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Aus: Ausgabe vom 02.05.2022, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Biowaffen

Zu jW vom 28.4.: »Erfolg für Kriegstreiber«

(…) Der ukrainische ABC-Schutz habe von der Agentur des US-Militärs für die Reduzierung von Verteidigungsbedrohungen (Defense Threat Reduction Agency, DTRA) vier mobile Laboratorien erhalten, um den etwaigen Ausbruch von Seuchen frühzeitig feststellen zu können. (…) Zahlreiche Labore in der Ukraine seien auf den Biosafety-Level zwei gebracht worden. Vier Gefahrenstufen gibt es im Bereich der Forschung mit Erregern, die nicht automatisch Biowaffen sind, aber als solche zweckentfremdet werden können. Das öffentliche Dementi widerspricht insofern der eigenen Besorgnis der US-Botschaft in der Ukraine. Die Dementis, es gebe »so etwas« nicht in der Ukraine, sind mithin selbst Quatsch und entsprechen eher der oft eingesetzten Praxis, korinthenkackerisch Tatsachen zu widersprechen, indem man Wortklauberei einsetzt – frei nach dem Motto: Wir nannten es nicht Napalm, wir nannten es Napulm. Die USA erklärten, sie wollten helfen, das Kongo-Fieber auf der Krim zu bekämpfen sowie das Hantavirus. Den ukrainischen Agrarwissenschaftlern und der Tierversuchsanstalt in Dnipropetrowsk sicherte die DTRA Unterstützung zu. Für 1.810.547 US-Dollar sollte Black & Veatch Special Projects Corp. ein Labor bauen, das es zuvor nicht gab. Statt also die Bedrohung zu reduzieren, wie der Name sagt, wurde erst etwas erschaffen, das vorher nicht existent war. (…) Die Weltgesundheitsorganisation habe der Ukraine geraten, die hochgefährlichen Erreger zu vernichten, die sich in den »öffentlichen Gesundheitslaboren« des Landes befänden. Dies teilt die Nachrichtenagentur Reuters mit. Der Einmarsch Russlands habe die Gefahr erhöht, dass solche gefährlichen Krankheitserreger freigesetzt würden. Aber es habe nie Biowaffenlabore in der Ukraine gegeben, beteuern unisono die Vereinten Nationen, das Weiße Haus, das Pentagon und das US-Außenministerium.

Susanne Härpfer, Hamburg

Botanik und Lyrik

Zu jW vom 28.4.: »Schöne Geschichte«

Die Umbenennung des Parks ist eine angemessene Ehrung für die Dichterin Gertrud Kolmar, hat sie doch unter dem Titel »Bild der Rose. Ein Beet Sonette« Gedichte über 17 Rosenarten verfasst. Man könnte diese in dem Park pflanzen. Kolmar gehört mit Else Lasker-Schüler, Elisabeth Langgässer und Nelly Sachs zu den deutsch-jüdischen Dichterinnen und Schriftstellerinnen der 1930er Jahre. (…) Die nachgelassenen Gedichte von 1933/34 – »Im Lager«, »Die Gefangenen«, »Der Misshandelte«, »An die Gefangenen« und »Anno Domini 1933« – sind die ersten lyrischen Reaktionen in der zeitgenössischen Literatur auf den faschistischen Terror. (…)

Arndt Müller, Frankfurt am Main

Waffen nieder

Zu jW vom 25.4.: »Arbeiter gegen ­Kriegstreiber«

Wie interessant, dass italienische Arbeiter inzwischen hellsichtig formulieren: »Waffen nieder, Löhne rauf!« Während in Deutschland heftig und fast ohne Gegenwehr propagiert werden kann, dass man ohne Wohlstand durchaus gut auskommen könne, aber nicht ohne Waffen.

