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Aus: Ausgabe vom 28.05.2022, Seite 16 / Feuilleton
Ukraine

Dokument des Krieges

Die Geschichte eines ukrainischen Dolmetschers, der zum Militärdienst gegen den russischen Angriff eingezogen wurde
Von Juri Mowtschan*
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Kriegsübung des faschistischen »Asow«-Bataillons in Kiew am 30. Januar

Ich möchte Ihnen meine persönliche Geschichte über diesen Krieg erzählen. Ich nenne sie »Die Abenteuer des Kanonenfutters« oder »Wie ich in Jeans und mit einem Satz Pflaster an der Front landete«.

Am späten Abend des 1. März fuhr ich mit meiner Frau und meinem Kind nach Uschgorod, an die Grenze zur Slowakei. In meiner Naivität ging ich auch mit, weil ich dachte, ich sei nicht wehrdiensttauglich. Auf der vorläufigen Bescheinigung, die mir als Ersatz für meinen Militärausweis ausgestellt wurde, stand »in Friedenszeiten untauglich, eingeschränkt kriegsdiensttauglich«. Als ich nachfragte, erhielt ich sofort eine Vorladung zum Einberufungsamt. Mir wurde gesagt, ich solle ein Taxi rufen und mitten in der Nacht zum Einstellungsbüro fahren. Obwohl ich nichts Illegales getan hatte – weder hatte ich ein Bestechungsgeld angeboten, noch versucht, die Grenze heimlich zu überqueren, ich hatte einfach nur gefragt –, wusste ich aus der Art, wie sie mit mir sprachen, dass ich dort nie wieder herauskommen würde.

Ich küsste meinen Sohn, der im Zelt des Roten Kreuzes schlief, umarmte meine Frau zum Abschied und ging zurück in meine Heimat. »Wie soll ich mit meinem Augenlicht kämpfen?« fragte ich den Mann in Uniform, rein rhetorisch und um das Gespräch in Gang zu halten, während ich auf ein Taxi wartete. »Es gibt viele verschiedene Aufgaben und Funktionen in der Armee, nicht unbedingt nur das Schießen«, erklärte er.

In der Anwerbestelle schien mir niemand zuzuhören. Sie sagten mir, ich solle mich am Schalter melden, einige Formulare besorgen und mich für eine medizinische Untersuchung anstellen. Der gutherzige Augenarzt stellte fest, dass meine Kurzsichtigkeit seit der letzten Untersuchung zugenommen hatte, und kritzelte auf ein Formular eine Reihe von medizinischen Formulierungen, auf deren Grundlage mich der Leiter der Kommission für diensttauglich erklärte und auf den Weg schickte.

Vom Dolmetscher zum Schützen

In Uschgorod bildeten sich lange Schlangen vor dem Melde- und Einberufungsbüro. Freiwillige boten Wasser und belegte Brote an, viele Menschen saßen tagelang dort und machten sich dann in Gruppen auf den Weg. Ich wartete in der Schlange bis zum Feierabend und erhielt eine neue Vorladung für morgen. Am 4. März wurden meine Dokumente geschrieben, ich wurde in einen gelben Shuttlebus gesetzt, zusammen mit den anderen, die »erwischt« wurden. Ein Priester kam herein, um für uns zu beten und uns zu segnen – dann fuhren wir los.

Es stellte sich heraus, dass es in meiner Gruppe viele Menschen gab, die wie ich gesundheitliche Probleme hatten, Menschen, die wie ich nicht mehr jung waren und die wie ich keine Erfahrung mit dem Militärdienst hatten. »Ihr werdet so etwas wie die Territorialverteidigung sein«, versicherte man uns, als wir in der Einheit ankamen, »ihr werdet in der Region Transkarpatien bleiben und zum Beispiel an Straßensperren stehen und einige Einrichtungen bewachen.« »Aber«, fügte die beruhigende Stimme wie beiläufig hinzu, »wenn es einen entsprechenden Befehl gibt, können Ihnen andere Ziele zugewiesen werden …« (Rückblickend nach anderthalb Monaten voller Absurdität und krimineller Fahrlässigkeit kann festgestellt werden, dass der Auftrag bereits auf dem Schreibtisch eines Mitarbeiters lag, nur ohne Datum und Unterschrift).

So kam ich als Gewehrschütze in das neugegründete Fünfte Schützenbataillon. Auf meinem Dienstausweis war ich als Sachbearbeiter aufgeführt. Ich hatte 20 Jahre lang als Englischübersetzer gearbeitet, unter anderem als Dolmetscher für die britischen Militärausbilder unserer Truppen bei der »Operation Orbital«. Aber die Leute, die die Heimatverteidigung organisierten, hatten den Eindruck, dass ich beim Graben von Gräben und beim Schießen mit AK-74s nützlicher wäre. Zu meinen Mitarbeitern gehörten drei Programmierer aus Kiew. Gelegentlich wurden sie eingesetzt, um endlose Listen mit persönlichen Daten in Excel-Tabellen einzutippen. Aber die übrige Zeit waren sie wie alle anderen – Anwälte, Lehrer, Landwirte, Bauarbeiter – und lernten, Maschinengewehre zu zerlegen, Befestigungen auszuheben und Granaten zu werfen.

