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Aus: Ausgabe vom 07.07.2022, Seite 3 / Schwerpunkt
Wette auf Kursverlust

»Management sagt immer noch nicht die Wahrheit«

Leerverkäufer erhebt schwere Vorwürfe gegen Adler Group. Ein Gespräch mit Fraser Perring
Von Simon Zeise
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Abschwung bei der Adler Group: Leerverkäufer Fraser Perring hilft bei der Kurskorrektur

Sie beschuldigen die Adler Group des Betrugs. Was hat die Immobiliengesellschaft getan?

Ganz einfach. Im Konzern haben sich alle Insider bereichert, statt der Aktionäre, die eigentlich dazu bestimmt gewesen waren.

Ihre Anschuldigungen scheinen einen wahren Kern zu enthalten. KPMG will den Jahresabschluss der Adler Group nicht prüfen. Die Bafin hat angekündigt, eine Sonderermittlung aufzunehmen. Kommen alle dunklen Geschäfte langsam ans Licht?

Ja, aber wichtiger ist die Tatsache, dass die Bafin angekündigt hat, auch die Zahlen für 2021 zu prüfen, nicht nur die Zahlen für 2020 und 2019. Sie müssen also die gleichen Bedenken haben wie wir, dass das derzeitige Management immer noch nicht die Wahrheit sagt.

Die deutsche Finanzaufsicht hat beim Wirecard-Betrug geschlafen. Statt gegen die Gangster vorzugehen, hatte die Behörde Sie der Marktmanipulation beschuldigt. Hat sich in den Amtsstuben etwas getan oder herrscht immer noch Dienst nach Vorschrift?

Sie werden langsam besser. Ich würde nicht sagen, dass sie sich komplett gewandelt haben. Zumindest behandeln sie uns jetzt objektiv und nicht mehr voreingenommen. Wir wollen nie so behandelt werden, als hätten wir zu 100 Prozent recht. Wir wollen nur, dass die Aufsichtsbehörden unsere Informationen objektiv prüfen, damit sie die entsprechenden Maßnahmen gegen das Unternehmen ergreifen können.

Sie machten Betrugsvorwürfe öffentlich und wetteten erfolgreich auf fallende Kurse bei Wirecard und Grenke, nun also die Adler Group. Wer ist der Nächste? Warum wetten Sie nicht gleich gegen den Großteil der Dax-Konzerne, wie es der Hedgefonds Bridgewater macht?

Nun, ironischerweise hat uns eine sehr wohlhabende Privatperson angeboten, einen Fonds in Deutschland mit einigen hundert Millionen Euro zu finanzieren, wenn wir uns ausschließlich auf deutsche Unternehmen konzentrieren würden. Im Moment ziehen wir das nicht ernsthaft in Erwägung, da er uns noch keinen Vertrag vorgelegt hat. Aber wir denken darüber nach, ein Instrument für Investitionen ausschließlich auf dem deutschen Markt aufzulegen.

Als Leerverkäufer verdienen Sie an fallenden Aktienkursen. Wie viel Geld haben Ihnen die Adler-Verluste bisher eingebracht?

Eine ganze Menge.

Fraser Perring wettet als Leerverkäufer auf sinkende Kurse von Unternehmen. Seine Veröffentlichung über Missstände bei Wirecard leitete den Zusammenbruch des Unternehmens ein. Seine Informationen veröffentlicht er auf viceroyresearch.org

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