Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Gegründet 1947 Sa. / So., 2. / 3. Juli 2022, Nr. 151
Die junge Welt wird von 2640 GenossInnen herausgegeben
Jetzt drei Wochen gratis lesen. Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Aus: Ausgabe vom 04.05.2022, Seite 6 / Ausland
Krieg in der Ukraine

Auftauchen aus dem Schatten

Westliche Medien beenden Diskretion über Anteil von Kämpfern aus NATO-Ländern an Krieg in Ukraine
Von Reinhard Lauterbach
2022-03-07T1252RTRMADP_3_UKRAINE-CRISIS-FOREIGN-FIGHTERS.JPG
Mehr Klartext: Kämpfer aus Großbritannien am Hauptbahnhof in Lwiw (5.3.2022)

Am Anfang war das Gebot der »Bestreitbarkeit«. Diese Eigenschaft (englisch: deniability) sollten die faktischen Aktivitäten von Militärs und Freiwilligen aus NATO-Ländern auf ukrainischer Seite in den ersten Wochen des Krieges vor allem haben. Demgemäß schwieg das offizielle London, als im April das russische Zentrale Ermittlungskomitee über die angebliche Präsenz von Soldaten der Spezialeinheit SAS in der Ukraine berichtete. Schon vorher hatten offizielle Sprecher so getan, als hätten sie nichts gehört, als Kiew kurz nach Kriegsbeginn öffentlich um Kandidaten für eine »Internationale Legion« aus ausländischen Freiwilligen warb. Aktivitäten ukrainischer Botschaften im Ausland, Auswahlverfahren für Bewerber durchzuführen, wurden – auch in Berlin – stillschweigend geduldet, obwohl nach dem deutschen Strafgesetzbuch der Dienst in ausländischen Streitkräften ebenso strafbar ist wie die Werbung hierfür. Sogar die Tageszeitung FAZ, die dies im März nachzeichnete, wunderte sich etwas.

Inzwischen wird zumindest in US-Medien etwas mehr Klartext geredet. Als vergangene Woche der Tod eines Veteranen der US-Marineinfanterie in der Ukraine bekannt wurde, sendete CNN ein Interview mit seiner Mutter, und die Nachrichtenagentur AP brachte einen längeren Text über eine Gruppe namens »Taskforce Yankee«, die in der Ukraine tätig sei.

Dabei ist die Selbstdarstellung dieser »Taskforce Yankee« nach wie vor die, dass sie ursprünglich aus dem Reflex, »Angegriffenen zu helfen« und »gegen Ungerechtigkeit zu kämpfen«, heraus entstanden sei. Im konkreten Fall soll die Gruppe am Tag nach dem Einmarsch der russischen Truppen von Harrison Jozefowicz gegründet worden sein, einem Veteranen der US-Fallschirmtruppen mit Kampferfahrung in Afghanistan und vor dem Krieg Polizist in Chicago. Er hat in Interviews erklärt, seine Gruppe habe inzwischen etwa 200 Leute in der Ukraine im Einsatz, davon 40 in »direkten Kampfmissionen«. Das Portal Business Insider berichtete Anfang April, dass sich international 20.000 Freiwillige für die ukrainische Fremdenlegion gemeldet haben sollen, darunter rund 3.000 US-Bürger.

Jozefowicz und andere Leute wie er dienen dabei offenkundig als Vermitller zwischen der Masse mehr oder minder naiver »Hilfswilliger« und den Rekrutierungsstellen der ukrainischen Armee. Denn wie Jozefowicz gegenüber Business Insider einräumte, besteht sein Job im wesentlichen darin, aus der breiten Masse der Bewerber diejenigen zu identifizieren, die den ukrainischen Streitkräften einen realen Zuwachs an Kampfkraft verschaffen könnten. Dass es unter den internationalen Freiwilligen einen nicht unerheblichen Teil von Ego-Shootern, Sadisten und Kriminellen gibt, geht aus dem Bericht eines anderen US-Bürgers hervor, der unter dem Eindruck von Kriegsverbrechen von seiten der internationalen Freiwilligen seinen Dienst in der »internationalen Legion« im März rasch wieder quittierte. Demnach hätten nicht wenige seiner »Kameraden« ständig unter Drogen gestanden, sie hätten Wohnungen in »befreiten« Orten geplündert und Einwohner gequält. Da laut Berichten von US-Journalisten, auf die Business Insider zurückgegriffen hat, die Rückeroberung der Stadt Irpin bei Kiew wesentlich das Werk einer Einheit dieser Fremdenlegion gewesen sein soll, stellt sich auch die Frage nach der Urheberschaft an den Toten, die auf den Straßen gefunden wurden, womöglich nicht ganz so eindeutig, wie es Kiew gern hätte.

