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Aus: Ausgabe vom 07.07.2022, Seite 5 / Inland
Gesundheitsreport 2022

Lange schlapp

Fehlzeiten wegen Post-Covid sind selten, aber lang. Krankenstand von Erwerbstätigen im Jahr 2021 gegenüber 2020 rückläufig
Von Susanne Knütter
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Beim Lungenfunktionstest (Bad Ems, 7.2.2022)

Starke Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Atemnot, Schmerzen an verschiedenen Körperstellen ... Eine einheitliche Definition des Krankheitsbildes gibt es nicht. Ärzten zufolge fallen viele Symptome unter Long-Covid bzw. Post-Covid. Knapp ein Prozent derjenigen, die im Jahr 2020 eine mittels PCR-Nachweis gestellte Covid-19-Diagnose erhalten haben, war im darauffolgenden Jahr wegen »Post-Covid-Zustands« krankgeschrieben. Allerdings blieben die Betroffenen vergleichsweise lange arbeitsunfähig gemeldet – im Schnitt 105 Tage. Das geht aus dem Gesundheitsreport 2022 der Techniker Krankenkasse hervor, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Demnach waren Long-Covid-Betroffene mit leichtem Verlauf einer Coronainfektion im Jahr 2021 durchschnittlich 90 Tage krank geschrieben. Long-Covid-Betroffene, die wegen ihrer Coronainfektion mehr als sieben Tage im Krankenhaus bleiben mussten, waren im darauffolgenden Jahr im Schnitt 168 Tage krankgeschrieben. Mediziner sprechen ab einer Dauer von drei Monaten nicht mehr von Long-Covid, sondern vom Post-Covid-Syndrom, erläuterte Lungenfacharzt Christian Gogoll bei der Pressekonferenz. Bei den Betroffenen, die im Krankenhaus beatmet werden mussten, waren es durchschnittlich 190 Tage. Im Vergleich dazu war jede TK-versicherte Erwerbsperson im vorigen Jahr im Schnitt 14,6 Tage arbeitsunfähig gemeldet.

Die Krankenkasse konnte für den Gesundheitsreport nur die Fehlzeiten der Betroffenen Covid-Erkrankten aus dem ersten Pandemiejahr analysieren. Daraus ergibt sich, dass gut 87 Prozent der erwerbstätigen TK-Versicherten im Alter zwischen 15 und 64 Jahren ohne Hinweis auf Covid-19 arbeitsunfähig gemeldet waren, 13 Prozent waren mit einer »beliebigen« Covid19-Diagnose krank gemeldet. »Beliebig« deshalb, weil im Laufe des ersten Pandemiejahres die Möglichkeit geschaffen wurde, den Patienten ohne Virusnachweis auf Verdacht Corona zu diagnostizieren, erklärte Thomas Grobe vom Göttinger Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen, der die Studie am Mittwoch vorstellte. Gogoll ergänzte, das habe an begrenzten Laborkapazitäten gelegen. Bei entsprechenden Symptomen und einem Coronaausbruch im nahen Umfeld hätten derartige Diagnosen nahegelegen. Nur für 2,3 Prozent der arbeitsunfähig gemeldeten Erwerbspersonen galt die Diagnose »Covid-19-Diagnose, Virus nachgewiesen«.

Für Post-Covid zeigt sich: Insgesamt ist knapp jede tausendste Erwerbsperson im Jahr 2021 mit Post-Covid-19-Zustand arbeitsunfähig gewesen. Die Diagnose ist für weniger als 0,35 Prozent aller Fehltage verantwortlich, bilanzierte Grobe im Pressegespräch. Eine hohe Dunkelziffer sei allerdings möglich, weil sich viele Menschen mit Long-Covid-Symptomen wie etwa starker Müdigkeit nicht krankschreiben ließen. Überhaupt sei der Gesamtkrankenstand im Jahr 2021 gering gewesen. Gegenüber 2020 ging er um 3,6 Prozent zurück. Eine Grippe- und Erkältungswelle sei im vergangenen Jahr komplett ausgefallen.

Für 2022 könne gesagt werden: Obwohl es im ersten Quartal einen Rekordkrankenstand gegeben habe, gingen nur 3,5 Prozent aller Fehltage auf eine Covid-19-Diagnose zurück. Weitere Entwicklungen seien schwer abschätzbar. »Impfungen und auch milde Virusvarianten wie Omikron BA.1 und BA.2 könnten einer weiteren Zunahme von Long-Covid entgegenwirken«, so Grobe.

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