Gegründet 1947 Mittwoch, 25. Mai 2022, Nr. 120
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Aus: Ausgabe vom 30.03.2022, Seite 3 / Schwerpunkt
Großer Vaterländischer Krieg

»Wir haben mit 27 Millionen Menschenleben bezahlt«

Russische Veteranen des Zweiten Weltkrieges protestieren gegen deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine
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Kriegsveteranen bei der Parade zum »Tag des Sieges« 2020 in Moskau

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) kündigte am 27. Februar im Bundestag die finanziell umfangreichste Aufrüstung in der Geschichte der Bundesrepublik an und bekräftigte den am Vortag verkündeten Beschluss seiner Regierung, Kriegswaffen an die Ukraine zu liefern. Noch am selben Tag veröffentlichte das in Moskau ansässige »Spirituelle Zentrum St. Johannes von Kronstadt« der Russisch-Orthodoxen Kirche auf seiner Internetseite unter der Überschrift »Die Tragödie in der Ukraine« einen Brief von »Veteranen und Kindern des Großen Vaterländischen Krieges an die Regierung und das Volk Deutschlands«.

Am 6. März verlinkte der Russische Veteranenverband auf seiner Website den Brief und erklärte, er unterschreibe »jedes Wort des Aufrufs«. In dessen Vorspann heißt es: »Heute, da die deutsche Regierung beschlossen hat, tödliche Waffen an die Ukraine zu liefern, hat sich die Welt verändert – die Umrisse eines neuen Weltkrieges sind mehr als deutlich sichtbar. Und wieder einmal ist es Deutschland! Aber es gibt ehrliche Menschen in Deutschland, Antifaschisten, und wir hoffen, dass diese Botschaft bei ihnen ankommt. Menschen, die zwischen 1927 und 1945 geboren wurden, haben in Russland den Status von ›Kriegskindern‹. Dieser Brief kann von all jenen unterzeichnet werden, die diesen Krieg überlebt haben.« Wir dokumentieren den Text des Briefes:

Die Tragödie in der Ukraine

Wir, die letzten Veteranen und alle aus den Völkern Russlands, die diesen großen und schrecklichen Krieg überlebt haben, stehen heute an der Schwelle zum Tod. Unsere Zeit wird knapp. Den größten Teil unseres Lebens hofften wir, dass es in Frieden zu Ende geht – ohne den alles zerstörenden Hass. Nach dem Zweiten Weltkrieg überwanden wir mühevoll, über lange Jahrzehnte hinweg, unseren gerechten Zorn. Wir sehnten uns nach Vergeltung für die zahllosen geistigen und körperlichen Wunden, die wir immer noch an unseren Körpern und in unseren Herzen tragen. Aber die meisten von uns haben verziehen!

Das geschah nicht zuletzt aus dem Grund, dass Deutschland viele Jahre lang seine Reue, seine Einsicht in das Geschehene zeigte. Und wir haben nicht nur uns selbst überwunden, sondern auch die Stimme des Blutes unserer barbarisch ausgerotteten Angehörigen. Ausgerottet von wem? Von den Deutschen, von den Faschisten! Wir haben verziehen – den Gesetzen des menschlichen Zusammenlebens entsprechend. So war es – bis 2014.

Ströme von Blut

Dann, im Jahr 2014, als alles in der Ukraine begann, blickten wir hoffnungsvoll nach Deutschland und auf die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wir hätten uns nicht vorstellen können, dass die Deutschen nach allem, was sie in der Ukraine angerichtet hatten – nach Babi Jar (ukrainisch: Babyn Jar, jW), nach den Bergen verstümmelter Leichen –, immer noch voller Begierde auf die ukrainischen Felder schauen würden, die auch heute noch Europa ernähren können. Oder dass sie, die Deutschen, die auch die ihnen einst versprochene Krim mit Blut getränkt hatten, heute noch ein Interesse daran haben, die Krim zu einem amerikanischen und insgesamt zu einem NATO-Stützpunkt zu machen – ideal für Angriffe auf Russland. Das wäre offen auf einen zukünftigen Krieg ausgerichtet. Denn nur Dummköpfe verstehen den Sinn und Zweck des ganzen Umsturzes in der Ukraine nicht, bei dem sich Russland auf die einzig mögliche Weise verhalten hat!

