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Aus: Ausgabe vom 11.05.2022, Seite 1 / Titel
Krieg beginnt hier

Rheinmetall auf Kriegskurs

Größter Waffenproduzent der BRD begrüßt in Hauptversammlung wachsende Rüstungsausgaben. Proteste bei Aktionstag
Von David Maiwald
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Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine ist die Aktie der Rüstungsschmiede in die Höhe geschossen (Protestaktion vor der Rheinmetall-Zentrale in Düsseldorf am 10.5.2022)

Das Geschäft mit dem Tod hat Konjunktur. Was für die einen Vertreibung, Elend und Massensterben bedeutet, heißt für die anderen Aktiengewinne, volle Auftragsbücher und Profitmaximierung. Goldene Zeiten. In Deutschland wird wieder nach Krieg geschrien, also auch nach Kriegsgerät. Die von Ampelregierung und Union beschlossenen direkten Waffenlieferungen an die Ukraine und das von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) angekündigte Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr ließen so auch die Aktionäre der Rüstungsschmiede Rheinmetall auf der Konzernhauptversammlung am Dienstag zuversichtlich auf den Jahresverlauf blicken.

Aus den zwei Milliarden Euro, die dem größten Waffenproduzenten der Bundesrepublik bisher im Durchschnitt Jahr für Jahr aus dem Bundeshaushalt zuflossen, dürften in nächster Zeit mindestens vier Milliarden werden, freute sich Konzernchef Armin Papperger auf der digital abgehaltenen Versammlung. Zu Beginn des Krieges in der Ukraine hatte die rheinische Rüstungsschmiede der Bundesregierung bereits ein Angebot in Höhe von 42 Milliarden Euro unterbreitet. Der Börsenkurs war gleichzeitig steil nach oben geschossen, der Aktienwert hatte sich mehr als verdoppelt. Rheinmetall rechnet für das laufende Jahr mit einem Umsatzwachstum von bis zu 20 Prozent. Laut Einladung zur Hauptversammlung dürfen sich die Aktionäre über die Ausschüttung einer Dividende von rund 143 Millionen Euro freuen.

Bei einem Umsatz von 3,1 Milliarden Euro allein im ersten Quartal stieg der Nettogewinn des Rüstungskonzerns im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um drei Millionen Euro auf insgesamt 61 Millionen Euro. Für Waffenlieferungen ins Kriegsgebiet bekam Rheinmetall vom Bund bereits grünes Licht und kann nun bare Münze aus alten Beständen von »Marder«-Schützenpanzern und »Leopard 1«-Kampfpanzern machen. Von 100 mittelfristig lieferbaren »Mardern« seien die ersten »in drei Wochen fertig«, freute sich Papperger im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung vom Dienstag. Der Kiewer Regierung hatte der Kriegsprofiteur bereits 88 ausgemusterte »Leopard«-Panzer inklusive Ersatzteilen, Munition und Ausbildung angeboten.

Dagegen regt sich Protest. Vor der Konzernzentrale in Düsseldorf demonstrierten am Dienstag Akteure der Friedensbewegung mit einer Kundgebung unter dem Motto »Rheinmetall entrüsten« gegen die Hauptversammlung. »Wir sind gegen die Bewaffnung und Befeuerung dieses Krieges durch Rheinmetall«, sagte Martin Singe vom Netzwerk Friedenskooperative am Dienstag im Gespräch mit junge Welt. Das Bündnis »Rheinmetall entwaffnen« protestierte in Berlin mit rund 40 Personen vor dem Sitz des Bundesverbands der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV). Der Verband, dem Rheinmetallchef Pappberger vorsteht, sitze »in der Nähe zu Parlament und Ministerien, um seinen Lobbyismus zu betreiben«, sagte Aktivistin Conni Lenert am Rande der Kundgebung zu jW. Auch in Bremen und Nürnberg wurde zu Demonstrationen gegen Rheinmetall aufgerufen.

Zuviel ist nicht genug, der Kurs steht auf Krieg. »Wenn man mehr als nur Strohfeuer anzünden will, dann reichen auch die 100 Milliarden nicht«, hatte sich Papperger in der SZ geäußert. Werde die Bundesrepublik das NATO-Ziel von zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes einhalten, könne man die Bundeswehr aber »in den kommenden fünf bis sieben Jahren« in einen Zustand bringen, »den wir brauchen«.

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