Prorussische Medien berichten schon seit Jahren immer wieder über westliche Ausländer, die im Donbass gefallen oder gefangengenommen worden seien. Am bekanntesten wurde das Video eines Briten, der vor einigen Wochen über einen russischen Telegram-Kanal seine Gefangennahme in Mariupol mitteilte und Premier Boris Johnson bat, ihn auszutauschen. Russland beziffert die Zahl dieser ausländischen Kämpfer offiziell auf rund 7.000. Etwas gelitten hat der Enthusiasmus der Freiwilligen offenbar durch das russische Bombardement ihres Trainingsgeländes im westukrainischen Jaworiw Mitte März, bei dem neben 35 ukrainischen Ausbildern auch viele von ihnen ums Leben gekommen sein sollen. Wie russische Militärexperten anmerken, liegt der Wert dieser internationalen Freiwilligen für die Ukraine insbesondere in ihrer Kenntnis der westlichen Waffensysteme. Sie könnten die Einweisung ihrer einheimischen »Kameraden« beschleunigen.

Drei Wochen kostenlos lesen

Die Tageszeitung junge Welt stört die Herrschenden bei der Verbreitung ihrer Propaganda. Sie bezieht eine aufklärerische Position ohne Besserwisserei und wirkt durch Argumente, Qualität, Unterhaltsamkeit und Biss.

Überprüfen Sie es jetzt und testen die junge Welt drei Wochen lang (im europäischen Ausland zwei Wochen) kostenlos. Danach ist Schluss, das Probeabo endet automatisch.

  • Leserbrief von Riggi Schwarz aus Büchenbach ( 9. Mai 2022 um 11:45 Uhr)
    Was die GroKo ihren Staatsbürgern zugemutet hat, das war schon stark grenzwertig, dieses Versagen, das Versuchen gerade die »Unprofis der Ampel« noch zu toppen. Deutschlands Bürger müssen sich laut Robert Habeck & Co., dem gefühlt-heimlichen Kanzler der Nation, auf noch mehr drastische Einschränkungen in allen Lebensbereichen einstellen. Die Wunschliste der Ukrainischen Regierung wird täglich länger und länger, aber »Grüne und Co.« tun alles dafür, um Herrn Selenskyj nicht zu enttäuschen! Der Sänger Michael Holm singt in seinem Lied von 1964: »Alles Wünsche kann man nicht erfüllen und nicht alle Träume werden wahr.« (Text: M.Holm) Das war damals im Jahr 1964, wenn es jetzt um die Ukraine geht, dann werden viele Wünsche bereits vor der Wunschäußerung erfüllt!

Ähnliche:

  • Aktueller denn je: Protest gegen die NATO-Kriegstreiberei am Ran...
    18.02.2022

    »Mehrheit der Medien heizt den Konflikt an«

    Westliche Kriegshysterie: Situation in der Ukraine auch Thema auf der Münchner »Sicherheitskonferenz« am Wochenende. Ein Gespräch mit Claus Schreer
  • Mit Präsent: US-Verteidigungsminister Lloyd Austin (l.) mit sein...
    02.02.2022

    Auf dem Weg nach Washington

    Slowakei: Regierung will Militärabkommen mit USA unterzeichnen. Opposition hält an Plan für Volksabstimmung fest
Startseite Probeabo