Aber die Deutschen, sie sind keine Dummköpfe. Wir Russen kennen aus erster Hand Ihre Psychologie als »Blutsbrüder« – unser Blut, das Sie »kalkuliert« in Strömen vergossen haben. Wir erinnern uns an Ihre »systematischen« Methoden zur »Bevölkerungsreduzierung«. Unserer Bevölkerung! Bis heute finden wir in verschiedenen Ecken unseres einst geeinten Vaterlandes, wohin der Stiefel des deutschen Faschismus kam, versteckte Massengräber unserer friedlichen Bürger: in der Region Nowgorod, im Kuban, in der Region Rostow, in Karelien. In Belarus wurden 2021 in Brest auf dem Gelände des jüdischen Ghettos die Überreste Hunderter friedlicher Bürger gefunden. Das Konzentrationslager Trostenez in der Nähe von Minsk – Ort einer furchtbaren Tragödie – hat das Geheimnis Zehntausender weiterer gefolterter und ermordeter Menschen aufgedeckt. Wir sprechen hier von Zehntausenden neu entdeckten Opfern des Nazismus! Dieses Blut schreit noch immer nach Vergeltung, während seit Jahrzehnten das Andenken an barbarisch ermordete russische Menschen und die Denkmäler für russische Soldaten, Befreier, ungestraft geschändet werden. Neue Nazis marschieren im Baltikum und in der Ukraine vor den Augen der gesamten »zivilisierten« Welt.

Und wieder Deutschland

Aber 2014 waren wir wirklich davon überzeugt, dass die Deutschen angesichts dieser neuen Naziaufmärsche unsere Verbündeten bei der Verhinderung solcher Abscheulichkeit werden. Wir hofften, dass sich die Deutschen – von einem elementaren Gewissen geleitet – nicht an dem offen faschistischen Staatsstreich in der Ukraine beteiligen würden. Schließlich wurde die auf ihn folgende Katastrophe der heutigen Ukraine von den direkten Nachkommen derjenigen herbeigeführt, die in der deutschen Armee ein besonderes Gesindel waren. Offen, unverblümt! Die US-Amerikaner und Kanadier haben dieses teuflische Erbe lediglich verheimlicht und bewahrt, haben dessen Nachkommenschaft aufgezogen, aber die Brutstätte dieses Übels ist – Deutschland! Hitlerdeutschland! Wir vermochten nicht zu glauben, dass es Deutschland war, das diesen Unmenschen aufs neue den Weg weisen würde. Aber wir haben uns getäuscht! Deutschland hat diesem faschistischen Abschaum erneut Einlass in die Welt gewährt.

Die Unterstützung des heutigen Deutschlands – angesichts der neuen Regierung der Ukraine – für die Bandera-Leute, für die Erben der SS-Division »Galizien«, für UPA- und OUN-Schläger (die Ukrainische Aufstandsarmee UPA existierte von 1942 bis 1956, sie kämpfte zuerst an der Seite der Wehrmacht gegen die Rote Armee und polnische Partisanen, nach 1945 mit westlicher Unterstützung gegen die Sowjetunion; die Organisation Ukrainischer Nationalisten OUN wurde 1929 gegründet. Nach einer Spaltung stellte der von Stepan Bandera geführte Teil 1942 die UPA auf, jW) und alle anderen Abscheulichkeiten waren für uns einfach undenkbar.

Das übersteigt alles Menschliche! Aber Sie, Deutschland, haben es getan und tun es weiterhin! Sie haben es wieder auf die slawische Welt abgesehen, und dieser Abschaum – er ist Blut vom Blut des deutschen Nazismus! Und erneut gegen Russland! Nur heimtückischer: Gegen uns werden unsere engsten Brüder, die Ukrainer, aufgehetzt. Und Sie wissen das! Sie wissen es genauso, wie wir es wissen! Sie haben in diesem Großen Krieg ein Volk ermordet! Ja, wir sind ein Volk! Die Wahrheit schreibt und sagt oft Ihr Steinmeier, der zugleich hinterhältig direkt am Kiewer Putsch von 2014 beteiligt war – einem dem Wesen nach faschistischen Putsch. Für die Amerikaner mag das nicht klar sein, aber für Sie ist es mehr als klar!

