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Aus: Ausgabe vom 23.06.2022, Seite 2 / Inland
Politischer Gefangener

Julian Assange freikämpfen!

Riesiger Andrang bei Solidaritätsveranstaltung in jW-Maigalerie
Von Emre Şahin
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Ehrengäste am Dienstag in Berlin: John und Gabriel Shipton, Vater und Bruder von Julian Assange (rechts auf dem Podium)

Volles Haus in der Torstraße in Berlin: Am Dienstag abend haben in der jW-Maigalerie bis zu 300 Personen der Solidaritätsveranstaltung »Julian Assange freikämpfen« beigewohnt. Der Andrang war so groß, dass ein Großteil der Interessierten die Veranstaltung per Direktübertragung auf der Terrasse des Verlagsgebäudes mitverfolgen musste.

Begrüßt wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zunächst von jW-Chefredakteur Stefan Huth, der auf den langjährigen Einsatz der jW für politische Gefangene weltweit hinwies. Unter anderem nannte er die Kampagne »Eine Million Rosen für Angela Davis«. Eine Flut von Postkarten aus der DDR mit gemalten und gezeichneten Rosen erreichte die damals in den USA inhaftierte Black-Power-Aktivistin. Die weltweite Solidarität trug maßgeblich dazu bei, dass Davis 1972 freikam.

Auf dem Podium der kurzfristig organisierten Veranstaltung saßen Vater und Bruder von Assange, John und Gabriel Shipton, sowie die Linke-Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen und Matthias von Fintel, Bereichsleiter Medien bei der Journalistengewerkschaft DJU. Moderiert wurde die Gesprächsrunde von Ina Sembdner, Leiterin des jW-Ressorts Außenpolitik. Aktueller Anlass war die Entscheidung der britischen Regierung vom vergangenen Freitag, dass Assange an die USA ausgeliefert werden darf. Washington wirft dem Wikileaks-Gründer, der US-Kriegsverbrechen im Irak und in Afghanistan publik gemacht hatte, absurderweise Spionage vor. Derzeit wird er im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh in Isolationshaft gehalten.

Gabriel Shipton erklärte, dass sein Bruder zwei Wochen Zeit hat, einen Antrag auf Berufung beim High Court in London einzureichen. Es gebe viele neue Beweise, etwa dass die USA Assange in der ecuadorianischen Botschaft überwacht hätten und gar Anschläge auf ihn und seine Entführung planten. Mehrere Beamte des US-Auslandsgeheimdienstes CIA haben das Mordkomplott bereits zugegeben, enthüllte eine Recherche von Yahoo News im vergangenen Jahr.

Matthias von Fintel erklärte: »Kriegsverbrechen aufzudecken ist Journalismus und in keinem Fall Spionage.« Wenn Assanges Methode kriminalisiert werde, sei das eine Bedrohung für die gesamte journalistische Arbeit. Zwar stehe im Koalitionsvertrag der Bundesregierung, dass die Pressearbeit geschützt werden müsse, doch in der Praxis tue sie nichts, kritisierte von Fintel.

Sevim Dagdelen wies darauf hin, dass auch die Gewerkschaften hier aktiv sein können. In Anlehnung an die jW-Kampagne für Angela Davis rief sie dazu auf, dass die Verdi-Mitgliederzeitung Publik ihre hohe Auflage dazu nutzen könne, eine ähnliche Aktion für Assange zu starten. Auch sagte Dagdelen, dass mehrere Minister vor ihrer Ernennung die Freilassung Assanges gefordert hätten, aber nun schwiegen.

Hingewiesen wurde auf die Mahnwachen vor der US-Botschaft in Berlin. Jeweils am ersten und dritten Donnerstag im Monat wird zwischen 18 und 20 Uhr für die Freilassung Assanges demonstriert. Am 3. Juli soll dort zudem ab 14 Uhr der Geburtstag des politischen Gefangenen gefeiert werden.

Auf dem YouTube-Kanal der jungen Welt ist eine Videoaufzeichnung der ganzen Veranstaltung unter diesem Link verfügbar: https://www.youtube.com/watch?v=n8j4q_zw8kY

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  • Leserbrief von Reinhard Hopp aus Berlin (23. Juni 2022 um 08:43 Uhr)
    Nicht die feigen Mörder sind die Verbrecher, sondern der mutige Zeuge, der darüber wahrheitsgemäß berichtet. Das entspricht einer Umwertung aller Grundwerte durch die zynische und menschenverachtende »westliche Wertegemeinschaft«. Wir, die angeblich doch so sehr in der Tradition der Aufklärung stehenden »humanistischen« Europäer, können wirklich stolz daraus sein, solche »Freunde« jenseits des Atlantiks zu haben. Was würde Kant wohl zu diesem geballten Schweigen sämtlicher europäischer »Wertewestler« sagen?
  • Leserbrief von Anissa Cho (22. Juni 2022 um 22:59 Uhr)
    Vielen Dank, dass ihr auf Julian Assange aufmerksam macht und diese Veranstaltung ermöglichen konntet! Allerdings wollte ich anmerken, dass die Mahnwachen für Assange vor der US-Botschaft in Berlin am ersten und dritten Donnerstag des Monats stattfinden und nicht am zweiten und vierten!
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Martin M. aus Paris (22. Juni 2022 um 22:28 Uhr)
    Schade, dass die Veranstaltung nicht online übertragen wurde. Solche Veranstaltungen stoßen auf großes Interesse auch außerhalb Berlins.

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