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Check! Freies Radio landesweit!

Von Pierre Deason-Tomory
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Fischfang auf dem Seelenverkäufer: »Doch, was du siehst, ist nur der kleinste Teil von dem, was meines Schiffes Raum verschließt …« (Richard Wagner, »Der Fliegende Holländer«)

Das freie Dresdner Radio Coloradio hat eine eigene DAB+-Frequenz bekommen und wird voraussichtlich ab Ende des Jahres 24 Stunden täglich und an sieben Tagen der Woche knitterfrei zu empfangen sein. Außerdem strahlt der Sender in Zukunft gemeinsam mit drei anderen auf DAB+ ein sachsenweites Programm aus, das sie frech »Rundfunk-Kombinat Sachsen« getauft haben (jW berichtete). Bisher sendet Coloradio auf UKW unter der Woche abends und am Wochenende halbtags und ist nur online ohne Unterbrechung zu hören. Ausführlich besprochen und gefeiert werden soll diese Entwicklung beim Sommerfest am 9. Juli im Zentralwerk. Los geht’s um 12 Uhr, ab 18 Uhr wirds laut (coloradio.org). Am Freitag und Sonnabend desselben Wochenendes lädt übrigens auch Radio Corax in Halle zu ausführlichen Festivitäten und holt damit die Party zum 20. Geburtstag nach, die vor zwei Jahren ausfallen musste. 16 Bands und zwölf DJs werden im Hühnermanhattan erwartet (radiocorax.de).

Schöne Konzerte, außergewöhnliche Hörstücke und spannenden Themen haben wir diese Woche in der Vorschlagsliste. Zuerst zu den harten Sachen. Das Feature »Sklavenfischer« berichtet über die Zustände in der Hochseefischerei und von Arbeitern, die im Meer verschwinden (DLF/BR/HR/ORF/RB 2022, Di., 19.15 Uhr, DLF, Sa., 18 Uhr, Bremen 2). In »SWR 2 Wissen« geht es darum, wie die einschlägigen Naziratgeber die Kindeserziehung bis heute prägen: »Dann, liebe Mutter, werde hart!« (Do., 8.30 Uhr) Am Freitag abend lässt das Elektromusikduo »mouse on mars« im »hör!spiel!art.mix« auf Bayern 2 das Münchner Lenbachhaus erzittern, das Ereignis wurde programmatisch  »spatial jitter« getauft (warum wird in dieser sendung eigentlich alles klein geschrieben? ist das modern? egal: fr., 21.05 uhr). Danach in »Musik der Kontinente« eine  »Vorschau auf Europas größtes Weltmusikfestival in Rudolstadt«, u. a. mit Rufus Wainwright, Maria Farantouri und Goran Bregovic & His Wedding and Funeral Band (Fr., 23 Uhr, RBB Kultur). Ö 1 sendet am Samstagmorgen eine  »Collage von Radiohöhepunkten 1924 bis 1994«. Zu hören sind größtenteils gruselige historische Ereignisse der diversen Alpenstaatsgebilde und Ausschnitte aus Hörspielen, Kabarettprogrammen und Konzerten (»Hörbilder«, Sa., 9.05 Uhr). Noch mehr spannende Geschichte: Das »WDR-3-Kulturfeature« bringt »Kuba – Echo der Sechziger« von Raul Zelik (WDR 2022, Sa., 12.04 Uhr und So., 15.04 Uhr, WDR 3). Zurück zur österreichischen Radiohistorie: Der ORF hat 1974 »Die letzten Tage der Menschheit« von Karl Kraus aufgenommen, die größte Produktion in der Geschichte des Senders, unter den Sprechern erstgenannt Axel Corti, der Allergrößte der Größten überall. Das ganze Stück dauert 23 Stunden, Ö 1 bringt einen einstündigen Ausschnitt (Sa., 14 Uhr). Für den Opernabend am Samstag können wir zwischen zwei Superhits wählen. In Bierkastenlänge ab 16 Uhr »Live aus der Deutschen Oper Berlin: Richard Wagners Meistersinger von Nürnberg« mit der Hauskapelle unter Leitung von Markus Stenz (Sa., RBB Kultur). Und für Eilige um 20.04 Uhr im »SR-2-Konzert« Mozarts »Zauberflöte« vom Orchester und Chor des Gran Teatre del Liceu, dirigiert von Gustavo Dudamel und aufgenommen am 20. Juni in Barcelona. Wenn sich Radiokolumnenpraktikant Gustav mit der Hupe nicht verzählt hat, gibt es in dieser BRD 67 Straßen, die nach dem Drecksack Hindenburg benannt sind. »Wer denkt sich eigentlich die Straßennamen aus?« fragt »Kakadu« (So., 7.30 Uhr, DLF Kultur). Die Antwort interessiert bestimmt auch die Anwohner der »Rotzmense« im friesischen Esens.

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