Aber es muss gesagt werden, dass es nicht viel Ausbildung gab. In den ersten zwei Wochen erledigten wir verschiedene Aufgaben: Kisten hin- und herschieben, Uniformen und Schuhe besorgen. Da aber nicht alle Größen verfügbar waren, wurden ein Dutzend anderer Männer und ich nie mit Uniformen ausgestattet – weder mit »Pixel« (Jacke und Hose) noch mit Stiefeln. Nach einem Monat wurde uns gesagt, wir sollten sie für unser Geld kaufen – »Ihr bekommt euren Lohn« bemerkte der Kompaniechef. Irgendwie zögerte ich mit diesen Anschaffungen (zumal die Sachen nur selten und widerwillig ausgegeben wurden), und so ging ich in Jeans und schwarzen Winterstiefeln an die Front. Aber es war meine eigene Schuld, wie man so schön sagt. Die Overalls wurden jedoch an alle verteilt – gebrauchte, die von der slowakischen Armee zur Verfügung gestellt wurden.

Der Gruppenführer warnte, dass es nicht genug Schutzwesten für alle gäbe, und schlug vor, dass diejenigen, die reicher seien, diese auf eigene Kosten kaufen sollten. Aber in den letzten Tagen vor der überstürzten Abreise wurden dann doch für alle Schutzwesten mitgebracht. Und sogar alte Gasmasken und Chemikalienschutzmäntel OZK aus Gummi mit Löchern an den Nähten wurden ausgegeben. Wir mussten diese zusätzliche Fracht überallhin mitnehmen. Kurz vor dem Abmarsch zur Stellung meinte der Kompaniechef jedoch, dass wir Schutzmäntel OZK nicht mitnehmen könnten (obwohl sie auch gegen Regen helfen könnten). Wir bekamen auch Isomatten und Schlafsäcke, aber sie waren gemischt, da sie alle von Freiwilligen gespendet worden waren.

In den ersten zwei Wochen arrangierten wir also unsere Lebensweise, Schlamm und Tabakrauch waren als obligatorischer Hintergrund allgegenwärtig. Etwa in der dritten Woche begann die Ausbildung. Die ersten beiden Tage waren sinnvoll: Es wurde gezeigt, wie man die Kalaschnikow-Sturmgewehre zerlegt, dann wurde auch der Umgang mit dem PKM (ein modernisiertes Kalaschnikow-Maschinengewehr) – liebevoll »Pokemon« genannt – und zwei Arten von Granatwerfern gelehrt. Es war nicht ganz klar, warum es an den Kontrollpunkten Granatwerfer gab und warum jeder in der Truppe als Schütze, Granatwerfer, Maschinengewehrschütze, Kommunikator und Sanitäter eingetragen war – aber zusätzliches Wissen schadet nie, oder?

Dann wurde gezeigt, wie man starke Blutungen mit einem großen Gummiband (wie es oft an Lasten von Fahrrädern befestigt wird) stoppen kann. Und sie erklärten, wie man sich in Gruppen mit Maschinengewehren fortbewegt. Dann verbrachten wir noch ein paar Wochen damit, das Gelernte zu »verfestigen«: Wir liefen im Gänsemarsch mit Maschinenpistolen oder manchmal auch mit Stöcken, die sie nachahmten, auf einem verlassenen Übungsgelände herum. Oder wir »tänzelten« einfach herum und sonnten uns, als einer der sogenannten Ausbilder ehrlich sagte: »Jungs, geht und ahmt irgend etwas nach, damit euch eure Vorgesetzten nicht in die Pfanne hauen«. Andere, die »gewissenhafter« waren, bestanden darauf, dass wir das erworbene »Wissen« »festigen«. Sie wiederholten bedeutungsvoll: »Leute, seid vorsichtig, euer Leben kann davon abhängen.«

Es gab nicht genügend Ausbilder für uns arme Leute. Und diejenigen, die mit dem Unterrichten beauftragt waren, wussten nicht so recht, was sie tun sollten. Kein Wunder, denn fast alle Zugführer (und auch der Kompaniechef selbst) hatten noch nie gedient; bestenfalls hatten sie eine militärische Abteilung an einer Hochschule. Die Hälfte, wenn nicht mehr, aller Mitglieder unserer Kompanie (ich bin mir sicher, dass es das gesamte Bataillon war) hatte noch nie gedient.