Joachim Seider, Berlin

Renegatentum

Zu jW vom 22.4.: »Mit der Brechstange ­abgerutscht«

In der 51. Ausgabe der Clara, der Zeitung der Fraktion Die Linke, legt die Partei ihr Renegatentum offen. Abgeordnete werden nach ihren Zielen gefragt. Abgesehen von Sevim Dagdelen spricht niemand die Abschaffung des Kapitalismus als wichtigstes Ziel an. Gregor Gysi findet deutliche Worte: »Putins imperiales Denken ist eine Katastrophe.« Kein Wort darüber, dass Russland mehrfach darauf hinwies, dass sich die NATO entgegen ihrer Zusage nach Osten ausdehnte, wodurch sich Russland bedroht fühlte, (…) und Russland immer wieder forderte, dass die Minsker Abkommen (und damit Erklärung 2202 des UN-Sicherheitsrates) umgesetzt werden und Frankreich, die BRD und die OSZE Selenskij dazu zwingen müssen. Nichts geschah, so dass Oleksij Danilow, der oberste Sicherheitsbeamte der Ukraine, erklärte, die Abkommen seien nicht umsetzbar. Weiter sagt Gysi, Putin wolle die Nachkriegsordnung mit militärischer Stärke verändern. Genau das aber tat die NATO in Exjugoslawien und bei ihrer Osterweiterung. Er fordert neue Initiativen zur Rüstungskontrolle, ohne zu sagen, dass es die USA waren, die die vorhandenen Verträge (ABM-, INF-Vertrag und »Open Skies«-Vertrag) aufkündigten. Er kritisiert die Sanktionen gegen Russland nur, weil er befürchtet, dass durch ein Zusammengehen Russlands und Chinas ein neuer Machtblock entsteht. Den aktuellen Block unter Führung der USA findet er gut. Kein Wort von Auflösung der NATO. Kein Wort darüber, dass keine Sanktionen gegen die USA, Frankreich und Großbritannien wegen der Kriege in Vietnam, Irak, Libyen oder Afghanistan verhängt wurden. (…)

Wolfgang Reinhardt, Nordhausen

Linke gegen Krieg

Zu jW vom 25.4.: »Aus dem Sack«

Der Beitrag von Erhard Crome vom 22. ­April und Reinhard Lauterbachs »Aus dem Sack« heben sich wohltuend von anderen Artikeln zum Ukraine-Krieg in (unserer) Zeitung ab. Direkte oder indirekte Zustimmungen zum Krieg schaden linken Positionen. Das soll nicht heißen, dass die NATO-Osterweiterung, die Brüskierung Russlands, die völkerrechtswidrigen Kriege des Westens unter Führung der USA seit Gründung der UNO als relevante Ursache oder zumindest Bedingung für den aktuellen Krieg keine Rolle mehr spielen würden und nicht mehr im Kontext Erwähnung finden sollten. Dennoch: Es scheint einigen offensichtlich sehr schwerzufallen, sich einzugestehen, dass Russland ein imperialistisches Land ist und nicht mehr die alte Sowjetunion. Aber diese für einige wohl schmerzhafte Erkenntnis ist unabdingbare Voraussetzung für eine marxistisch-leninistische Position zum aktuellen Krieg.

Hans-Jürgen Joseph, Berlin

In Deutschland kann heftig und fast ohne Gegenwehr propagiert werden, dass man ohne Wohlstand durchaus gut auskommen könne, aber nicht ohne Waffen.