Und es sind Ihre Zöglinge, die ihre Fackelzüge durch Kiew veranstalten konnten. Der lebendige Schatten Nazideutschlands steht hinter all dem. Das wurde nur zeitweilig durch eine verschlagene Diplomatie vertuscht – »Helme statt Gewehre«. Aber das war’s, die »Masken sind gefallen«. Dass Sie heute deutsche Waffen an die Ukraine liefern, ist folgerichtig, es liegt in der Logik Ihrer Politik der letzten Jahrzehnte. Sie ist heute wieder offen profaschistisch. Sie haben diesen Schritt getan: Deutsche Waffen werden wieder Russen töten. Das Töten setzt sich fort.

Vorbereitung auf Weltkrieg

In den Jahren des Konflikts im Donbass haben Ihre professionellen Mörder schon Russen getötet, lehrten zumindest, »wie man sie richtig umbringt«. Nur ist es jetzt noch abscheulicher – Sie bringen es Blutsbrüdern bei. Der Donbass liegt auf Ihrem Gewissen! Tausende Leben seiner friedlichen Bürger – das ist erneut Ihr Werk. Uns wühlt nicht auf, welche Rolle die Amerikaner bei all dem spielen: Dort ist Geld Gott!

Uns Veteranen dieses Krieges, seine Kinder, wühlt die Rolle der Deutschen auf. Denn Sie sind es, die genau wissen, aus wem die ukrainischen »Nazibataillone« bestehen, und wer diesen neuen Faschismus hätte verhindern und stoppen können. Aber das haben Sie nicht getan! Allein deswegen sind Sie erneut vor der Geschichte verantwortlich. Sie sind eindeutig an der Vorbereitung der Ukraine auf einen Krieg mit Russland beteiligt. Sie können nicht umhin, den Zweck all dessen zu verstehen, was geschehen ist: vom verfassungswidrigen Staatsstreich in Kiew bis zum Blutvergießen im Donbass.

Im wesentlichen geht es um die Vorbereitung auf den dritten Weltkrieg. Und wieder einmal um Sie, die Deutschen … Deutschland. Von der hohen deutschen Tribüne in Berlin hören wir heute: »Russland wird einen hohen Preis zahlen!!!« Eine Rede des Kanzlers von Deutschland! Undenkbar! Wir haben den Preis bereits bezahlt: 27 Millionen unserer Menschenleben. Genügt Ihnen das nicht?! Über welchen Preis reden Sie noch? Es gibt kein Haus in Russland, der Ukraine und Belarus, in dem »dieser Preis« nicht gezahlt worden wäre. Und es gibt kein Haus in Deutschland, das nicht an dieser furchtbaren blutigen Barbarei teilgenommen hat! Schrecklich! Bestialisch!

Heute sind bereits mehr als 13.000 Russen im Donbass durch die Hände der neuen Nazis gestorben. Die öffentliche Verhöhnung des Völkermordes an den Russen im Donbass durch den deutschen Bundeskanzler ist selbst ein Verbrechen. So weit können Lektionen der Geschichte vernachlässigt und entweiht werden! Die schrecklichste Geschichte der Welt! Wollen Sie es noch schlimmer? Dieser neue »Drang nach Osten« kann dazu führen, dass es keinen zweiten Nürnberger Prozess gegen Sie geben wird, weil es einfach keine Menschheit mehr geben wird. Sie werden nicht mehr da sein!

Aber ein besonderes Gericht, ein universelles Gericht über Sie, Deutsche, ist unausweichlich. Über alle Aggressoren, aber über Sie besonders. Der Welt wird Gerechtigkeit widerfahren! Und wir, die letzten Veteranen dieses schrecklichen Krieges, verlassen diese Welt als Zeugen. Als Zeugen der Anklage! Und heute wird der Sieg unser sein, aber diejenigen, die gestern gestorben sind, oder diejenigen von uns, die heute sterben, legen Zeugnis von der Rolle des deutschen Volkes in der Menschheitsgeschichte der Welt ab – der blutigen Geschichte. Deutsche Waffen sind wieder in den Händen junger Nazitypen!