Der Sanitäter war ein phlegmatischer und gleichgültiger Typ namens Anton, ein ehemaliger Tierarzt, glaube ich. Seine erste Lektion lautete: »Diese Scheiße, Jungs, gehört in dieses verdammte Ding … Wenn es eine Halswunde ist, kann man nichts dagegen tun. Selbst erfahrene Ärzte können nicht immer helfen … Ein Beckenbruch lässt sich durch ein deutliches Knirschen beim Drücken erkennen. Für solche Fälle wird eine spezielle Schiene verwendet, aber Sie werden keine haben … Ihre Aufgabe ist es, den Verletzten in einen sichereren ›gelben‹ Bereich zu bringen, wo Leute wie ich Hilfe leisten werden.« Was ein schwacher Trost war. Aber wir waren nicht allzu beunruhigt über diese »Kompetenz« unserer Sanitäter – niemand glaubte ernsthaft, dass sie in absehbarer Zeit auf das Schlachtfeld gehen würden. Diese Kurse gaben uns also die Möglichkeit, uns zu amüsieren und uns nicht so sehr zu langweilen. Einer der Offiziere fand in den Lehrbüchern Materialien zur Kampfausbildung, die in unartikulierter Kanzleisprache verfasst waren. Ich, als Mann mit höherer Bildung, las die allgemeinen Informationen über Patrouillen und Konvois gepanzerter Fahrzeuge den auf dem Rasen schlafenden Soldaten vor.

Der Unteroffizier wählte einen lebendigeren Ansatz: Er sah sich vor dem Unterricht viele Videos auf Youtube an und vermittelte alles in einfacher Sprache, mit einer gesunden Dosis Schimpfwörter. Aber selbst das schien uns entweder weit von unseren Aufgaben entfernt oder ohne lange Übung unzugänglich zu sein. So entwickelte sich das Ganze zu einem freundlichen Gespräch darüber, wer was über Minen, Scharfschützen und Hinterhalte gehört hatte. Als auch der dichte Zigarettenrauch den müden Gesichtsausdruck nicht verbergen konnte, wiederholte der Vorarbeiter das Leitmotiv: »Ihr Leben kann davon abhängen.«

Nach einem halben Monat begannen wir, einmal pro Woche zum Schießstand zu fahren. Ich habe gehört, dass in einem Militärhandbuch festgelegt ist, wie oft ein Soldat abdrücken muss, bevor er als einsatzbereit gilt. Ich war also dreimal auf dem Schießstand und hatte insgesamt etwa 70 Schuss abgegeben (und einmal eine Übungsgranate geworfen – wenn man die Übung nicht mitzählt, bei der wir Steine durch die Fenster einer Mülldeponie geworfen haben, die früher ein Panzerübungsplatz war), und war somit im April bereit für den aktiven Kampf.

Wir schossen abwechselnd zu dritt im Stehen, im Knien und im Liegen. Wir mussten uns merken, wann wir die Sicherung lösen, wann wir den Verschluss einrasten lassen und prüfen, ob noch eine Patrone in der Waffe war. Wir kamen ein wenig durcheinander, die Vorgesetzten wurden ein wenig wütend und schrien die »Schwachköpfe« an. Also versuchten wir es noch schneller, wobei wir uns nicht um die Genauigkeit oder das Zielen kümmerten, sondern nur um die formale Geschmeidigkeit der Übung. Der Vorgesetzte, der sich aus irgendeinem Grund Psychologe nannte, freute sich und sagte nachsichtig: »Es ist Krieg im Land, keine Zeit zum Lernen. Also, auf in die Schlacht!« Und wir wurden direkt auf dem regnerischen Boden mit Eintopf, Äpfeln und sogar Schokolade aus humanitären Hilfslieferungen versorgt. Das war zugegebenermaßen interessanter als die klebrigen Nudeln, der kalte Reis und die schalen Suppen in unserer Kantine.

Gesund ist, wer nicht umfällt

Mitte März begannen in den fernen Unterkarpaten offenbar regelmäßig Fliegeralarme zu ertönen. Während des Alarms mussten wir uns verteilen (damit eine Rakete nicht alle auf einmal tötete) und nahe am Boden liegen (damit die Granatsplitter durchflogen, ohne uns zu treffen). Aus irgendeinem Grund gab es in unserer Einheit keinen Luftschutzbunker, und wir mussten jede Nacht mehrmals um den Paradeplatz und den Sportplatz laufen und auf dem Boden kauern. Schließlich wurden wir klug und begannen, während der Alarme Packdecken und Schlafsäcke mitzunehmen, uns wärmer anzuziehen und einen Vorrat an Süßigkeiten und Zigaretten anzulegen.

Schon bald husteten fast alle, erstickten an Rotz und hatten Fieber. Die Sanitäter betrachteten jeden Fall, der weniger als 40 Grad Fieber maß, als Bagatelle. Tatsächlich wurde sogar ein Mann, der das Coronavirus hatte, als sofort arbeitsfähig eingestuft und in unsere überfüllten Kasernen geschickt. Also unterdrückten wir stoisch den Husten, schluckten den Schleim runter und bereiteten uns auf das Ritual der Aufstellung vor. Wir warteten darauf, dass sich die Offiziere am Rande berieten und auf ihre Züge verteilten, um unsere bevorstehende Aufgabe zu vermitteln: »Wie auch immer Leute. Jetzt werden wir die gestrige Lektion verstärken. Bis zur Mittagszeit. Und dann werden wir unsere Waffen säubern.«

