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Aus: Ausgabe vom 16.04.2022, Seite 1 / Titel
Krieg in der Ukraine

NATO spielt mit dem Feuer

Moskau droht bei Aufnahme von Schweden und Finnland mit Atomwaffenstationierung in Kaliningrad. Russisches Flaggschiff gesunken. Bomben auf Kiew
Von Reinhard Lauterbach
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Statt auf Entspannung setzt das westliche Kriegsbündnis auf größtmögliche Eskalation

Litauen hat sich demonstrativ unbeeindruckt von der russischen Warnung gezeigt, im Fall einer Aufnahme von Schweden und Finnland in die NATO zusätzliche Atomwaffen im Gebiet Kaliningrad zu stationieren. Die russische Drohung sei »ein Platzpatronenschuss in die Luft«, sagte der litauische Präsident Gitanas Nauseda am Donnerstag in Vilnius. Moskau habe solche Waffen ohnehin schon in der Region stationiert. Russland hatte angekündigt, als Reaktion auf die Pläne zum NATO-Beitritt der beiden skandinavischen Staaten die Truppen an seiner Westgrenze auch mit zusätzlichen Atomwaffen zu verstärken. Die CIA hat im Unterschied zur Haltung des litauischen Staatschefs »Sorge« über eine solche potentielle Entwicklung geäußert. Russland könnte sich zu Angriffen mit kleinen Atomwaffen versucht sehen, wenn es militärische Niederlagen in der Ukraine hinnehmen müsste, sagte CIA-Chef Robert Burns am Donnerstag (Ortszeit) in Washington.

Im Krieg gegen die Ukraine hat sich ein empfindlicher Rückschlag für die russische Schwarzmeerflotte bestätigt, es ist aber in erster Linie ein Prestigeverlust. Das Moskauer Verteidigungsministerium erklärte am Donnerstag abend, dass während des Abschleppens nach Sewastopol das am Abend zuvor beschädigte Flaggschiff der Flotte, der Raketenkreuzer »Moskwa«, gesunken sei. Die Besatzung sei rechtzeitig evakuiert worden. Russland führt den Verlust auf einen Brand an Bord zurück, die Ukraine beansprucht, das Schiff mit zwei Raketentreffern versenkt zu haben. Die »Moskwa« war nur indirekt an den Angriffen mit Marschflugkörpern auf Ziele im ukrainischen Hinterland beteiligt, weil der Kreuzer mit diesen selbst nicht ausgestattet war. Er diente eher als schwimmende Kommandozentrale und schirmte andere Schiffe gegen Luftangriffe ab. Nach Angaben des russischen Portals Lenta.ru soll der Raketenangriff auf die »Moskwa« von Angehörigen eines aus rumänischen Soldaten bestehenden Spezialkommandos gesteuert worden sein, das in einem Vorort von Odessa stationiert sei.

Ob als Reaktion auf die Versenkung der »Moskwa« oder aus anderen Gründen schoss Russland in der Nacht zum Freitag mehrere Raketen auf einen Rüstungsbetrieb am Stadtrand von Kiew ab. In der Stadt waren schwere Explosionen zu hören, in Teilen der Kommune fiel der Strom aus. Der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, sprach von einem Schlag gegen einen Herstellerbetrieb von Flugabwehr- und Antischiffsraketen. Er drohte der Ukraine auch mit neuen Schlägen gegen »Entscheidungszentren« in der Hauptstadt, wenn der Beschuss ziviler Ziele im russisch-ukrainischen Grenzgebiet nicht aufhöre. Bei angeblichen ukrainischen Angriffen auf Dörfer im Bezirk Brjansk kamen in den vergangenen Tagen nach russischen Angaben mehrere Zivilisten ums Leben. Die Ukraine bestreitet, für den Beschuss verantwortlich zu sein; ihr Geheimdienst präsentierte angebliche abgehörte Funkgespräche russischer Soldaten, worin diese zugegeben hätten, dass die russische Seite selbst die Angriffe vorgenommen habe, um Vorwände für eine neue Eskalation des Krieges zu gewinnen.

Ein Vertreter der Regierungspartei »Einiges Russland« formulierte am Freitag gegenüber der Presse in Moskau russische Kriegsziele. Der Abgeordnete des Föderationsrates, Andrej Klimow, sagte, nach der »Befreiung des Donbass« werde die Kampagne nicht mehr sehr lange weitergehen. Als weitere Ziele nannte Klimow die Kontrolle der ukrainischen Atomanlagen und der im Lande tätig gewesenen Biolaboratorien, um sicherzustellen, dass dort keine Massenvernichtungswaffen hergestellt würden.

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  • Leserbrief von Reinhold Schramm aus Berlin (15. April 2022 um 22:56 Uhr)
    Geistige Klarheit schaffen ohne den Einsatz von USA-amerikanischen, britischen, französischen, NATO und EU-Nuklearwaffen. Wie die Briten und Franzosen mit örtlichen Kolonialtruppen ihre Kriege führten, ziehen die USA und NATO mit ihren ukrainischen Hilfswilligen gegen die Russische Föderation. Ziel ist die Beseitigung der russischen Administration und der westliche Zugriff auf die Rohstoffe und Bodenschätze, die für die kommenden Jahrhunderte wirtschaftlicher Entwicklung und geopolitischer Beherrschung Eurasiens von den USA-Monopolen und Westeuropa benötigt werden. Dafür wird auch ein Großteil der Bevölkerung der Ukraine von den NATO-Staaten heute geopfert. Gegebenenfalls führt man auch einen Atomkrieg gegen Russland, mit der Gefahr der atomaren Vernichtung Westeuropas.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

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