Haltet ein!

Übersetzung aus dem Russischen: Arnold Schölzel

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  • Leserbrief von Renato Lorenz aus Berlin (14. April 2022 um 13:29 Uhr)
    Hätte mir 1987 jemand ahnungsvoll vorausgesagt, dass schon bald, auf jeden Fall im nächsten Jahrhundert sowjetische Völker gegeneinander Krieg führen, ... – Dies ist ein Satz, der viel über mich sagt und einen schweren Fehler enthält. Ich war in den 80er Jahren der Gläubigkeit verfallen, dass die sozialistische Entwicklung so verfestigt war, dass dies undenkbar für mich war. Nie hätte ich auch nur vermutet, dass der erreichte Fortschritt aufgegeben wird, noch dazu fast kampflos und zudem in ganz Europa. Ich war seinerzeit in einem Zug von Leningrad nach Kiew gereist – Schlafwagen – mit Samowar! Alles war überall Sowjetunion und alle waren herzlich gastfreundlich, so wie ich auch die »Freunde« bei uns in der DDR stets erlebte. Und Freunde, sagte ich, weil etwa »Russen« mir erstens etwas unfreundlich klang (im Westen waren es auch die „bösen Russen“), und ich zweitens andere sowjetische Nationalitäten ausgeschlossen hätte.
    Drittens aber sah ich sie angesichts ihrer heroischen Befreiungstat von Herzen auch nur als wirkliche Freunde und Garantie für den Frieden angesichts der waffenstarrenden NATO auf der anderen Seite. Davon verstand ich etwas: Reagans Sternenkriegspläne konnte ich im Detail erläutern und auch die Sprengkraft eines »Trident«-Atom-U-Boots der USA war mir geläufig – 2.400 Hiroshimabomben in etwa – und über 50 solcher Boote davon schwammen in den Meeren. Die Sowjetunion hatte ein äquivalentes Potential – und das war nur ein „Marineanteil“ des atomaren Wahnsinns. Es gab also wirklich ein Gleichgewicht des Schreckens.
    Dass angesichts des erlittenen Zweiten Weltkrieges, in dem die sowjetischen Völker kriegsentscheidend siegten, dass diese Völker einander feindlich gesinnt sein könnten – undenkbar. Und hier ist der Fehler – die Völker haben gar keine Feindschaft – auch heute nicht. Sie können wunderbar miteinander auskommen, ihre Kulturen austauschen, sich im Wettstreit in allem messen, einander besuchen und ihre Landschaften und Sehenswürdigkeiten teilen. Sie könne sich helfen und die Vorteile der anderen nutzen, die selbst aus zum Beispiel klimatischen oder anderen Gründen sonst nicht zu haben sind. Alle Ressourcen sind teilbar und alles reicht für alle.
    Doch in den 90er Jahren »kam« die »Demokratie« des »freien Marktes« und es wurden Grenzen gezogen, waffentechnisch bewehrt und undurchlässig oder dicht gemacht. Und Millionäre und Milliardäre bestimmen seitdem, was wirtschaftlich ist, ließen ihre Vertreter in die Parlamente ziehen und die Nation bzw. »Werte« wurde wichtiger als alles andere. Und die Unwerte, Hunger und Elend, zogen ein. Der noch nicht bewältigte Mangel aus der Sowjetzeit wurde bei nicht wenigen plötzlich oder immer mehr zum Segen einer verflossenen Zeit. In anderen osteuropäischen Ländern verhielt es sich ähnlich.
    Die Köpfe wurden verdreht und Menschen können, wie ehedem bis 1945, gar nicht fassen, was andere »Völker« plötzlich »Schlimmes« machen, glauben es aber. Das war in Jugoslawien so und dann auch zwischen den nunmehr ehemals sowjetischen Völkern – nicht bei allen allerdings. Vergessen hatten sie die Lektion vom »Oben und unten« und merkten nicht, wie sie dazu gebracht wurden, sich für ein »Oben und unten« zu entscheiden, merkten zwar mehr oder weniger, wie sie »unten« ankamen, dann aber nicht, wie die »unten« auf die anderen »unten« gehetzt wurden.
