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Aus: Ausgabe vom 12.05.2022, Seite 10 / Feuilleton
Documenta

Falsche Frage

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Nur Lust auf Diskussionen, die etwas bringen: Mitglieder des Documenta-Kuratorenkollektivs Ruangrupa (2020)

Nach der Aussetzung einer Gesprächsreihe der Documenta über Kunstfreiheit, Antisemitismus und Rassismus haben sich die Macher geäußert. In einem offenen Brief, der in der Berliner Zeitung (Mittwoch) veröffentlicht wurde, betonen das indonesische Kuratorenkollektiv Ruangrupa, das künstlerische Team der Documenta fifteen und einige der Kuratorinnen und Kuratoren der gescheiterten Gesprächsreihe: »Im Rahmen der Documenta fifteen wurden zu keinem Zeitpunkt antisemitische Äußerungen gemacht«. Weiter heißt es: »Wir treten diesen Anschuldigungen entschieden entgegen und kritisieren den Versuch, Künstlerinnen und Künstler zu delegitimieren und sie auf Basis ihrer Herkunft und ihrer vermuteten politischen Einstellungen präventiv zu zensieren«. Hintergrund sind die Vorwürfe eines Bündnisses, bei der 15. Ausgabe der Ausstellung seien auch Organisationen eingebunden, die den kulturellen Boykott Israels unterstützten oder antisemitisch seien.

Die Absage der geplanten Gesprächsreihe sei nötig gewesen, da eine produktive Diskussion angesichts der Vorverurteilungen unmöglich sei. Teilnehmer hätten abgesagt oder ihre Absage erwogen. Die Veranstaltungen seien »der ehrbare, jedoch vergebliche Versuch, eine richtige Antwort auf eine falsche Frage zu formulieren«. »Das vorläufige Scheitern des Forums ist somit auch ein Scheitern des deutschen Diskurses zu Antisemitismus und Rassismus«. (dpa/jW)

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  • Leserbrief von Ulrich Restat (13. Mai 2022 um 12:06 Uhr)
    Real existierender Antisemitismus ist unerträglich. Unerträglich sind allerdings auch die Vorwürfe des Zentralrats der Juden gegenüber der Leitung der Documenta fifteen, sie würde sich nicht genügend von der angeblich antisemitischen BDS-Kampagne der Palästinenser in Israel und dem besetzten Westjordanland absetzen. Mit der Diffamierung dieser Boykottbewegung spricht Josef Schuster den Palästinensern selbst das Recht auf gewaltfreien Widerstand ab. Klaglos sollen sie Siedlungsbau, Unterdrückung und Vertreibung über sich ergehen lassen. Durch seinen bedingungslosen Schulterschluss mit Israel, durch sein permanentes Auftreten als oberster Zensor der Republik bewirkt der Zentralrat der Juden das Gegenteil von dem, was er anstrebt: Er fördert Antisemitismus! Wäre Nathan, der berühmte Jude aus Lessings Schauspiel »Nathan der Weise«, heute Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, würde er darauf dringen, den Satz von der Staatsräson folgendermaßen zu ergänzen: »Die Sicherheit Israels und die Menschenrechte der Palästinenser sind deutsche Staatsräson.«

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