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Aus: Ausgabe vom 13.04.2022, Seite 3 / Schwerpunkt
Lokaler Antimilitarismus

»Unser Ostermarsch ist der erste vor Ort«

Brandenburg: Friedensinitiative schiebt Generationenwechsel an. Ein Gespräch mit Armin Olunczek
Von Marc Bebenroth
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Kriegsgefahr erkannt: Demonstrationszug in einem Waldstück nahe dem Truppenübungsplatz Lehnin (9.1.2017)

Ihre Initiative hat für Sonntag zu einer Friedensdemonstration im brandenburgischen Brück aufgerufen, die am Truppenübungsplatz Lehnin entlangziehen soll. Sie stellen sich damit in die Tradition der Ostermärsche. Wie ist es um die in Ostdeutschland bestellt?

Die Leute wissen, Ostermärsche finden statt. Aber ob sie daran teilnehmen, ist die Frage. Ich wohne hier seit acht Jahren, und soweit ich weiß, ist unser Ostermarsch der erste vor Ort. In meinem Umfeld, das eher noch ein jüngeres ist, nehmen nicht so viele an solchen Demos teil wie vielleicht bei anderen Protesten. Wir schieben hier aber auch gerade einen Generationenwechsel an. Vor allem Menschen, die in den vergangenen Jahren zugezogen sind, sind bereit zum Mitmachen.

Sie fordern die ausschließlich zivile Nutzung des Truppenübungsplatzes. Wie intensiv nutzt ihn die Bundeswehr?

Sehr intensiv. Auffällig sind die Übungen auf den beiden Sprengplätzen. Die Schießzeiten sind teils in den Abendstunden, nachts und auch am Wochenende. Gerade in den vergangenen Wochen ist das sehr häufig passiert. Selbst Leute aus dem 15 Kilometer entfernten Bad Belzig berichten vom Lärm.

Für die zivile Nutzung liegen noch keine Pläne auf dem Tisch. Da stehen wir noch am Anfang. Seitens der Bundeswehr sowie der Verwaltung jedenfalls ist total klar: Es ist ein Truppenübungsplatz und wird einer bleiben. In der Bevölkerung gibt es zwar großen Unmut über die Sprengübungen. Aber vielen geht es nur darum. Den Fakt, dass hier das Militär schießt und sprengt, stellen wir dagegen in Frage, und das ist das Neue hier.

Welche Folgen hat die militärische Nutzung für die Umwelt?

Es ist vor allem immer wieder ein Risiko, gerade was Waldbrände betrifft. Hier in Brandenburg war in den vergangenen Jahren die Waldbrandgefahr ein ganz großes Thema. In der Vergangenheit hatte sich beim Moorbrand im Emsland gezeigt, wie Brände auch durch Bundeswehr-Übungen verursacht werden können.

Erschwert der Ukraine-Krieg die Mobilisierung, oder bekommt Ihre Initiative jetzt mehr Zulauf?

Das bringt mehr Zulauf. Es sind vermehrt Menschen bereit, auf die Straße zu gehen und Gesicht zu zeigen für den Frieden.

Sie fordern auch den Schutz aller Kriegsdienstverweigerer durch die Bundesregierung. Weshalb sollte diese das tun, wo sie doch mit Waffenlieferungen den Krieg nährt?

Ob sie ein generelles Interesse am Fortdauern hat, würde ich klar in Frage stellen. Es wäre ihr in jedem Fall durchaus möglich, das auf zwei Ebenen zu betrachten: die außenpolitische, wo sie klar Stellung für eine Seite bezieht, und die Ebene, die jedem Individuum das Menschenrecht zugesteht, den Kriegsdienst zu verweigern.

Sie betonen auch die Verknüpfung von Friedenspolitik und Klimaschutz.

Zuletzt wurde deutlich, wie sehr diese beiden Themen doch zusammenhängen. Am Ende müssen wir uns entscheiden zwischen einer Politik der Eskalation und der Kämpfe um knapper werdende Rohstoffe einerseits und einer Politik andererseits, die die Klimaprobleme ganz klar vor Augen hat. An dem Punkt erwarte ich ein weiteres Zusammenwachsen der Friedens- und Klimabewegungen. Und Slogans wie »System change, not climate change« kommen nicht von ungefähr. Bei Teilen der Friedensbewegung habe ich aber manchmal den Eindruck, dass über die Art zu Wirtschaften noch nicht soviel nachgedacht wurde.

Wer ist am Sonntag willkommen?

Zulässig ist, dabei zu sein und mitzulaufen – und wenn es nur eine Teilstrecke ist. Weniger gern gesehen ist ein ganz klares parteiisches »Anfeuern« im Ukraine-Krieg. Ich wünsche mir von den Teilnehmenden die Überzeugung, dass es friedliche Mittel zur Beendigung dieses Krieges braucht.

Armin Olunczek ist aktiv in der »Bürger*inneninitiative für eine zivile Nutzung des Truppenübungsplatzes Lehnin«

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