    Und auch die Europäer, denen nach allen Regeln der modernen Kunst der Gehirnwäsche zu verstehen gebracht wurde, dass am besten nie wieder Sozialismus überhaupt nur gedacht wird, weil diese »Diktatur«, sie nannte sich ja selbst so (!), ersichtlich an sich selbst gescheitert sei und die Völker diese nicht wollten und nicht bräuchten. Freiheit und Demokratie – frei zu morden, zu rauben, auszubeuten und demokratisch, also manipuliert und entrechtet zu sein, das sei die einzige Alternative, das Ende der Geschichte.
    Wenn ich in früheren Zeiten in der DDR klarzumachen versuchte, warum das »Schaufenster BRD« so viel besser aussieht als bei uns, habe ich auf die Länder der Dritten Welt verwiesen, wo fehlt, was hier im Überfluss billig für jedermann angeboten wird. Heute kann man das deutlich, auch »bei uns« erkennen. »Uns«, wir, das ist auch so eine falsche Formulierung – »Wir« müssten »Verantwortung« übernehmen: Es sind deren Staaten, jeder ein Überbau, der die Völker einhegt in die Verhältnisse der Ausbeutung und nach Belieben gegeneinander hetzt, mit deren Armeen und kämpfen lässt, mit Waffen, die die Völker teuer bezahlen, statt den Hunger auf der Welt zu tilgen, bezahlen auch mit dem Leben der Jugend der Völker. Ach, wenn die Völker doch endlich wieder die richtigen Signale hören würden und auch zu hören bekommen. Ach, wenn »Linke« doch links wären.
  • Leserbrief von Dr. Anton Schweiger aus Hamburg ( 4. April 2022 um 22:58 Uhr)
    Ich bin den Veteranen der Roten Armee aus allen Völkern der ehemaligen UdSSR dankbar dafür, dass sie uns vom Faschismus befreit haben. Aber dieser Krieg, der nun von den Kindern, Enkeln und Urenkeln der Helden von damals geführt wird, ist durch nichts zu rechtfertigen. Er ist ihnen und ganz Russland unwürdig. So viel mir bekannt ist, gibt es verschiedene russische Veteranen-Vereine. Aus einem FR-Artikel habe ich erfahren, dass viele der noch lebenden russischen Veteranen in Armut leben. Auch das ist Russland nicht würdig. Ich frage mich auch wie und warum eine marxistische Zeitung wie die junge Welt dazu kommt, kritiklos einen Brief, der von der russisch-orthodoxen Kirche veröffentlicht wurde, uns als Meinung »der« russischen Veteranen und ihrer Kinder zu präsentieren? Eine Aufklärung des Sachverhalts und einen Bericht über russische Veteranen, ihre Lebenssituation und ihre Vereine ist angebracht.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Angelo V. aus Berlin ( 1. April 2022 um 16:39 Uhr)
    Nur der Unterschied zwischen Ausbeuter und Ausgebeuteten ist für eine kommunistische Tageszeitung wichtig. Nationalität, Religion, Geschlecht und Herkunft spielen keine Rolle: Arbeiter auf der einen Seite, Ausbeuter auf der anderen. In diesem Brief finden wir jetzt wieder nur den Unterschied zwischen Russen und Deutschen (oder meinetwegen Russen und EU). Das ist purer reaktionärer Chauvinismus. Wie will und soll dieser Brief das Klassenbewusstsein der Arbeiter stärken? Ich frage mich ehrlich, wie die Redaktion auf die Idee kommt, diesen Brief in der jW zu veröffentlichen.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Manfred G. aus Hamburg Altona ( 1. April 2022 um 23:36 Uhr)
