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Aus: Ausgabe vom 13.05.2022, Seite 10 / Feuilleton
Family affairs

Der gerechte Vater

Von Marc Hieronimus
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Da sagte die jüngste, die auch die ärmste war: Ich habe das Geld am bittersten nötig

Ein Vater hatte drei Töchter. Als er fühlte, dass es mit ihm zu Ende ging, sagte er zu ihnen: Seht, hier sind 30 Eurolinge. Ich brauche sie nicht mehr, denn ich werde bald sterben. Nehmt sie und teilt sie gerecht unter euch auf. Da sagte die Jüngste, die auch die Ärmste war: Ich habe das Geld am bittersten nötig, da ist es nur gerecht, wenn ich am meisten bekomme. Da sprach die zweite, die auch die Sanfteste war: Aber nein, jede soll das gleiche bekommen, nur so ist es gerecht. Die Älteste und Reichste aber rief: Ganz ausgeschlossen! Unser Vater will uns eine Freude machen und fordert Gerechtigkeit. Wie ungerecht wäre es, wenn jede das gleiche bekäme! Die Kleine freut sich doch viel mehr über zehn Eurolinge als ich! Nein, wenn es gerecht sein soll, muss ich das meiste bekommen! Da nahm der Vater das Geld und brachte es den armen Frauen unter der roten Laterne, die ihm dafür zum Dank das süßeste Ende bereiteten. Die Töchter aber fanden endlich Frieden untereinander und hassten ihren Alten mehr als alles auf der Welt.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Michael M. aus Reichsmustopp (13. Mai 2022 um 09:42 Uhr)
    Vielen, herzlichen Dank für diese ebenso erbauliche wie lehrreiche Geschichte.

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