Die stoische Verachtung für den sterblichen Körper im Dienste eines höheren Ziels führte ärgerlicherweise zu akuten und chronischen Schmerzen. Aber auch das hat uns nicht aufgehalten. Anfang April, als ich es schon leid war, jede Sekunde Rotz zu schlucken und meine Kameraden nachts mit monströsem Schnarchen zu stören, stellte ich mich bei echten Ärzten vor. Sie stellten fest, dass ich eine chronische Kieferhöhlenentzündung und eine akute Tracheobronchitis hatte, und verschrieben mir unter anderem Antibiotika. Aber in zwei Tagen war ein Marsch und ein Schießen auf dem Schießplatz geplant, und so lief ich zusammen mit all den anderen relativ gesunden Soldaten (da ich nicht am Tropf hing und in der Hitze nicht verbrannte) fünf Kilometer zum Schießplatz und die gleiche Strecke bei starkem Regen zurück. Es gab keinen Platz, um die durchnässten Kleider und Schuhe zu trocknen, also trocknete ich zum Beispiel meine Hosen an mir selbst.

Die erste Militäreinheit war, wie ich bereits sagte, überfüllt. Die Etagenbetten waren schnell eingerichtet, aber noch schneller wurden sie mit dem frischen Fang des Uschgoroder Einberufungsamtes gefüllt, der manchmal mitten in der Nacht gebracht wurde. Einmal bin ich in der Nacht aufgestanden, um auf die Toilette zu gehen, und hatte Mühe, zwischen den auf dem Boden schlafenden Rekruten durch die Dunkelheit zu kommen. Bald füllten die Betten alle Zimmer und Abstellräume und säumten die Gänge in engen Reihen. Das glorreiche Fünfte Schützenbataillon nahm seine volle Gestalt an. Die Soldaten hatten zwei Waschbecken und zwei Duschen für über 400 Männer des Bataillons, aber einmal pro Woche bekamen sie Socken und Hosen mit der Aufschrift »ZSU« (ukrainische Bodentruppen, jW).

Nach den Raketenangriffen in der Region Lwiw wurde beschlossen, die Soldaten aus der leicht identifizierbaren Einheit herauszunehmen und sie zu verteilen. Zunächst wurden sie in getrennten Räumen untergebracht, in denen es furchtbar kalt, aber geräumig war. Aber nach ein paar Tagen haben wir beschlossen, dass es einfacher ist, die Herde zu managen, wenn sie im selben Stall ist, also haben wir »Boxen« in großen Räumen (anscheinend Versammlungsräume) im Erdgeschoss eingerichtet. Es wurden die gleichen zweistöckigen Betten gebracht, aber hier mussten wir uns noch enger zusammenrücken – drei Personen auf zwei Matratzen (was unser Team noch enger zusammenschweißte). Leider gab es in dieser brüderlichen Gemeinschaft auch unglückliche Zwischenfälle: Streit um einen Platz für eine Tasche unter dem Bett oder Verwirrung darüber, wessen Mantel oder Schuhe wohin gehörten. Aber in der Armee lernt man schon früh einen wichtigen Grundsatz: »Es wurde nicht geklaut. Du hast es verloren«.

Unsere Moral wurde nicht nur durch das tägliche Anfeuern der Formation gesteigert, sondern auch durch die Kraft der Kunst. Einmal wurde Viktor Pawlik (bekannter ukrainischer Musiker, jW) in die Abteilung gebracht, sang mit seiner Gitarre in der Lobby und machte Fotos mit den Leuten. Die misstrauischsten unter uns dachten, dass solch exorbitanter Luxus ein Zeichen für eine bevorstehende Abreise sei, aber auch das war ein Irrtum. Im Allgemeinen gab es eine Menge Gerüchte und Spekulationen. »Nun, sie können uns nicht wirklich an die Front schicken, wir sind Nullen!« »Wir haben keine gepanzerten Fahrzeuge, wir werden an Kontrollpunkten und Wachen eingesetzt.« »Unsere Leute werden getrennt in anderen Einheiten eingesetzt, und zwar nur diejenigen, die damit einverstanden sind, dorthin zu gehen.« »Keiner unserer Leute ist für die Arbeit mit ›Javelins‹ ausgebildet, und ohne das werden sie definitiv nicht in ein Kampfgebiet geschickt« und so weiter. Es gab viele Hypothesen und Mutmaßungen, aber die Realität hat sie übertrumpft.

Vor Ostern standen drei Tage Feldübungen auf dem Programm: Ausheben von Befestigungen, Bau von Unterständen, Schlafen an der frischen Waldluft, simulierte Patrouillen und Gefechte und zum Abschluss ein Tag auf dem Schießplatz. Alles deutete darauf hin, dass wir zu Ostern noch einige Zeit zu Hause (oder besser gesagt, außerhalb der Einheit) verbringen und dann woanders hingeschickt würden. Es gab sogar noch ein weiteres kulturelles Ereignis, das unsere Seelen verstörte: Am Sonntag eine Woche vor Ostern, als wir kaum zwei Löffel gegessen hatten, kam der Zugführer in die Kantine gestürmt und befahl uns, uns zu formieren.