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  • Leserbrief von Thomas Seidel aus Chemnitz ( 3. Mai 2022 um 21:42 Uhr)
    Danke, Hans-Jürgen Joseph, für Ihren Brief. Hurrapatriotismus und Parteinahme für ein imperiales Russland ist keine linke Tugend. Putin hätte allen Grund, die »Banderas« im eigenen Land zu jagen, stattdessen ließ er sich bei der Grablegung Schirinowskis sehen. Von der Nutzung der Dienste der berüchtigten Söldnergruppe Wagner mal ganz zu schweigen. Links sein kann man nur internationalistisch oder gar nicht. Das sollten sich auch die Vaterlandsverteidiger der kommunistischen Partei um Sjuganow hinter die Ohren schreiben. Darum, Oligarchen aller Länder, auch deren deutscher Herkunft: Die Waffen nieder!
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Holger L. ( 3. Mai 2022 um 15:00 Uhr)
    Noch eine zweite Anregung zu Hintergrundinformationen: Die ganze Streiterei um »Nazismus« ist schwer nachzuvollziehen. Da wird immer wieder das berühmte »Asow«-(Bataillon? Regiment? Brigade?) genannt, aber das scheint doch so, als wolle man Deutschland auf die NPD oder die Wehrsportgruppe Hoffmann reduzieren. An der Wahrheit geht das irgendwie vorbei. Wer ist eigentlich ein Nazi? Jemand, der sich ein Hakenkreuz auf den Ärmel näht? Jemand, der sich auf der Straße mit Gegendemonstranten prügelt? Jemand, der Juden beschimpft? Oder sind das alles nur Nebenerscheinungen? Für mich ist ein Nazi jemand, der die unumschränkte Herrschaft anstrebt und dabei so viel Unterdrückung ausübt, dass Andersdenkende um ihr Leben fürchten müssen. Nazismus kann dabei an eine Führerpersönlichkeit gebunden sein, muss er aber nicht, sondern er kann auch aus einer Gruppendynamik heraus wachsen. Das hat sogar den »Vorteil«, dass sich der Einzelne für Auswüchse, die er eigentlich selbst verurteilt, nicht verantwortlich fühlt, sondern nur die Geborgenheit in der Masse sucht. Ein weiteres Merkmal ist, dass er andere (z. B. Nachbarn, Andersgläubige) als minderwertig ansieht und auf sie bei der Durchsetzung seiner eigenen Ziele keine Rücksicht nimmt. Können wir uns etwa darauf einigen? Wer ist dann im gegenwärtigen Krieg als nazistisch einzustufen?
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Holger L. ( 3. Mai 2022 um 14:40 Uhr)
    Es wäre gut, wenn Ihr doch mal die Denkweise der Friedensaktivisten etwas näher erläutern könntet. Bis jetzt kommt nur rüber: Waffenlieferungen verlängern den Krieg und das Leid. Waffenlieferungen sind gefährlich, weil sie Putin provozieren könnten. Waffenlieferungen dienen nur der Rüstungslobby, um weitere Profite zu machen. Wir müssen den Krieg verdammen. Klingt ja alles gut, aber hat jemand mal weitergedacht? Nehmen wir an, die Ukraine bekommt keine Waffen mehr, wird sich der russischen Übermacht früher oder später ergeben, Selenskij tritt aus seinem Bunker und lässt sich Handschellen anlegen. Oder er unterschreibt zumindest ein Dokument, mit dem er die Hälfte seines Landes an Russland abtritt. Wie geht es nun weiter? Wird Russland eine Marionettenregierung installieren, wie in Weißrussland? Und wird die sich irgendwie halten können? (Es ist nicht abzusehen, dass Russland allzu viele Freunde in der gesamten Ukraine hat.) Wird Russland mit dem Ergebnis zufrieden sein oder ist als Nächstes die Republik Moldau dran? Oder vielleicht Finnland, bevor es der NATO beitreten kann? Können wir mit solchen Ergebnissen leben? Ist die Kriegsgefahr dann wirklich gebannt? Wie könnten wir bei einer solchen Sachlage wieder zu guten partnerschaftlichen Beziehungen zu Russland zurückkehren? Oder müssen wir uns fragen, ob unsere instinktive Kriegsgegnerschaft reine Theorie ist und an der Realität scheitert? Könntet Ihr bitte mal einen Interviewpartner finden, der eine friedenspolitische Zukunftsvision hat?
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Holger L. ( 3. Mai 2022 um 04:40 Uhr)
    Es wäre gut, wenn Ihr doch mal die Denkweise der Friedensaktivisten etwas näher erläutern könntet. Bis jetzt kommt nur rüber: Waffenlieferungen verlängern den Krieg und das Leid. Waffenlieferungen sind gefährlich, weil sie Putin provozieren könnten. Waffenlieferungen dienen nur der Rüstungslobby, um weitere Profite zu machen. Wir müssen den Krieg verdammen. Klingt ja alles gut, aber hat jemand mal weitergedacht? Nehmen wir an, die Ukraine bekommt keine Waffen mehr, wird sich der russischen Übermacht früher oder später ergeben, Selenskij tritt aus seinem Bunker und lässt sich Handschellen anlegen. Oder er unterschreibt zumindest ein Dokument, mit dem er die Hälfte seines Landes an Russland abtritt. Wie geht es nun weiter? Wird Russland eine Marionettenregierung installieren, wie in Weißrussland? Und wird die sich irgendwie halten können? (Es ist nicht abzusehen, dass Russland allzu viele Freunde in der gesamten Ukraine hat.) Wird Russland mit dem Ergebnis zufrieden sein oder ist als Nächstes die Republik Moldau dran? Oder vielleicht Finnland, bevor es der NATO beitreten kann? Können wir mit solchen Ergebnissen leben? Ist die Kriegsgefahr dann wirklich gebannt? Wie könnten wir bei einer solchen Sachlage wieder zu guten partnerschaftlichen Beziehungen zu Russland zurückkehren? Oder müssen wir uns fragen, ob unsere instinktive Kriegsgegnerschaft reine Theorie ist und an der Realität scheitert? Könntet Ihr bitte mal einen Interviewpartner finden, der eine friedenspolitische Zukunftsvision hat?

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