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Aus: Ausgabe vom 22.04.2022, Seite 5 / Inland
Folgen des Ukraine-Kriegs

Russland-Exporte brechen ein

Wegen Sanktionen: Deutsche Ausfuhren in die Föderation im März um knapp 60 Prozent gesunken
Von Raphaël Schmeller
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Auf der EU-Sanktionsliste: Auch Halbleiter sind vom Ausfuhrverbot nach Russland betroffen

Der Ukraine-Krieg trifft die deutschen Exporteure mit voller Wucht. Wegen der westlichen Sanktionen gegen Moskau haben sich die Ausfuhren aus der BRD nach Russland im März mehr als halbiert. Sie brachen um 57,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 1,1 Milliarden Euro ein, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. »Damit lag die Russische Föderation im März nur noch auf Rang zwölf der wichtigsten Bestimmungsländer für deutsche Exporte außerhalb der EU«, hieß es dazu. Im Februar belegte sie noch Rang fünf.

Wirtschaftsforscher sehen kein Ende der Abwärtsspirale, zumal die EU-Kommission Anfang April nachlegte und das mittlerweile fünfte Sanktionspaket schnürte. Es sieht beispielsweise gezielte Ausfuhrverbote nach Russland vor – etwa für modernste Halbleiter, Präzisionsgeräte, Transportmittel und Chemikalien, die Milliarden gebracht hätten. »Wir werden einen nachhaltigen Rückgang im Handel mit Russland sehen«, sagte Ökonom Klaus-Jürgen Gern vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Donnerstag gegenüber Reuters. »Die Probleme werden noch größer, weil russische Lkw und Schiffe nicht mehr in die EU dürfen. Der Handel, der jetzt noch stattfinden kann, wird dadurch drastisch behindert.« Ein Umstieg auf EU-Transportunternehmen sei kaum möglich, weil sie mehr als ausgelastet seien und Fahrer fehlten – etwa aus der Ukraine.

Die Exporte in Länder außerhalb der Europäischen Union insgesamt gingen im März im Vergleich zum Februar zurück. Das Minus betrug 7,2 Prozent, wie die Statistiker mitteilten. Der Wert der Ausfuhren in sogenannte Drittstaaten betrug demnach kalender- und saisonbereinigt 52,8 Milliarden Euro. Im Vergleich zum März 2021 war das jedoch ein Plus von 3,2 Prozent. Wichtigster Handelspartner der BRD waren die USA. Dorthin wurden im März Waren im Wert von 13,5 Milliarden Euro exportiert, ein Plus von 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Auf Platz zwei folgte China, auf Platz drei Großbritannien. Der deutsche Handel mit »Drittstaaten« deckt nach Angaben des Statistischen Bundesamts knapp die Hälfte aller deutschen Exporte ab.

Die Exportwirtschaft rechnet mit einem insgesamt schwierigen Jahr. »Der Ukraine-Krieg belastet den deutschen Außenhandel massiv«, warnte kürzlich der Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura. »Die mittel- bis langfristigen Auswirkungen sind bisher kaum absehbar«, so Jandura in der Mitteilung vom 7. April weiter. Ähnlich sieht das der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), der zusätzlich auf die Coronawelle in China hinweist.

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