Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Gegründet 1947 Montag, 4. Juli 2022, Nr. 152
Die junge Welt wird von 2640 GenossInnen herausgegeben
Jetzt drei Wochen gratis lesen. Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Aus: Ausgabe vom 02.05.2022, Seite 8 / Ansichten

Geschäftsretter des Tages: Lazarett-ICE

Von Reinhard Lauterbach
imago0060592905h.jpg
ICE-Betriebswerk München (9.10.2013)

Ganz stolz meldete die Deutsche Bahn Ende April, über die diesjährigen Osterfeiertage wieder so viele Fahrgäste befördert zu haben wie vor Corona. Doch die Pandemie hat die Bahn gebeutelt: Unter dem Strich fahren deutlich weniger Passagiere als vor 2020. Keine tollen Perspektiven für ein ökonomisches Durchstarten, zumal niemand weiß, ob nicht zum Herbst die nächste Pandemiewelle das Reisen per Bahn nicht nur weiter unangenehm – wegen der Maskenpflicht –, sondern sogar riskant macht.

Da kommt die Bundesregierung der Bahn zu Hilfe. Das Verteidigungsministerium hat angekündigt, Lazarettzüge auf Basis des ICE entwickeln zu wollen. Ausgerechnet der neuesten Version, des bis zu 300 Kilometer pro Stunde schnellen ICE 3. Der Vorteil sei, Verletzte dann auch mit großer Geschwindigkeit verlegen zu können: 300 fährt kein serienmäßiger Krankenwagen, das stimmt. Immer vorausgesetzt, die Stromversorgung wird nicht außer Gefecht gesetzt. Auch dass man solche Züge dann in den vielen Tunnels der Hochgeschwindigkeitsstrecken halbwegs sicher vor feindlichen Bombenangriffen parken könnte, könnte für die Idee sprechen.

Aber so ganz durchdacht scheint das Ganze noch nicht zu sein. Kleiner Hinweis an die Planer: Mit derselben Stromspannung wie in Deutschland fahren die Eisenbahnen nur noch in Österreich und der Schweiz (sowie in Norwegen und Schweden, aber die sind bahntechnisch von der BRD durch das oberleitungsfreie Dänemark getrennt). Die Mehrsystem-ICE, die die Bahn zwischen Frankfurt und Amsterdam bzw. Brüssel verkehren lässt, fallen schon im Frieden häufig aus. In Polen, wo in einem dritten Weltkrieg mit Sicherheit viele Patienten anfallen würden, herrscht eine andere Stromspannung, weiter östlich kommt noch die abweichende Spurweite der Schienenstränge hinzu. Nachsitzen, meine Herren!

Drei Wochen kostenlos lesen

Die Tageszeitung junge Welt stört die Herrschenden bei der Verbreitung ihrer Propaganda. Sie bezieht eine aufklärerische Position ohne Besserwisserei und wirkt durch Argumente, Qualität, Unterhaltsamkeit und Biss.

Überprüfen Sie es jetzt und testen die junge Welt drei Wochen lang (im europäischen Ausland zwei Wochen) kostenlos. Danach ist Schluss, das Probeabo endet automatisch.

  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Hans-Jörg R. aus Leipzig ( 2. Mai 2022 um 10:18 Uhr)
    Hallo Reinhard Lauterbach, auch im Kleinen bitte richtig recherchieren. Dänemark ist schon seit den 1980er Jahren mit Oberleitungen für 25 kV Gleichstrom mit 50 Hz ausgerüstet. Der erste Betrieb erfolgte 1986 auf der Kystbanen zwischen København Hbf und Helsingør. Damit sind die ICE mit Mehrsystemtechnik dort durchaus einsetzbar. Daneben besteht die S-Bahn im Großraum Kopenhagen, welche schon seit 1934 mit 1.640 V Gleichstrom betrieben wird.

Mehr aus: Ansichten

Startseite Probeabo