Wir wurden sofort paarweise in das Institut für Kultur und Kunst geführt und nahmen in der Aula Platz. Zuerst tanzten die Schüler dieser Schule in ihren Nationaltrachten, dann sangen andere Schüler patriotische Lieder, in denen sich die traditionelle Tropen »Kosaken« und »Wolf und Nachtigall« mit neuem Fernsehjargon wie »Bayraktars« und einigen lächerlichen Beleidigungen in bezug auf den Feind vermischten. Dann trat der Leadsänger von Shablya auf. Die Band hat, wie wir erfahren haben, seit Beginn der ATO (»Antiterroroperation« im Donbass, jW) ihre Nische gefunden und zieht mit martialischen und manchmal melancholischen Liedern durch Militäreinheiten im ganzen Land, um den Kampfgeist der Kosaken aufrechtzuerhalten. Nach dem Konzert wurden wir mit Keksen, Gebäck und Kaffee verwöhnt und kehrten dann in aller Ruhe zu unserer kalten Suppe zurück.

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Militärübung für Zivilisten, durchgeführt vom »Asow«-Bataillon am 19. Februar in Charkiw

Am Vorabend des »Abschlusses« des Trainings verschärfte sich die administrative und wirtschaftliche Hektik: Wir erhielten in aller Eile uralte OZKs, Erste-Hilfe-Kästen (nur mit Bandagen, Mull und Pflastern darin) und eine gute, importierte Aderpresse (statt der versprochenen drei, aber danke), die sie vorher nicht verteilen wollten (»Sonst verdreht ihr sie und brecht sie, bevor ihr überhaupt rauskommt!«). Die Militärausweise wurden wieder eingesammelt, um neue Listen zu erstellen. Mit diesen Listen gibt es einige mystische Probleme – egal wie oft sie sie erstellen, sie stellen immer noch Bescheinigungen mit falsch geschriebenen Namen aus, verwechseln die Daten in der Buchhaltung, vergessen Stempel oder Unterschriften anzubringen … Ich wünschte, es gäbe Buchhalter und Geschäftsleute in der Armee, aber es gibt nur Kanoniere und Grenadiere mit zwei Universitätsabschlüssen, die nichts taugen.

An die Front

Und so wurde es Dienstag, ein Tag mit langwierigem Training auf dem Feld. Wir wurden routinemäßig um fünf Uhr morgens geweckt, damit wir geduldig bis acht Uhr warten konnten, bis sich die erste Gruppe versammelte und abfuhr. Vor Ort hatten wir bereits beneidenswerte Löcher gegraben, den Gemeinschaftsunterstand fast fertiggestellt, ein Feuer gemacht und warteten darauf, dass das Fleisch für die Bograch kochte, als der Befehl kam, alles fallen zu lassen und zurückzugehen. Die Bograch wurde auf den Boden geschüttet, wir machten uns auf den Weg zurück zur Einheit. Dort wurden wir aufgereiht und bekamen mit strahlendem Lächeln gesagt: »Leute, es ist endlich an der Zeit, dass auch wir unser Heimatland verteidigen!« Es war ein warmer Abend am 19. April. »Packt zusammen, wir brechen heute Abend auf, wenn die Kamazes (Lastkraftwagen, jW) eintreffen. Nehmen Sie nur das Nötigste mit: OZK, Gasmaske, BK (Munitionssatz), Waffen, Handschuhe, Schlafsack, Unterwäsche und ein Paar Socken … Nehmt nichts extra mit!«

Aber wir konnten nicht so schnell gehen. Wir haben uns kugelsichere Westen besorgt. Dann bekam jeder vier volle Magazine (120 Schuss Munition, ohne zusätzliche Formulare oder Unterschriften), unsere automatischen Gewehre, Trockenrationen für drei Tage. Wir sind erst am Mittwoch gegen zwei Uhr nachmittags losgefahren. In zwei großen Bussen. Im Konvoi befanden sich auch zwei Kamaz-Lkw: einer mit persönlichen Gegenständen und einer mit zusätzlichen BKs, Maschinengewehren, Schaufeln, Sägen, anderen Infanteriewerkzeugen und Küchenutensilien … In einem Kleinlaster fuhren auch die Chefs mit Pistolen am Gürtel mit.

Niemand sagte uns, wohin wir gehen würden oder was die Aufgabe war. »Leute, ich werde es euch nicht sagen. Weil ich es nicht weiß. Ehrlich, ich weiß es nicht«, schwor der Hauptmann, ein Kompaniechef, der noch nie gedient hatte.

Wir fuhren sehr langsam: Jemand fiel hinter die Kolonne zurück und wir mussten auf ihn warten, dann kochte einer der Lastwagen über, und der andere musste repariert werden. Angesichts dieser Verzögerungen war der Kommandant verständlicherweise verärgert über die Bitten der Soldaten, eine Toilette aufzusuchen, zu rauchen oder zu essen. Mehr als einmal unterdrückte er diese Launen rigoros. Am Ende des ersten Tages hatten wir die Region Transkarpatien kaum verlassen. Am zweiten Tag verließen wir Iwano-Frankiwsk. Alle rieten, dass die Route zum Dnipro führte.

