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Aus: Ausgabe vom 23.04.2022, Seite 16 / Feuilleton
Bildreportage

Fluss ohne Wasser

Der Po in Italien leidet unter Rekorddürre. Sinkender Pegel legt Vergangenheit frei
Von Michele Lapini
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Treibholz an einer Brücke in der Reggio Emilia

Norditalien hat im März dieses Jahres die historische Schwelle von 100 Tagen ohne Regen überschritten. Dieses Notfallszenario hat schwerwiegende und sichtbare Auswirkungen auf Italiens größten Fluss Po, der eine Rekordtrockenheit erlebt. Seine Pegelstände und Durchflussmengen liegen weit unter den Schwellenwerten für Notfälle und erreichen Werte, die normalerweise im Sommer verzeichnet werden. In diesem besorgniserregenden Rahmen ist zu berücksichtigen, dass dem Fluss bisher kein Wasser für landwirtschaftliche Zwecke entnommen wurde.

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Der ausgetrocknete Flussboden gleicht einer Mondlandschaft

Im Naturschutzgebiet Isola degli Internati, am Po bei Gualtieri in der Provinz Reggio Emilia, sind zwei Schiffe, die im Zweiten Weltkrieg von der deutschen Armee versenkt wurden, aus dem Niedrigwasser aufgetaucht. Es ist zwar nicht das erste Mal, dass die Schiffe zu sehen sind, doch wird das eher bei sommerlichen Dürreperioden erwartet. In der nicht weit entfernten Ortschaft Boretto werden Bulldozer eingesetzt, um das Flussbett umzugraben, damit das Wasser in das nahe gelegene Wasserwerk fließen kann. Das sandige Flussufer dehnt sich zusehends aus, so dass die Masten der Autobahninfrastruktur täglich mehr freigelegt werden. In der Provinz Mantua ist die Situation ähnlich dramatisch. Das Flussbett liegt nackt vor dem Gebäude des Elektrizitätswerks von Ostiglia – ein Szenario, das man normalerweise nur im heißen Sommer sieht.

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Von der Wehrmacht versenkt und nun wieder aufgetaucht

Die Daten und Prognosen der Interregionalen Agentur für den Po, der AIPo und anderer lokaler Institutionen sind alles andere als beruhigend. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die erwarteten Niederschläge auch nur einen kleinen Teil des derzeitigen Wasserdefizits ausgleichen können. In einigen Gebieten der Emilia-Romagna sind die Niederschläge in diesem Winter um 98 Prozent zurückgegangen, und es sieht nicht so aus, als würde sich dieser Trend umkehren.

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Mehr Sand als Wasser vor dem Elektrizitätswerk in Ostiglia

Die Fotos wurden am 29. März 2022 aufgenommen.

Michele Lapini lebt als Fotograf in Bologna. In seiner Arbeit dokumentiert er Bürgerrechtskämpfe, Migrationsbewegungen an den Grenzen Osteuropas und die Auswirkungen des Klimawandels auf die Umwelt.

michelelapini.net

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