      Klassenbewusstsein definiert sich aus marxistischem Wissen und der Tatsache, Arbeiter zu sein. Fehlt eins von beiden, kann man nicht von Klassenbewusstsein sprechen. Deshalb gibt es bei Die Linke vielleicht eine Handvoll Menschen mit Klassenbewusstsein – niemand kann man nicht sagen, das wäre undialektisch. Die jW ist keine kommunistische Zeitung. Sie wird auch kaum von Arbeitern gelesen. Der Brief ist weder chauvinistisch noch nationalistisch. Er ist antifaschistisch und beschreibt die Realität. Es ist keine theoretische Diskussion um marxistisches Wissen. Es geht hier nicht darum, das Klassenbewusstsein der Arbeiter zu stärken. Es geht darum, zu zeigen, dass der deutsche Faschismus niemals tot war – was richtig ist. Das ärgert viele Linke, weil sie sich angesprochen fühlen, denn sie sind durch permanente Amerikanisierung Kinder des Kapitalismus geworden – Kapitalismus beinhaltet Faschismus.
  • Leserbrief von M.Lehmann aus ehemaliger Osten, der nicht so verlogen war. ( 1. April 2022 um 16:34 Uhr)
    Zitat von Willy Brandt, eigentlich Herbert Frahm: »Vom deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen.« Er war ein deutscher, sozialdemokratischer Politiker. Geboren am 18. Dezember 1913 in Lübeck (Schleswig-Holstein) und verstorben in Unkel (Rheinland-Pfalz)
    So steht es auch in Artikel 26 des Grundgesetzes. – Das Problem ist nur, das Grundgesetz wurde illegal außer Kraft gesetzt.
  • Leserbrief von Günther Pauli aus Chemnitz ( 1. April 2022 um 13:30 Uhr)
    Ich glaube nicht, dass der Veteranenbrief aus einer »großchauvinistischen Haltung« oder aus einer unüberlegten Unterstützung für eine »putinsche Aggression« (was auch immer das genau ist, vielleicht gibt es ja auch »bidensche« oder »obamasche Aggressionen«) entstanden ist, sondern er zeigt eine wirkliche Betroffenheit und Bestürzung über die Vorgänge in der Ukraine, die von rechtsradikalen Verbänden wie Asow begangen werden. Umso verrückter ist es, wenn diese Gruppen von einem Politiker in Deutschland als »nützliche Rechtsradikale« (nützlich für was?) bezeichnet werden. Ich halte es auch für irreführend, die heutige Unterstützung der Ukraine mit Waffen durch Deutschland mit der Unterstützung der Ukraine oder der UdSSR mit Waffen im Zweiten Weltkrieg durch England oder die USA gleichzusetzen (Nebenbei bemerkt, sind Waffenlieferungen an kriegführende Parteien nach deutschem Recht verboten, egal, um welche Parteien oder Länder es sich handelt). Denn eines sollte man wissen, weil es auch für den Hintergrund der aktuellen Ereignisse von Bedeutung ist: Konzerne und Bankiers aus den USA unterstützten auch Nazideutschland. Das ist etwa so, wie wenn Deutschland heute Waffen an die Ukraine UND an Russland liefern würde. Wer das nicht glaubt, dem empfehle ich das Buch »Wallstreet And The Rise of Hitler« von Antony C. Sutton. Sutton ist englischer Historiker – also Engländer, kein Russe oder Deutscher! Und ohne den Stahl aus dem damaligen England hätte Nazideutschland keine Panzer und Kriegsschiffe bauen können. Also ohne die angloamerikanische technische und finanzielle Unterstützung hätte die Wehrmacht überhaupt keinen Zweiten Weltkrieg führen können. Diese historisch belegten aber meistens verschwiegenen und heute noch bedeutenden Zusammenhänge sollte man bei einer Bewertung der aktuellen Ereignisse durchaus beachten.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Manfred G. aus Hamburg Altona ( 1. April 2022 um 12:50 Uhr)
