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Aus: Ausgabe vom 05.05.2022, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Nahrungsmittelkrise

Knapp 200 Millionen Hungernde

Bericht: Zahl der akut Unterernährten 2021 weltweit um 40 Millionen gestiegen. Verschlechterung droht
Von Bernd Müller
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Auch in Kenia herrscht Dürre. Laut Oxfam stehen hier elf Prozent der für humanitäre Hilfe benötigten Mittel zur Verfügung (Maisfeld im Dorf Kilifi Ende März)

Das vollmundig erklärte Ziel der Weltgemeinschaft, den Hunger zu überwinden, ist wieder etwas weiter in die Ferne gerückt, wie ein aktueller Bericht des »Netzwerks gegen Nahrungsmittelkrisen« zeigt. Demnach ist die Zahl hungernder Menschen im vergangenen Jahr um rund 40 Millionen auf etwa 193 Millionen angestiegen. Die Entwicklung entspreche dem Trend der Vorjahre, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht.

Als wesentliche Ursache nennt der Bericht gewaltsam ausgetragene Konflikte. 2020 hätten rund 65 Prozent der von Hunger bedrohten Menschen in Ländern gelebt, in denen es gewaltsame Konflikte gab. Und einiges deute darauf hin, »dass das Ausmaß der Konflikte und der Gewalt gegen die Zivilbevölkerung im Jahr 2021 weiter zunahm«.

Weitere Gründe seien die Coronapandemie und mit ihr einhergehende wirtschaftliche Verwerfungen. Hohe Lebensmittelpreise träfen auf eine geringe Kaufkraft privater Haushalte. In manchen Ländern und Regionen zählten Wetterextreme zu den zentralen Faktoren, etwa starke Regenfälle, tropische Stürme, Wirbelstürme, Überschwemmungen, Dürren und Klimaschwankungen.

Ein verheerendes Zusammenspiel einzelner Faktoren konnte zuletzt in Somalia beobachtet werden, wo geringe Niederschläge, schnell steigende Lebensmittelpreise und der Ausfall von Krediten zu einer Hungerkrise führten. Das Land stehe »an der Schwelle einer humanitären Katastrophe«, erklärte El-Khidir Daloum vom Welternährungsprogramm (WFP) im April gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Sechs Millionen Somalier, also rund 40 Prozent der Bevölkerung, hätten extreme Schwierigkeiten, sich mit Lebensmitteln zu versorgen. Bis Ende des Jahres könnten in dem Land rund 1,4 Millionen Kinder unter akuter Unterernährung leiden. Woanders ist das Elend noch größer.

In dem Bericht sind Betroffene je nach Schwere der Ernährungsprobleme in verschiedene Kategorien unterteilt. In der Kategorie »Katastrophe« ist die Zahl derer aufgeführt, die direkt vom Hungertod bedroht sind. Insgesamt sind das rund 570.000 Menschen vor allem in Äthiopien, Jemen und Südsudan. Als »Notfälle«, die zweite Kategorie, gelten in dem Bericht rund 39,2 Millionen Menschen. Sie litten unter extremer Unterernährung und wiesen eine erhöhte Sterblichkeit auf. Mehrheitlich waren sie in der Demokratischen Republik Kongo, Afghanistan, Äthiopien, im Jemen und im Südsudan beheimatet. Etwa 133 Millionen Menschen fielen in die Kategorie »Krise«. Auch sie hatten nicht genug zu essen und waren akut unterernährt. Sie wurden ebenfalls zum größten Teil in den bereits angeführten Ländern gezählt. Die Zustände könnten sich in diesem Jahr noch deutlich verschlimmern. Zahlreiche bereits vom Hunger geplagte Länder Afrikas sind auf Lieferungen von Getreide aus Russland und der Ukraine angewiesen, die deutlich geringer ausfallen könnten als in den Jahren zuvor.

Die Vereinten Nationen fordern von den Industriestaaten mehr finanzielle Unterstützung. Es fehlt am politischen Willen, den Hunger zu bekämpfen. Das hatte Anja Osterhaus, Programmleiterin bei Oxfam Deutschland, zuletzt im März verdeutlicht. Sie hatte auf jW-Anfrage damals mitgeteilt, »dass nur drei Prozent der insgesamt sechs Milliarden US-Dollar, die für humanitäre Hilfe in Äthiopien, Somalia und dem Südsudan aufgebracht werden müssen, bisher zur Verfügung stehen«.

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