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Aus: Ausgabe vom 07.07.2022, Seite 10 / Feuilleton
Festival

Hier ist die Welt

Am 7. Juli beginnt das Rudolstadt-Festival in Thüringen
Von Michael Saager
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So kann das aussehen: Straßenmusik beim 29. Rudolstadt-Festival 2019

Zum 30. Rudolstadt-Festival gehen – und danach zufrieden sterben. Das wäre vielleicht ein bisschen übertrieben, aber es soll Menschen geben, die würden so manches tun, sollte sie jemand daran hindern wollen, die große Thüringer Sause in Sachen Roots, Folk und Weltmusik live zu erleben. Hartgesottene Fans gibt es in Verlag und Redaktion von junge Welt übrigens nicht wenige, Melodie & Rhythmus und die Genossenschaft LPG junge Welt eG haben einen eigenen Stand.

Das Rudolstadt-Festival (7. bis 10. Juli) bietet eine regelrechte Wand internationaler Programmpunkte. Von Tänzen (Emily and The Simons, GB, Belgien; KUD HZ Varazdin, Kroatien; Kerno-Buisson, Frankreich), Ausstellungen, Workshops oder einem Kinderfest abgesehen, sind es freilich Konzerte, Konzerte, Konzerte, um die es geht. Auf großen Bühnen, in alten Höfen, auf der Straße, in Parks.

Einen Länderschwerpunkt gibt es auch in diesem Jahr, unter dem Motto »Titos Erben« tummeln sich Bands und Musiker aus den Nachfolgestaaten der SFR Jugoslawien. Etwa Trompeter Boban Markovic und Orchester aus Serbien. Der Mann ist eine Balkan-Brass-Legende seit seinem Soundtrack zu Emir Kusturicas Film »Underground«. Akkordeonistin Merima Kljuco und die Kontraaltistin Jelena Milusic aus Bosnien-Herzegowina verbinden Balkankulturen, spielen sephardische Musik und Liebeslieder. Jazzgeigerin Petra Onderufova, der französische Cellist Toby Kuhn und der slowenische Balkan-Gitarrist Aleksander Kuzmic machen als Wild Strings Trio Balkanfolk und Flamenco, dazu wird improvisiert.

Aus einer ganz anderen Ecke, aus Argentinien, kommt Sofia Rei, die sehr gekonnt experimentiert mit Stimme, Sampler, Synthesizer. Derweil die kanadische (Soul-)Sängerin Mélissa Laveaux im Gewand von Folk und Blues von ihren haitianischen Wurzeln und der jahrhundertelangen Sklaverei dort singt. Musikalisch mindestens quer zum sonstigen Programm liegen die russischen Punk-Dilettantinnen von Pussy Riot, aber es ist Krieg, und weil die drei nicht eben bekannt sind für eine allzu große Leidenschaft für Putin, dachten sich die Veranstalter wohl, was sich Veranstalter in solchen Fällen zur Zeit so denken. Oder war’s doch ganz anders? Egal. Mit einem persönlichen Liebling des Autors soll es jetzt jedenfalls genug der Lobhudelei sein. Er heißt Rufus Wainwright, kommt aus Montreal, hat die schönste Stimme der Welt, Shakespeare-Sonette vertont, spielte u. a. mit Joni Mitchell, stammt aus einem so illustren wie kaputten Familienclan (Papa Loudon Wainwright III, Mama Kate McGarrigle). Da grinst der Boulevard, und der Musikfreund bedankt sich.

www.rudolstadt-festival.de

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