    Vielen Dank, Arnold Schölzel, für die Übersetzung dieses Briefes. Wie recht die Veteranen haben, wenn sie die Rolle der Deutschen in dem Ukraine-Krieg beschreiben. Die Deutschen Nazis waren niemals tot. Sie leben weiter in der Bourgeoisie und dem Adel, in der Justiz und der Kirche, in den bäuerlichen und politischen Strukturen, im Militär und in der Polizei, in den Finanz- und Ausländerbehörden, usw. Wenn die Schlange ihren Schwanz abwirft, lebt sie weiter und regeneriert sich. Die deutsche Nazischlange hat nach dem Krieg ihren Schwanz abgeworfen und mit Hilfe der USA überlebt. Die Nazischlange wurde nach dem Krieg von den USA als antikommunistisches Bollwerk gegen die UdSSR aufgebaut. Die faschistische Kontinuität der deutschen Bourgeoisie kann man sich täglich in Justiz, Militär, Polizei, Finanzamt, Kirche, Jobcenter, politischen Parteien, Medien usw. anschauen. Heute werden die ukrainischen Faschisten als arme Opfer dargestellt. Und es wurde der alte, von den Finanzeliten entstaubte Naziplan, die Ukraine zu erobern, aktualisiert. Die Deutschen werden vom Alltagsfaschismus beherrscht, der sich als fehlende Menschlichkeit im Umgang mit anderen Menschen zeigt: sei es in Behörden, Finanzinstituten, beim Umgang mit Kommunisten, mit Arbeitslosen, mit Nichtdeutschen, mit Menschen, die in Armut leben, oder mit Arbeiterkindern. Da hat sich bis heute nichts geändert.
    • Leserbrief von Eckehard Salomon aus Halberstadt ( 1. April 2022 um 15:52 Uhr)
      Ich teile Ihre Meinung voll und ganz! Zu diesen Gefühlen kommen bei mir aber leider Gefühle von Scham und Hilflosigkeit. Deutschland wurde von den sogenannten Eliten des Finanz- und Wirtschaftsraumes zusammen mit dem Klerus erneut zur Speerspitze gegen den »Osten« aufgerüstet. Viel geistige Vorarbeit war nicht nötig, denn: »Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!« Ein Wort noch: Meine Scham ist in grenzenlose Wut über die deutsche Regierungsclique umgeschlagen, die vor lauter Kraftmeierei, Unvermögen und grenzenloser Dummheit unsere Zivilisation skrupellos auslöschen will. Warum wachen die Menschen nicht endlich auf? Es geht nicht um grünen Unfug, sondern um den ganzen Planeten!
  • Leserbrief von Ikarus aus Deutschland ( 1. April 2022 um 12:45 Uhr)
    Danke für die Veröffentlichung des Briefes der russischen Veteranen! Ich habe mich noch nie so sehr geschämt, Deutscher zu sein, wie in diesen Zeiten! Durch russische Verwandtschaft, die regional bis in die Ukraine verzweigt ist, beschäftige ich mich bereits seit Jahren mit dem Ukraine-Konflikt, der allerdings erst seit dem Einmarsch der russischen Truppen in diesem Jahres offenbar in den Fokus der breiten Öffentlichkeit zu rücken scheint. Aus meiner bescheidenen Sicht, erliegen Kritiker des Briefes inhaltlich genau der Problematik, an der allgegenwärtig auch die westlichen Medien, Journalisten, Politiker, »Meinungsmacher« oder Otto Normalbürger zu nagen haben sollten: der grausamen und erschreckenden Realität deutschen Gewissens. »Principiis obsta« (»Wehre den Anfängen«)! In keinem politischen Konflikt hat es seit über 90 Jahren solche starken rechtsradikalen Strömungen gegeben, die sich auch noch auf der braunen Erbe der deutschen Nazis militärisch und politisch derart aufbauen und geduldet manifestieren konnten. Die Ukraine ist vieles, aber keine »Demokratie«, die einen Frieden zukünftig gewährleisten kann (oder gar will). Paramilitärs in der Ukraine: »Nationale Miliz Centuria«, »Militärorden Centuria«, »Rechter Sektor«, »Asow-Regiment«, »S 14/C 14«. Siehe auch die »14 Words« von David Lane: »Wir müssen die Existenz unseres Volkes und die Zukunft weißer Kinder schützen«. Geschätzte Truppenstärke: 10.000-25.000 und mehr ... Die SA hatte übrigens im Jahre 1926 lediglich 10.000-15.000 bewaffnete Mann zur Verfügung! Rechtsradikale Parteien in der Ukraine: »Freiheit« (Swoboda), »Rechter Sektor« (Prawyj Sektor), »Nationale Corps«. 2014-2020 gab es Aufmärsche in Kiew im Gedenken an NS-Kollaborateur Stepan Bandera sowie der SS Galicia (Division der Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg). Im März 2022 kam es zum Verbot von elf Oppositionsparteien in der Ukraine (keine der oben genannten rechtsextremistischen Parteien wurde jedoch verboten). »Die Vergangenheit ist ein Prolog«
