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Aus: Ausgabe vom 31.03.2022, Seite 1 / Titel
Profiteur der Coronapandemie

Aktionäre fitgespritzt

Impfstoffhersteller Biontech vermeldet Rekordgewinn. Sonderdividende für Spekulanten. Beschäftigte gehen leer aus
Von Sebastian Edinger
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»Gebt die Patente frei!« fordern Demonstranten vor dem Konzernsitz in Mainz (13.12.2021)

Dank der Coronapandemie zählt Biontech-Gründer Ugur Sahin mit einem Privatvermögen von 13,6 Milliarden US-Dollar mittlerweile zu den zehn reichsten Deutschen. Die am Mittwoch vorgelegten Geschäftszahlen zeigen: Die Kasse klingelt weiter, und zwar immer lauter. Einen Nettogewinn von 10,3 Milliarden Euro konnte das Mainzer Startup für 2021 vermelden, der Umsatz lag bei 19 Milliarden. 2020, also im Geschäftsjahr bevor das Coronavakzin auf dem Markt plaziert worden war, lag der Gewinn noch im niedrigen, zweistelligen Millionenbereich.

Laut Sahin war 2021 rückblickend »ein außergewöhnliches Jahr, in dem Biontech mit dem ersten zugelassenen Impfstoff auf Basis von unserer mRNA-Technologie einen bedeutenden Einfluss auf die Gesundheit und die Weltwirtschaft hatte«. Um die »Vorreiterrolle in der Branche fortzuführen« möchte er auf dem »Erfolg von 2021 aufbauen«. Das dürfte gelingen, denn für die Biontech-Führung und die Aktionäre des Pharmakonzerns sieht auch die Zukunft rosig aus: Der satte Gewinn 2021 wurde durch den Verkauf von insgesamt 2,6 Milliarden Coronaimpfstoffdosen erwirtschaftet. Für 2022 bestünden bereits unterzeichnete Aufträge für 2,4 Milliarden Dosen, hieß es am Mittwoch.

Und dabei wird es nicht bleiben, denn auch wenn das Vakzin made in Germany der Pandemie bislang nicht Einhalt gebieten konnte, bleibt die politische Schützenhilfe stabil: Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wirbt bereits für die Viertimpfung, und auch die allgemeine Impfpflicht würde, so sie denn kommt, die Auftragsbücher Biontechs weiter füllen. Derzeit arbeitet das Unternehmen zudem an einer hausinternen Studie, die wohl im April öffentlichkeitswirksam belegen wird, dass eine auf die Omikron-Variante zugeschnittene Impfstoffversion besonders wirksam und kaufenswert ist. Es geht dabei um ein neues, auf Omikron basierendes Vakzin, das mit dem bisherigen Covid-19-Impfstoff kombiniert werden soll. Nach Konzernangaben sollen damit »mögliche Zulassungsanträge« unterstützt werden.

Zugleich engagiert sich die Bundesregierung auf internationalem Parkett leidenschaftlich und erfolgreich gegen eine Freigabe der Impfstoffpatente. In Afrika, wo die Impfquote vielerorts noch deutlich unter zehn Prozent liegt und somit ein gigantischer Markt zu besetzen ist, müssen sich die Menschen deshalb gedulden, bis Biontech irgendwann 2023 damit anfängt, in der neuen Containerfabrik Marke Eigenbau die Impfstoffe selbst zu produzieren und zugunsten weiterer Profitsteigerungen selbst zu verkaufen.

Für die Aktionäre des Pharmaunternehmens gab es am Mittwoch weitere gute Nachrichten: Auf der Hauptversammlung will sich die Unternehmensführung für die kommenden zwei Jahre ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar genehmigen lassen. Das würde den Kurs der Wertpapiere weiter in die Höhe treiben. Zugleich wurde den Anteilseignern angesichts der traumhaften Geschäftszahlen eine Sonderdividende von zwei Euro pro Aktie in Aussicht gestellt. Erhöht werden sollen im laufenden Jahr auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung, und zwar um 50 Prozent auf ca. 1,5 Milliarden Euro.

Die Beschäftigten bleiben dabei auf der Strecke. Laut Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) klagen diese über intransparente Vergütungsstrukturen und hohe Arbeitsbelastung. Tarifverträge gibt es beim Mainzer Konzern nicht, und Gesprächsangebote der Gewerkschaft werden seit Jahren ausgeschlagen.

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  • Leserbrief von Ulrike Koch (31. März 2022 um 10:13 Uhr)
    Einige Politiker, die die Pandemie ausnutzten, um sich zu bereichern, wurden zu recht kritisiert. Wenn aber der Chef von Biontech das gleiche tut und sich schamlos auf Kosten der Steuerzahler die Taschen vollstopft, wird er als Held gefeiert. So viele Milliarden kann er ja nur ergaunern, indem er seine durch Steuergelder entwickelten Produkte völlig überteuert verkauft und die Angestellten ausbeutet. Gegen solch dreisten Diebstahl an Gemeineigentum hilft nur eins: Pharmaindustrie vergesellschaften!
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