten Produktion ist ziemlich Banane, aber wie Waititi sie mit neuester LED-Videowandtechnik, Einsatz von Rockklassikern à la Guns ’n’ Roses und trockenem Dialogwitz darbietet, gehört doch zu den Highlights im Marvel Cinematic Universe. Das Beste kommt übrigens nicht zum Schluss, sondern gleich am Anfang: Mittels lakonischem Off-Kommentar wird erzählt, wie Thor als Strafe für das Missachten des Nichteinmischungspaktes der irdischen Götter in der (Marvel-)Realität von seinem Vater Odin auf die Erde verbannt wird und dort einen Schicksalsschlag nach dem anderen hinnehmen muss. So hat der frustrierte, 1,98 Meter große Hüne sein einstiges Gewicht fast verdoppelt. Chris Hemsworth (misst in Wirklichkeit »lediglich« 1,91 Meter) beweist mit gewaltiger Bierwampe den Mut zur Hässlichkeit, der den durchschnittlichen Hardrockfan von jeher ausgezeichnet hat.

Zahlreiche Gaststars haben parodistische Kurzauftritte, etwa Russell Crowe als oberster olympischer Gott Zeus, der sich nur dem personifizierten Schicksal in Gestalt seiner Töchter, der Moiren, beugen will, und hart mit Thor aneinandergerät. Er hat es satt, dass aus den Göttern ein schlechter Witz geworden ist, obwohl er als verkaterter, streng vom Ideal der Orgie geleiteter Suffkopf selbst nicht das beste Vorbild abgibt.

Das Götterreich ist so goldglänzend kitschig dargestellt, wie man es sich in seinen kühnsten (Alp-)Träumen kaum ausmalen könnte. Als Hommage an die von Stan Lee und Jack Kirby geschaffene Anfangszeit des Superhelden Thor, der 1962 seinen ersten Auftritt im Comicheft »Journey Into Mystery #83« hatte, sind die Abspanntitel in psychedelische Bonbonfarben getaucht. Die zentralen Figuren sind die überdimensionierten Ziegenböcke Tanngnióstr (Zähneknirscher) und Tanngrisnir (Zähneblecker), die Thors Wikingerraumschiff durch das Weltall ziehen, nur um gelegentlich Schiffbruch zu erleiden.

»Thor: Love and Thunder«, Regie: Taika Waititi, USA 2022, 179 Min., bereits angelaufen

Drei Wochen kostenlos lesen

Die Tageszeitung junge Welt stört die Herrschenden bei der Verbreitung ihrer Propaganda. Sie bezieht eine aufklärerische Position ohne Besserwisserei und wirkt durch Argumente, Qualität, Unterhaltsamkeit und Biss.

Überprüfen Sie es jetzt und testen die junge Welt drei Wochen lang (im europäischen Ausland zwei Wochen) kostenlos. Danach ist Schluss, das Probeabo endet automatisch.

Mehr aus: Feuilleton