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Aus: Ausgabe vom 29.06.2022, Seite 16 / Sport

Hauen und Stechen

Von André Dahlmeyer
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Auch in Kolumbien wird die Wette nicht ohne Sprudel gemacht

Einen wunderschönen guten Morgen! Im südamerikanischen Balltreten für Jungs wurden gleich zwei Meisterschaften entschieden. In Paraguay ging der Titel, wie nicht anders erwartet, nach Asunción, in Kolumbien in die »Stadt des ewigen Frühlings«, Medellín.

Am vorletzten Spieltag des Torneo Apertura Paraguays kam es am Sonnabend im Estadio »Dr. Nicolás Leoz«, im Volkssprech »La Huerta« (der Gemüsegarten), im Nordosten Asuncións zum seit Wochen heiß erwarteten Aufeinandertreffen zwischen Tabellenführer Libertad (21 Titel) und Verfolger und Titelverteidiger Cerro Porteño (34 ­Titel). Mehr Meisterschaften hat nur Olimpia (45) eingeheimst. Bis dahin hatte Libertad nur ein Saisonspiel verloren, Mitte April im Hexenkessel des Arbeiterviertels von Cerro – und das mit 0:4 (Ballbesitz der Gastgeber: 85 Prozent) ganz schön derbe. Libertad hatte nun vier Punkte Vorsprung. Mit einem Sieg der Truppe von Francisco Arce wäre übermorgen am letzten Spieltag noch einmal alles offen gewesen, zumal Cerro Porteño dann das leichtere Match hat. Daraus wurde nichts.

Am Ende heftete sich Libertad vorzeitig den 22. Stern ans Käppi, nach einer finalen Schlacht, die vor allem von Platzverweisen und Verletzungen geprägt war. Ein einziges Hauen und Stechen. Den entscheidenden Treffer notierte Bautista Merlini erst in der 92. Minute mit einem Volley auf Höhe des Sanktionspunktes. Freilich hatte der Ciclón da bereits seit einer Viertelstunde auch nur noch sieben Feldspieler auf dem Platz.

Das Spiel war ausgeglichen. Zur Pause stand es nach Verletzungen 2:2. Auf den Wechselbänken wurde es unruhig. Statt der üblichen Nickerchen befürchtete das Heer der Aussortierten einen waidwunden Subbotnik, caramba! Gleich nach dem Pausentereré wurde bei den Gästen zunächst der im offensiven linken Mittelfeld eingesetzte Jungspund Daniel Rivas zum winterlichen Warmduschen geschickt. Damit’s nicht zu traurig wird, gab ihm Referee José Méndez noch eine rote Fleppe mit auf den Weg.

Der zweite Abschnitt glich verdächtig dem ersten. Am Horizont des Ciclón schob jemand rasselnd die Blechrolläden herunter, verdüsterte das Panorama. Einige Kicker träumten sich ans Baggerloch, bisschen chillen. Und so konnten sich schließlich der Argentinier Claudio Aquino und der Kolumbianer Rafael Carrascal quasi Hand in Hand frühzeitig zum Warmduschen loseisen, rote Kartons unter die Achselhöhlen geklemmt. Bei Libertad freuten sich zwei Altbekannte aus der Bundesliga: Exbazi Roque Santa Cruz (40) und der chilenische HSV-Retter Marcelo Díaz (35). Beide absolvierten die 92 Minuten vorbildlich. Sie hatten neben dem Kasten von Uru-Tormann Martín Silva auf ischiasfreundlichen Gartenklappstühlen lautstark Karten gedroschen.

Atlético Nacional aus Medellín wurde am Sonntag zum 17. Mal kolumbianischer Meister. Nach dem 3:1 im Atanasio Girardot musste Atlético im Finalrückspiel in Ibagué bei Deportes Tolima lange zittern. Bis in die Nachspielzeit führten die »Pijaos« mit 2:0, dann gelang dem eingewechselten Jarlan Barrera das Meistertor für die »Grüne Maschine« aus Medellín, die fast eine Halbzeit in Überzahl gekickt hatte.

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