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In der Radiofabrik

Von Pierre Deason-Tomory
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Massenproduktion in London, 1936

Ein Stuttgarter Regionalsender bewirbt sich mit einer Promotion-Aktion um den Radionegativpreis »Goldenes Sendeloch« der Opfervereinigung Hörfunk-Nahtod. Um den elenden Ukraine-Krieg irgendwie witzig im Programm abzubilden, bietet Die Neue 107.7 neuerdings einen Sprachkurs an. Nicht für die Flüchtlinge, sondern – höhö! – für den Nachmittagsmoderator Jens Dehn. Dem bringt jetzt Iryna täglich bei, »wie man ›Maultaschen‹ übersetzt« ins Ukrainische. Warum? »Wir wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen und signalisieren, dass sie bei uns willkommen sind«, so die Begründung des Programmchefs in einer Presseverlautbarung. Und das geht im Ländle eben am besten, indem Flüchtlinge die Schwaben Warenyky lehren. Der Sender sucht übrigens Volontäre, dort kann man drei Jahre lang für wenig Geld ein Programm »scripten«, das so überraschend ist wie der Abspann der Lindenstraße, in dem jedes Wort vorgelesen wird und sich die Musik andauernd wiederholt. Eine Alternative für Berufsanfänger, die die Vielseitigkeit des Handwerks kennenlernen möchten, wäre ein Freiwilliges Soziales Jahr bei einem freien Radio. Der Sthörfunk in Schwäbisch Hall hat gerade zwei FSJ-Kultur-Stellen ausgeschrieben, die Bewerber sollen unter anderem Livesendungen moderieren, mit dem Mikro rausgehen und Beiträge bauen. Zwölf Monate lang, im September geht’s los, man bekommt dafür ein Taschengeld und einen Sack voller Erfahrungen. Fix musst man sein: Bewerbungsschluss ist am 30. Mai.

Damit zu den größten Hits der Woche im Dampfradio: Wir beginnen mit der wahnsinnigen Unity Mitford, einer britischen Aristokratin, die Hitler fanatisch verehrte, was in ihren Kreisen durchaus vorkam. Das Stück »Ich blätterte gerade in der Vogue, da sprach mich der Führer an« basiert auf dem Buch der Historikerin Michaela Karl (»Hörspiel«, NDR 2019, Mi., 20.03 Uhr, NDR Kultur). Klerikale Volksverblödung bietet der »Feiertag« auf DLF Kultur am Himmelfahrtsmorgen: Der evangelische Märchenerzähler Uwe Birnstein fantasiert in »Abraham, der Patchwork-Papa« über »Sorgen und Freuden der biblischen Väter«. Er meint den Abraham, der seinen Sohn Isaak opfern wollte (Gen 22,1) und es nach Ansicht mancher Theologen (Maccoby) in der ursprünglichen Version der Geschichte wohl auch getan hat (Do., 7.05 Uhr). Wer seine Kinder liebt und sie trotzdem nicht aufschlitzen mag, kann mit ihnen zur selben Zeit auf RBB Kultur den »Ohrenbär« hören. In der Hauptrolle »Vier Löwen vom Hinterhof«, die zwar aus Stein sind, sich aber trotzdem verdünnisieren (Do., 7 Uhr). »Vom Knödel wollen wir singen«, droht Markus Meyer und serviert zum Himmelfahrtseisbein in der »Literatur am Feiertag« vollmundig Gelesenes, nämlich »Kulinarische Gedichte und Geschichten« (Do., 14.05 Uhr, Ö 1). Am Sonnabend nachmittag berichtet das Filmmagazin von DLF Kultur »Live von den 75. Internationalen Filmfestspielen in Cannes« (»Vollbild«, 14.30 Uhr), und etwas später bringt SR 2 die »Reportage Kolumbien«, Anne Herrberg erwartet »Erstmals Linksruck im einstigen Bürgerkriegsland« (17.30 Uhr). Im »Nachspiel-Feature« am Sonntag, »Als der SV Sodingen um die Deutsche Meisterschaft spielte«, hören wir die Ruhmesgeschichte eines Bergarbeitervereins aus Herne, für den noch in den fünfziger Jahren waschechte Kumpel auf dem Platz standen (18.05 Uhr, DLF Kultur). Und Radiokolumnenpraktikant Gustav mit der Hupe empfiehlt die Lesung von »Die Detektive vom Bhoot-Basar« nach dem vielgelobten Roman von Deepa Anappara (ab Mo., 11.10 Uhr und 22.25 Uhr, RBB Kultur).

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