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Aus: Ausgabe vom 13.05.2022, Seite 16 / Sport
Fußball

Es geschah in Rom

Coppa Italia: Internazionale Milano beschert der Juve ein titelfreies Jahr
Von André Dahlmeyer
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So sehen Sieger aus: Internazionale Milano feiert

In der Serie A hat sich Italiens Rekordmeister Juventus Turin diese Saison nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Vergangenen Freitag setzte es bereits die siebte Niederlage, diesmal beim Tabellenvorletzten in Genua. Immerhin, hinter den beiden Teams aus Milan und Napoli konnten sich die Fiat-Städter mit Ach und Krach wenigstens noch für die kommende Champions League qualifizieren. Begeisterung kam bei den Fans nur selten auf.

Aber ins Jubiläumsfinale (75 Jahre) der Coppa Italia hatte es die Vecchia Signora mal wieder geschafft – zum sechsten Mal in den letzten acht Jahren. Mit 14 Titeln in diesem Wettbewerb ist die Juve auch im italienischen Pokal der Rekordgewinner. Und war der Titelverteidiger. Gegner am Mittwoch im Olympiastadion von Rom, das schon den westdeutschen EM-Sieg 1980 und den WM-Sieg 1990 beherbergte, war der Football Club Internazionale Milano, aktuell noch italienischer Meister. Im Gegensatz zur Juve hatte Inter erstmals seit elf langen Jahren wieder ein Coppa-Finale erreicht und dabei ganz nebenbei in den beiden Halbfinals auch noch den Erzrivalen Associazione Calcio Milan eliminiert.

Schon vor dem Match war klar, dass es auch ein Duell der Trainer werden würde. Massimiliano Allegri gilt mit vier gewonnen Coppas und drei Supercoppas als Pokalspezialist. Sein acht Jahre jüngeres Gegenüber Simone Inzaghi indes war maßgeblich daran beteiligt, dass Internazionale zum dritten Mal hintereinander das Achtelfinale der Champions League erreicht und dort gar das Kunststück fertiggebracht hatte, an der Anfield Road zu gewinnen. (Reichte nicht.) Bereits im Jänner gewannen Inzaghis Nerazzurri die Supercoppa gegen Juventus, für den Trainer der erste Titel beim neuen Arbeitgeber. Zuvor hatte er von der Kalklinie aus bereits eine Coppa und zwei Supercoppas mit der SS Lazio gewonnen.

Auch wenn es fast unglaublich erscheint, dieses Derby d’Italia war erst das dritte eines Coppa-Finales nach 1959 und 1965. Die beiden vergangenen gingen an die Juve. Schaute man genauer auf die Ersatzbänke, wünschte man den Allegri-Elfen jedenfalls keine Verlängerung. Doch zu der sollte es kommen.

Schon nach sechs Minuten ging Internazionale in Führung. Nicolò Barella tanzte auf der linken Seite einen Verteidiger aus, konnte sich seelenruhig den Ball vorlegen, versenkte einen unhaltbaren Weitschuss im Kasten von Mattia Perin und sagte damit, dass das 4-4-2 System der Bianconera unnütz ist.

Nach dem Wechsel drehte die Juve plötzlich auf. Konfusion im Sechzehner von Inter, der brasilianische Außenverteidiger Alex Sandro setzte vom Strafraum einen Linksknaller an, Álvaro Morata fälschte noch ab, 1:1. Doch kaum war der Torjubel verklungen, klingelte es erneut. Todeskonter der Bianconeros, Federico Bernardeschi legte dem Serben Dusan Vlahovic auf, der setzte einen Fastverteidiger auf den Hosenboden, schoss erst Tormann Samir Handanovic ins Gesicht und anschließend ins leere Tor zum 2:1. Bis dahin hatte die Juve gar nichts gezeigt, genau genommen gar nichts minus fünf.

Es dauerte dann fast eine halbe Stunde, bis Argentiniens Nationalmittelstürmer Lautaro Martínez im Sanktionsraum gefällt wurde und der VAR auf Penal entschied, den der Ex-HSV-Mann Hakan Calhanoglu abgezockt in den Winkel zum Ausgleich verwandelte – Verlängerung.

In Minute 99, mittlerweile kickten die chilenischen Altlasten Alexis Sánchez und Arturo Vidal für Inter, entschied der VAR erneut: Matthijs »Matjes« de Light hatte seinen Landsmann Stefan de Vrij zu Fall gebracht, wieder Penal. Vizeweltmeister und Champions-League-Gewinner (mit den Bayern) Ivan Perišić drosch das Runde ins Ultraeckige zum 2:3 für die Inzaghi-Jünger. Das machte dem Kroaten soviel Spaß, dass er kurz danach links am Strafraum einen Ball mit dem rechten Fuß stoppte und mit dem linken ins rechte Dreieck drosch. Traumtor, 2:4, die Allegri-Truppe vernichtend geschlagen.

Für Internazionale ist es die achte Coppa Italia und das erste Mal überhaupt, dass in drei Pflichtspielen hintereinander die Vecchia Signora besiegt wurde. (Wäre das Match vom Punkt entschieden worden, hätte es als Remis gezählt.) Zum ersten Mal seit 1997 fielen zwei Treffer in der Verlängerung.

In der Meisterschaft muss Inter am Sonntag auf Schützenhilfe von Atalanta Bergamasca Calcio setzen, um noch Chancen auf die Titelverteidigung zu haben. Für Juventus ist es bereits jetzt und erstmals seit Äonen ein komplett titelfreies Jahr. Herzlichen Glückwunsch nach Turin.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Berlin (13. Mai 2022 um 14:10 Uhr)
    Ob es wohl möglich ist, über Fußball in einer allgemein verständlichen Sprache zu berichten? So kompliziert ist das Spiel doch gar nicht.

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