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Aus: Ausgabe vom 03.05.2022, Seite 6 / Ausland
Moskaus Chefdiplomat

Empörende Äußerung

Russischer Außenminister verbreitet Legende
Von Knut Mellenthin
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Sergej Lawrow hat mit seinen Äußerungen für einen Eklat gesorgt (Moskau, 27.4.2022)

Die Beziehungen zwischen Israel und Russland, die noch vor wenigen Monaten ganz gut waren, scheinen durch einen Eklat auf einem Tiefpunkt angelangt. Ausgelöst hat ihn der russische Außenminister Sergej Lawrow am Montag in einem Gespräch mit der größten italienischen TV-Gesellschaft Mediaset, die zum Imperium des rechten Politikers und ehemaligen Premiers Silvio Berlusconi gehört.

Das russische Außenministerium verbreitete kurz darauf ein englisches Transkript des Interviews. Lawrow hatte sich im Gespräch darauf bezogen, dass der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij Kritik am Einfluss neonazistischer Kräfte in seinem Land mit der Feststellung zu kontern pflegt, er selbst sei ja jüdischen Glaubens. Dem Transkript zufolge kommentierte der 72jährige russische Spitzendiplomat, der seit 2004 im Amt ist, dieses Argument mit den Worten: »Ich mag mich irren, aber Adolf Hitler hatte ebenfalls jüdisches Blut. Die weisen jüdischen Leute sagen, dass die glühendsten Antisemiten meist Juden sind.«

In Israel riefen diese geschmacklosen Äußerungen einen Proteststurm hervor. Premierminister Naftali Bennet, der es zu Beginn des Kriegs in der Ukraine vermieden hatte, Russland als Angreifer zu verurteilen, sagte am Sonntag: »Das Ziel solcher Lügen besteht darin, die Juden selbst für die schrecklichsten Verbrechen der Geschichte verantwortlich zu machen, die gegen sie begangen wurden, und ihre Unterdrücker von Schuld freizusprechen.« Außenminister Jair Lapid sprach von einem »unverzeihlichen, skandalösen Kommentar« und einem »schrecklichen geschichtlichen Fehler«, für den es eine Entschuldigung geben müsse.

Die Legende, Vorfahren Hitlers seien Juden gewesen, entstand schon zu seinen Lebzeiten. Sie wird seit Jahrzehnten von Neonazis verbreitet.

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  • Leserbrief von Ullrich-Kurt Pfannschmidt ( 3. Mai 2022 um 07:30 Uhr)
    Diese in der Tat empörende Äußerung Lawrows ist nicht die einzige von Lawrow und seinem Chef Putin. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie ohne Beweise auskommen, weil es sie nicht gibt. Die Italiener, an die es primär gerichtet war, werden sich kopfschüttelnd abwenden – fertig. Schlimm ist nur, dass die russische Führung dem eigenen Volk dergleichen zumutet, ohne Widerspruch zuzulassen. Anderes Beispiel in dieser Richtung: Russlands geäußerte Absicht, die Ukraine von den Nazis zu befreien. Nachdem der Krieg schon seit Wochen dauert, ist es immer noch nicht gelungen, auch nur einen einzigen (ukrainischen) Nazi dingfest zu machen und vor Gericht zu stellen!
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Berlin ( 3. Mai 2022 um 15:23 Uhr)
      Dass »kein einziger Nazi dingfest gemacht worden« sei ist, gelinde gesagt, nicht ganz die Wahrheit. Bilder von ihnen kursieren ausreichend im Netz. Man muss sich nur ein Bild von der Wahrheit machen wollen. Auch wenn es ein wenig dauert. Und schmerzt.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Josie M. aus 38448 Wolfsburg ( 3. Mai 2022 um 11:26 Uhr)
      Selbstverständlich informiert die russische Seite im eigenen Interesse, wie es auch der Westen tut. Und nicht alle Ukrainer sind Nazis. Aber warum ist es nicht »gelungen, einen einzigen Nazi dingfest zu machen«? – Weil es wohlweislich im Interesse des Westens verhindert wird. Warum kamen und kommen bspw. die Massaker am 2. Mai 2014 bis heute in den Qualitätsmedien nicht vor, geschweige denn, dass deren Ausführende zur Rechenschaft gezogen wurden?

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