Uns wurde gesagt, dass wir nur eine Trockenmahlzeit pro Bus mitnehmen sollten (und wo sonst sollten Gasmasken und andere Dinge hinpassen). Das »Palianitsa« benannte Essen wurde von Großbritannien für die Helden der Ukraine hergestellt: geschmacklose Würstchen, ein einfacher Eintopf (ohne Beilage oder wenigstens Brot), verschiedene Nüsse, dunkle Schokolade und ein gutes Dessert aus Haferflocken mit Karamell- und Toffeegeschmack. Außerdem gab es eine Tüte mit Instant-Fruchtgetränken und Tabletten zur Wasseraufbereitung.

An den folgenden Tagen mussten wir in den Geschäften um Hilfe bitten, wo uns die Einheimischen viele Dinge umsonst gaben und uns großzügig Wasser in Flaschen, Kaffee, Lebensmittel, Osterbrötchen, Äpfel usw. brachten. Einige Leute versuchten, uns Geld zu geben. »Ich habe selbst einen Sohn dort«, sagte einer von ihnen. Es war ein wenig peinlich, diese unverdiente Teilnahme und Hilfe anzunehmen.

Die Landschaft veränderte sich. An Rastplätzen wischten wir uns die nackten Füße mit Feuchttüchern ab. Am Samstag vor Ostern erreichten wir schließlich Dnipro, fuhren aber an der Stadt vorbei und nahmen die Donezk-Autobahn. Jede Weggabelung rüttelte unsere müden Gehirne aufs Neue auf. Am Ausgang der Stadt hielten wir an und standen lange Zeit. Nach den Sitzungen informierten uns die Kommandeure über einen Plan für das weitere Vorgehen. Wir waren fast am Ziel, aber die letzte Etappe der Reise würde stellenweise sehr nahe an der Frontlinie verlaufen. »Wir werden einer Einheit helfen, die am Morgen auf uns wartet. Wir werden in der Dunkelheit losziehen, mit Schutzwesten und Helmen, mit geladenen Maschinengewehren in der Hand. Der Bus wird langsam und mit offenen Türen fahren. Einige der Soldaten schauen aus dem Fenster, und wenn sie Blitzlichter entdecken, hält der Bus an, und alle verlassen ihn zügig und legen sich hinter ihm auf die Straße. Gehen Sie nicht an den Straßenrand. Es könnte dort Minen geben!«

Ich war so erschöpft von dieser endlosen Fahrt, dass ich alles mit Gleichgültigkeit hinnahm und fast einschlief. (Der Auftrag war klar und knapp formuliert, wirft aber dennoch Fragen auf, wie: »Was wäre, wenn wir hinter dem Bus auf dem Rollfeld liegen würden? Die Angreifer aus der Dunkelheit angreifen, hinter dem verminten Straßenrand? Durch die Nacht gehen und einen zerschossenen Bus zurücklassen? Wo? Warten Sie auf Verstärkung? Von wem?«) Ich schob diese müßigen Gedanken beiseite und gab mich dem warmen Strom der schläfrigen Apathie hin.
Meine Kameraden wurden jedoch aus irgendeinem Grund unruhig. Der Gruppenleiter, der immer klug und erfahren wirkte, kam auf mich zu. »Wir werden mit den Kommandeuren sprechen, dass wir mit diesem Befehl nicht einverstanden sind.«

»Und was sind Ihre Argumente?« fragte ich. Ich wählte meine Worte mit Bedacht, um meine Verwunderung nicht zu verraten: Ich bin nicht der Einzige, der die Absurdität dessen, was geschieht, erkennt! Es gibt vernünftige Menschen um mich herum … (keine dem System gehorchenden Rädchen). »Der Befehl erscheint vielen albern«, erklärte mein Gruppenleiter Sanya. »Gibt es eine Verbindung zu denen, die wir um Unterstützung bitten? Wissen sie, dass wir kommen, und werden sie nicht selbst das Feuer auf uns eröffnen? Und noch etwas: Unsere Batterie (120 Patronen) reicht nur für zehn Minuten Kampf. Und was dann? Einige fragen, wie wir einen Kampfeinsatz durchführen können, wenn viele von ihnen immer noch keinen Ausweis haben, mit dem sie ihrer Einheit zugewiesen werden?«

»Was meinst du, sollen wir gehen oder nicht?« beendete er. »Ich stimme zu, dass wir nicht dorthin gehen müssen«, sagte ich und er ging.

