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Aus: Ausgabe vom 07.04.2022, Seite 8 / Ansichten

Steilvorlagengeber des Tages: Josef Käser

Von Oliver Rast
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Mimt gerne den Checker und Welterklärer – hier noch in seiner CEO-Rolle

Er macht es echt virtuos: Steilvorlagen liefern. Josef Käser, der sich US-durchamerikanisiert nur »Joe Kaeser« rufen lässt, welterklärt gefühlt im Quartalstakt die Geolage. Im Handelsblatt (Mittwoch) mal wieder. Kritik an charakterlosen »Industriekapitänen« mag der Siemens-Exboss gar nicht. Unternehmertypen seien keine »ruchlosen, steuervermeidenden Kreaturen, deren Gier grenzenlos ist«. Ach, nee, was dann? »Garanten des sozialen Friedens und der gesellschaftlichen Integration.« Das steht da wirklich so gedruckt. Vor allem: Chefs von eigentümergeführten Firmen sind demnach fast engelsgleich. Alles andere wäre Polemik. Schon klar.

Schiefer dürfte ein Sittengemälde seiner Klasse kaum sein. Kein Vorwurf, schließlich ist der Niederbayer Käser Kaeser. Ernsthaft: Wer als Malocher Familienklitschen von innen kennt, weiß Haustyrannen natürlich besonders zu schätzen. Wie sieht es hiermit aus? Materielle Krise, sozialer Absturz – ein Problem? Nicht für den Baerbock-Fan. »Rettungsschirme« stören, die Auslese qua Wettbewerb etwa.

Und eine Wahnvorstellung vom »Weltwirtschaftszyklus« hat der Sammler von Aufsichtsratsposten ferner: »Industrieländer können so viel Gutes in Entwicklungsländern tun, wie zum Beispiel Arbeitsplätze schaffen und Menschen aus der Armut bringen.« Auch hier: steht in dem Finanzblättle exakt so drin. Weiter: Im Gegenzug bekämen Staaten des globalen Südens Gewinne, Wachstum gleich mit. Was »bei uns« (hört, hört!) wiederum Jobs sichern würde. Rohstoffklau, Sklavenarbeit, Ökozide – eine immer schneller drehende Ausbeutungsspirale im Trikont. Da setzt einer wie Käser aus, passt nicht in die Wohltäterdenke.

Platz für anderthalb Sätze klassenbewusster Hasstiraden wäre noch. Ich lass es heute – und beinahe sanft ausklingen: Herr CEO a. D. ist unresozialisierbar, nicht nur im Quartal.

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