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Aus: Ausgabe vom 21.04.2022, Seite 7 / Ausland
Vor Neujahrsfest

Jesiden unter Beschuss

Irakische Armee greift Kontrollpunkt in Sengal an
Von Emre Şahin
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Noch immer schwer zerstört: Seit dem IS-Angriff geht der Aufbau Sengals nur schwer voran (24.1.2022)

Was haben sich die politischen Führer im Irak nicht aufgeregt: Wegen des am Montag begonnenen türkischen Angriffskriegs gegen die Guerilla der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in der halbautonomen Region Kurdistan (KRG) ist tags darauf der türkische Botschafter in Bagdad einbestellt worden. Dem Diplomaten sei eine »entschiedene Protestnote« überreicht worden, teilte das irakische Außenministerium mit. Zudem sei Ankara aufgefordert worden, alle seine Streitkräfte abzuziehen.

Eigene Militäroffensiven gegen Kurden sieht Bagdad offensichtlich weit unkritischer: Seit Montag greift die irakische Armee die von Jesiden bewohnte Region Sengal (arabisch: Sindschar) an. Wie die kurdische Nachrichtenagentur ANF berichtete, kam es zu schweren Zusammenstößen mit den Verteidigungseinheiten der derzeit selbstverwalteten Region. Auslöser war die versuchte Übernahme eines Kontrollpunkts in der Kleinstadt Sinune durch die irakische Armee. Es soll mehrere Verletzte gegeben haben. Der Autonomierat von Sengal verurteilte in einer Erklärung den Angriff, der nur zwei Tage vor den Feierlichkeiten zum jesidischen Neujahrsfest Carsema Sor begonnen hatte.

Seit dem versuchten Völkermord durch die Dschihadistenmiliz »Islamischer Staat« (IS) im August 2014 ist die Lage Sengals und seiner Einwohner prekär. Nicht nur haben Tausende infolge der IS-Angriffe das Gebiet verlassen. Auch steht die Region unter Druck, weil sich die Bevölkerung selbst organisiert und ihre Sicherheit seit dem Trauma von 2014 nicht mehr Fremden anvertrauen will. Regionale Akteure wollen das nicht akzeptieren: So belagern verschiedene Milizen die Provinz, während die Türkei regelmäßig Drohnenangriffe durchführt.

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