Um vier Uhr morgens ging ich mit drei anderen Jungs los, um die Umgebung unseres Campingplatzes zu bewachen. Gegen fünf Uhr begannen die Soldaten, sich zwischen den Bussen und Lastwagen zu sammeln. Vertreter der Behörden haben mit ihnen gesprochen. Wir vom Dienst wurden völlig vergessen. Ich habe nur Bruchstücke von Sätzen mitbekommen, die gesagt wurden: »Ich kenne Oberst A. persönlich, und er würde niemals einen verrückten Befehl geben … Er macht sich Sorgen um jeden einzelnen von euch … Ich verstehe, dass du Angst hast … aber da draußen warten Typen wie du …« Um halb sieben sah ich ein, dass es keinen Sinn hatte, Wache zu stehen. »Was haben Sie beschlossen?« fragte Sanya, als er mich sah. »Worüber? Ich habe nicht wirklich gehört, was gesagt wurde.« Dann kam die Aufforderung: »Wenn Sie nicht gehen wollen, stellen Sie sich hier links hin, und wenn Sie bereit sind zu gehen, stellen Sie sich rechts hin.«

Ich murmelte: »Ich glaube nicht, dass es sich lohnt, mit meinem Ausbildungsstand dorthin zu gehen« und wanderte zur linken Seite, während Sanya nach rechts ging. Ich betrachtete beide Gruppen mit Erstaunen. Es gab mehr Linke, aber nicht viel mehr, keineswegs eine überwältigende Mehrheit. Die Chefs forderten alle auf, sich in Dreier- oder Vierergruppen aufzustellen, und zählten aus irgendeinem Grund die grauen Männer im nassen Morgenlicht.

Dann wurde etwas gesagt. Wir stiegen in unsere Busse und fuhren irgendwohin. »Mach dir keine Sorgen«, beugte sich Sanya zu mir herüber, »du hast das Richtige getan.«

Ich starrte schweigend vor mich hin und kämpfte mit einer seltsamen Mischung von Gefühlen. Mit der Zeit wurde die Mischung aus Wut und Lachen, einem unfreundlichen Lachen, immer schärfer. »Was hat sich geändert?« Ich fragte mit möglichst neutraler und schläfriger Stimme: »Du warst dagegen, und jetzt bist du dafür.«

»Es gab eine Menge Verwirrung, aber jetzt ist alles mehr oder weniger geklärt. Der Papierkram wird geordnet, und niemand wird ohne die Stempel in seiner Militärakte irgendwohin geschickt werden. Unsere Aufgabe wird es sein, die Artillerie zu decken. Niemand wird uns in die erste Reihe schicken«, erklärte Sanya und fügte schlicht und ohne große Emotionen hinzu, »es sei denn, sie vermasseln es«.

Der Bus fuhr immer weiter und weiter. Wir fuhren in die Region Donezk und schauten mürrisch aus den Fenstern. Wir erreichten die Stadt Pokrowsk. Hier hielten wir am Ende einer Straßenbrücke an, und allen wurde befohlen, auszusteigen und sich mit Panzern und Maschinengewehren unter der Brücke aufzustellen. Vor uns standen die politischen Ausbilder, die Kommandanten, der Anwalt und der VSP (Ukrainischer Militärischer Strafverfolgungsdienst, jW). Der »weiche« politische Beamte beantwortete einige Fragen. Dann meldete sich jemand anderes zu Wort: »Ich verstehe, dass es beängstigend ist. Am Anfang ist jeder ängstlich. Aber Sie werden sich daran gewöhnen. Vor Ihnen gab es Gruppen, in denen einige Leute überhaupt nicht gedient haben, und jetzt nichts …«

»Wir haben die Hälfte der Männer, die nicht gedient haben«, polterte jemand in der Menge. »Das ist in Ordnung«, sagte der Beamte ruhig, »Sie werden sehen, nach dem ersten Schuss ist das alles vorbei. Du wirst dich daran gewöhnen.«
Dann ergriff der VSP (oder nur sein Sprachrohr) das Wort. Er begann mit der Aufzählung von Straftatbeständen, die sich in Kriegszeiten vervielfachen. Er begann, auf »Probleme« und »Schandflecke« hinzuweisen. Ein albernes Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus und ich konnte mein Lachen kaum zurückhalten. »So will ich euch noch einmal bitten, zu überlegen, was ihr wählt, ich möchte, dass die Linken doch die richtige Entscheidung treffen«, rief der liebevolle Politoffizier erneut. »Wer nicht gehen will, geht auf diese Seite.« Keiner hat sich bewegt. »Also sind alle bereit?« fragte er in einem feierlicheren Ton. »Das stimmt!« antwortete die Leitung und übertönte mein »Klar, verdammt!«

Dann kehrten wir zu unseren Bussen zurück und fuhren weiter. Wir kamen in der Region Lugansk an. Wir fuhren weiter. Dann erreichten wir unsere neuen »Wohnungen«, aber wir schienen immer noch unterwegs zu sein. Ich schlief gemütlich in einer verlassenen Fabrikhalle auf einer Palette unter einer Drehbank. Wir luden unsere Rucksäcke aus dem Kamaz aus, und es gab ein ganzes Festmahl aus verschiedenen Konserven. Ich kackte leise in den Betongraben und blickte auf die Fabriklandschaft. Ich fand heraus, dass im Heizungsraum noch Wasser vorhanden war, und wusch mir damit die Füße und die Socken. Ich habe sie in die Sonne gehängt. Jede Kleinigkeit hat mich glücklich gemacht. Ich fand sogar einen Generator und lud mein Telefon bis zum Rand auf. Ich blinzelte auf den sonnenüberfluteten Beton und den fast vollkommen klaren Himmel. Nur am Horizont, wo die krachenden Geräusche herkamen (als würde ein Riese einen riesigen Teppich ausklopfen), stiegen Rauchfahnen auf.

