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Aus: Ausgabe vom 09.05.2022, Seite 4 / Inland
Angriff auf Pressefreiheit

Gefährlicher Gegenstand

Berlin: Brandsatzfund in Gebäude von russischer Nachrichtenagentur. Botschaft spricht von »Bombe«
Von Bernd Müller
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Flagge der Russischen Föderation auf dem Botschaftsgebäude (Berlin, 4.4.2022)

Am Berliner Gebäude der russischen Nachrichtenagentur Ria Novosti ist am Freitag ein gefährlicher Gegenstand gefunden worden, der sich nach Polizeiangaben als Brandsatz entpuppt hat. Dieser habe jedoch nicht gezündet, teilte eine Sprecherin der Polizei am Samstag der dpa mit. Kriminaltechniker hätten schließlich den Brandsatz vernichtet, so dass niemand verletzt wurde. Von einem Anschlag wollte die Polizei aber vorerst noch nicht sprechen. »In dem Haus sind auch noch Büros von anderen Firmen«, erklärte die Polizeisprecherin. Der Hintergrund sei noch nicht bekannt und es werde ermittelt.

Am Freitag nachmittag hatte die Polizei nach eigenen Angaben eine Konstruktion mit einer Flasche in einem Lichtschacht entdeckt, von der man zuerst nicht sagen konnte, ob sie gefährlich ist. »Ob das gefährlich war oder nicht, oder ob sich da jemand einen üblen Scherz erlaubt hat, das können wir noch nicht sagen«, hatte ein Polizeisprecher verlautbart. Es kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass diese Aktion den russischen Journalisten gegolten hat. Denn in dem Gebäude befinden sich nicht nur die Büros von Ria Novosti, nach eigenen Angaben wohnen in dem Haus auch Korrespondenten der Nachrichtenagentur. Zunächst war die Polizei gerufen worden, weil jemand eine Flasche auf das Gebäude geworfen haben soll. Dabei wurde laut Ria Novosti auch eine Scheibe eingeschlagen. Als die Polizei dann das Gelände absuchte, wurde der Gegenstand im Lichtschacht gefunden. Die russische Nachrichtenagentur beschrieb ihn selbst als einen mit Drähten umwickelten Kanister.

Die russische Botschaft in Berlin sprach am Freitag von einer »Bombe«. Und das russische Außenministerium forderte, Behörden in Deutschland und anderen Staaten der EU und der NATO müssten russische Journalisten schützen. Diese würden in westlichen Ländern drangsaliert. Es könne nicht ausgeschlossen werden, heißt es in der Erklärung der russischen Botschaft, »dass dieser eklatante Vorfall einen direkten Zusammenhang mit der in Deutschland ausgelösten Hetze gegen sämtliche russische staatliche Medien haben könnte«. Russische Journalisten würden nach wie vor Drohungen erhalten. Und in den sozialen Netzwerken seien die Daten und Fotos vom Wohnort der Journalisten und ihrer Familien aufgetaucht und diese seien auch »in den führenden deutschen Medien veröffentlicht« worden.

Am Samstag rief die Berliner Polizei indes die Nutzer von sozialen Medien auf, sich nicht an Spekulationen zu beteiligen. Man verwies darauf, dass der Staatsschutz ermitteln würde, umfangreiche Spuren und Beweismaterial auswerte und Zeugen vernehme. »Vorverurteilungen leisten jetzt nur einem Konflikt, Ausgrenzung und Hass Vorschub«, so die Polizei.

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