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Aus: Ausgabe vom 11.06.2022, Seite 2 / Ausland
Krieg in der Ukraine

London bestreitet Söldnertum

Todesurteile in Donezk gegen Briten: Protest aus Großbritannien.
Von Reinhard Lauterbach
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Großbritannien und die USA haben sich empört darüber geäußert, dass ein Gericht in der »Volksrepublik« Donezk zwei Briten und einen Marokkaner, die auf ukrainischer Seite in Mariupol gekämpft hatten, zum Tode verurteilt hat. Die Außenminister beider Länder, Elizabeth Truss und Antony Blinken, sprachen am Freitag von einem »Schandurteil«, das das humanitäre Völkerrecht verletze. Die drei Verurteilten genössen den Schutz der Genfer Konvention.

Genau das bestreitet die Donezker Seite. Das Urteil vom Donnerstag war mit den Vorwürfen des Terrorismus und des Söldnertums begründet worden. In ihrer Argumentation gab Truss ein – wenn die Behauptung stimmt – kleines Geheimnis preis: Die beiden angeklagten Briten seien bereits seit Jahren Angehörige der ukrainischen Armee gewesen und deshalb jedenfalls keine »irregulären Kämpfer«.

Russland erklärte sich an der Angelegenheit demonstrativ desinteressiert. Außenminister Sergej Lawrow sagte, das Urteil sei von einem Gericht der »Volksrepublik« Donezk aufgrund von deren Gesetzeslage gefällt worden. Moskau könne und werde sich nicht einmischen. In einem Interview mit dem russischen Sender RT warnte einer der Verurteilten Leute ohne Kriegserfahrung, sich als Kämpfer zu verdingen. Der Kampf im Feuer überlegener Artillerie sei nicht dasselbe wie ein Einsatz im Rahmen irgendwelcher internationaler Friedenstruppen. Die Ukraine kündigte an, die drei Todeskandidaten ganz oben auf die Liste der nächsten auszutauschenden Gefangenen zu setzen. Die Verurteilten haben jetzt einen Monat für eine juristische Berufung oder ein Gnadengesuch.

Im Donbass ging der Beschuss von Zielen in den »Volksrepubliken« Donezk und Lugansk weiter. Dabei wurden nach Angaben der dortigen Behörden in Donezk, Gorlowka und Makijiwka mindestens drei Zivilisten getötet und etwa 20 verletzt. Außerdem wurde ein Stadion in der Stadt Kadijiwka (früher: Stachanow) getroffen, in dem nach ukrainischen Angaben Angehörige der russischen Söldnertruppe »Wagner« einquartiert gewesen sein sollen. Dabei kamen etwa 20 Menschen ums Leben. An den Fronten bei Sewerodonezk und vor Slowjansk gab es offenbar keine größeren Kämpfe. Russland meldete die Zerstörung zweier Reparaturanlagen für Militärtechnik in Dnipro und Charkiw.

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