Nachbemerkung
Der Zugführer hat mir soeben mitgeteilt, dass wir heute den ganzen Tag ruhen und am Abend zu unseren Stellungen aufbrechen werden. Vielleicht bekommen wir auch unseren eigenen Generator, aber wenn wir gehen, schalten wir unsere Telefone aus und geben sie ab. Sie werden in einer Art Kiste aufbewahrt. »Telefone werden dort sowieso nicht viel nützen«, bemerkte er vernünftig und nippte an seiner E-Zigarette.

Ich lasse den Text so, wie er ist, obwohl vieles hinzugefügt und manches korrigiert werden könnte (ich habe ihn nachts auf meinem Handy getippt). Gerade eben, am 26. April um 10 Uhr, gab es eine Aufstellung, und es wurde offiziell verkündet, dass wir heute Abend losziehen werden, um unsere Stellungen zu befestigen.

Ich schicke ihn also so, wie er ist. Ich möchte, dass meine Stimme in den Tiefen dieser Absurdität und Hölle gehört wird. Nicht der Tod selbst ist beängstigend, sondern der sinnlose und dumme Tod. Wenn ich nicht zurückkomme, hilft dieser Text vielleicht jemandem, dieses Verbrechen (und wahrscheinlich viele andere) aufzuklären.

Ich möchte, dass meine Stimme gehört wird.

*Name ist der Redaktion bekannt

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  • Leserbrief von David aus Wiesbaden ( 1. Juni 2022 um 11:35 Uhr)
    »Aber in der Armee lernt man schon früh einen wichtigen Grundsatz: ›Man stiehlt nicht, man macht es kaputt.‹« Hier handelt es sich um einen Übersetzungsfehler. Der Spruch lautet im Original »Не украли, а проебал.« was soviel heißt wie »Es wurde nicht geklaut. Du hast es verloren«, was im Kontext auch vielmehr Sinn macht als die fehlerhafte Übersetzung.
  • Leserbrief von David Ricardo ( 1. Juni 2022 um 07:31 Uhr)
    Man kann wirklich nur hoffen, dass der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine bald endet.
  • Leserbrief von Oscar Gemsrieser aus Münster (30. Mai 2022 um 00:12 Uhr)
    Mangelhafte Organisation, Zuständigkeitswirrwarr, irrationales Tun, Intransparenz, unangebrachtes Pathos, falsches Heldentum, vermeidbares Leid, mutwillige Zerstörung, Lebensmittelverschwendung – dergleichen ist im Krieg nicht ungewöhnlich. Das findet sich in George Orwells »Homage to Catalonia«, Yoram Kaniuks »1948«, Isaak Babels »Reiterarmee«, bei Hemingway, Grimmelshausen oder beliebigen weiteren Autoren, die realistisch aus der ersten Person berichten. Womit hinreichend deutlich sein sollte, dass sich aus diesen Umständen schwerlich ableiten lässt, ob die Sache, die da so unbeholfen, blutig und rücksichtslos vertreten wird, nun eine schlechte oder gute sei. Dass sich solche Zumutungen im Zielgebiet der russischen Spezialoperation auf ukrainischer Seite identifizieren lassen, kann kaum überraschen, stellt aber auch kein Argument dar, abgesehen dafür, diesen Zustand baldmöglichst zu beenden. Insofern wäre es ganz hilfreich, wenn sich entsprechende Berichte auch von russischen Augenzeugen veröffentlichen ließen. Am besten natürlich auch in Russland.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Bernhard K. aus Berlin (28. Mai 2022 um 19:21 Uhr)
    Wow, ziemlich beeindruckender Bericht. Ich hoffe nur, der Autor schafft es, seine Anonymität zu wahren …
    • Leserbrief von Anon aus Interessiert nicht. (31. Mai 2022 um 21:54 Uhr)
      Ich hofft er überlebt den Irrsinn und kann seine Frau und sein Kind wieder in die Arme schließen.
  • Leserbrief von Joachim Seider aus Berlin (28. Mai 2022 um 15:13 Uhr)
    An jedem Abend erzählt uns der ukrainische Präsident eindrucksvoll das Märchen vom heldenhaften Kampf der vor der Drachenhöhle Alleingelassenen. Ehrfürchtig erschauert Deutschland allabendlich und rafft die letzten Groschen zusammen, um zu helfen, dass das Gute endlich siegt. Und dann dieser Livebericht aus einem Land Absurdistan, der nüchtern und eindrucksvoll schildert, was es wirklich heißt, in westlichem Auftrag bis zum letzten Blutstropfen kämpfen zu müssen. »Ich möchte, dass meine Stimme in den Tiefen dieser Absurdität und Hölle gehört wird«, sagt einer, der seine Haut in Schlamm, Chaos und Sinnlosigkeit zu Markte tragen muss. Während der nette Onkel im T-Shirt weiter jeden Abend Märchen erzählen darf.

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