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Aus: Ausgabe vom 25.04.2022, Seite 5 / Inland
Wirtschaftkrieg

Energieembargo wird teuer

Bundesbank warnt vor Rezession bei Einfuhrstopp russischer Energieträger
Von Klaus Fischer
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Drohen bald leere Tanks? Untergrunderdgasspeicher in Bad Lauchstädt, Sachsen-Anhalt

Angeblich befürwortet laut diversen »Umfragen« die Hälfte aller »Deutschen« einen sofortigen Boykott russischer fossiler Brennstoffe. Was das im Ernstfall bedeutet, hat nun am Freitag die Deutsche Bundesbank in ihrem Monatsbericht ein wenig deutlicher gemacht: Eine Eskalation des Konflikts mit Moskau durch einen vollständigen Einfuhrstopp russischer Energieträger könnte die hiesige Wirtschaft in diesem Jahr in eine Rezession stürzen. »Im verschärften Krisenszenario würde das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr gegenüber dem Jahr 2021 um knapp zwei Prozent zurückgehen«, hieß es laut Nachrichtenagentur dpa in dem am Freitag veröffentlichten Notenbankbericht.

Es wäre kurzfristig kaum möglich, Lieferausfälle aus Russland durch erhöhte Einfuhren aus anderen Förderländern komplett zu ersetzen. Damit dürfte es vor allem bei der Gasversorgung zu Engpässen kommen. Mehr als die Hälfte der Gasimporte in Deutschland stammen aus der Russischen Föderation. Deshalb würden diese Sanktionen auch in den kommenden beiden Jahren die deutsche Wirtschaft belasten und zu Wachstumseinbußen führen, schrieben die Ökonomen der Bundesbank.

Eine rasante Umstellung auf andere Lieferanten – sofern es ausreichend davon gibt – hat einen kapitalismustypischen Effekt: Erhöhte Nachfrage treibt die Preise. Die Inflationsrate dürfte deshalb längere Zeit erheblich höher ausfallen. Doch womöglich haben sich die Bundesbanker auch bemüht, nicht das Worst-Case-Szenario zu publizieren. Denn ihrem Bericht zufolge würde die größte Volkswirtschaft der EU nach den im März erstellten Modellrechnungen in diesem Jahr nicht so stark schrumpfen wie im Coronajahr 2020. Fazit: Corona war (ist) schlimmer als Energienot? Die Bundesbankvolkswirte führen dies auf die »vergleichsweise dynamische Erholungsphase« nach der Coronakrise zurück. Ob beide Ereignisse allerdings vergleichbar in ihrer Auswirkung sind, darf zumindest angezweifelt werden.

Im ersten Coronajahr 2020 war das BIP um 4,6 Prozent eingebrochen. Im vergangenen Jahr fasste die BRD-Wirtschaft wieder etwas Tritt und wuchs laut den Berechnungen der amtlichen Statistiker um 2,9 Prozent. Immerhin wies die Bundesbank darauf hin, dass die Modellrechnungen erheblichen Unsicherheiten unterliegen und die künftige Entwicklung »sowohl über- als auch unterzeichnen« können. Zudem sei das Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen des Krieges nach wie vor sehr unsicher und hänge von seinem weiteren Fortgang ab.

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