  • Leserbrief von Christian Oberthür ( 1. April 2022 um 10:34 Uhr)
    Ich finde es ja grundsätzlich interessant, auch über Dinge zu lesen, die in diesem Krieg passieren oder vermutlich passieren und die es nicht in die Mainstreammedien schaffen, aber bei der Einseitigkeit dieses Briefes fällt es mir schwer, diesen nicht als Propaganda abzutun. Ich finde es sehr bedauerlich, dass er einfach so kommentarlos abgedruckt wird. Sicher gibt es in der Ukraine Nazis, auch mit einem gewissen Einfluss – leider wie in sehr vielen Ländern, auch in Deutschland und Russland. Ich finde es sehr unglaubwürdig, dass Putin die Ukraine »entnazifizieren« will. Die Nazis im eigenen Land stören ihn ja auch nicht, er trifft sich sogar gern mit ihnen. Ich würde mir sehr wünschen, wenn die jW wenigstens einen Hauch Distanz zur russischen Propagandalinie wahren würde. Ich lese diese Zeitung seit vielen Jahren und bisher fand ich die politische Linie überwiegend gut – z.B. in Sachen Corona oder auch vor ein paar Jahren, als Ken Jebsen und Konsorten bei der Friedensbewegung einfielen. Aber die aktuellen Beiträge in puncto Russland sind zu einseitig. Russland hat eine imperialistische Regierung, wie auch die Ukraine, USA, BRD usw. Daher haben sie ähnliche Interessen und sollten mit diesem Angriffskrieg genauso kritisiert werden, wie wenn die USA beispielsweise im Irak oder in Afghanistan einmarschieren.
  • Leserbrief von Thomas Krause aus Berlin (31. März 2022 um 16:02 Uhr)
    Nazis gibt es in vielen Ländern, auch im heutigen Russland ( Alexander Dugin, Wagner-Söldner usw.). Ich war auch nie für die Osterweiterung der NATO, aber die große Atommacht Russland anzugreifen würde sich die NATO doch nie wagen, egal ob die Ukraine nun Mitglied wäre oder nicht. Wer steht denn zu Putin in Deutschland, radikale Linke u Rechte. Wenn ich Tag für Tag die Bilder der Zerstörung aus der Ukraine sehe, kann ich kein Einsatz gegen Nazis erkennen, sondern ein Krieg gegen die Bevölkerung der Ukraine. Für mich ist Putin ein Diktator, der von einem neuen Großrussland träumt, und der dafür die Vernichtung der ganzen Welt riskiert. Ich kenne die Verbrechen die wir Deutschen begangen haben, und ich habe z. B. auch die USA nie für die Verteidiger von Menschenrechte gehalten, aber was Russland jetzt macht, ist auch ein Verbrechen. Vielleicht sollten sich einige hier mal informieren, was Alexander Dugin oder ein Jürgen Elsässer so denken u. schreiben.
  • Leserbrief von Harald Bauer (31. März 2022 um 15:37 Uhr)
    Zitat: »Es gibt kein Haus in Russland, der Ukraine und Belarus, in dem 'dieser Preis' nicht gezahlt worden wäre. Und es gibt kein Haus in Deutschland, das nicht an dieser furchtbaren blutigen Barbarei teilgenommen hat! Schrecklich! Bestialisch!« Also generell alle Deutschen trifft eine Schuld, Antifaschisten und von den Nazis Verfolgte sind nicht ausgenommen in dieser Erklärung, fabriziert von Großmachtchauvinisten, die Veteranen für ihre Zwecke instrumentalisieren.
  • Leserbrief von Fred Buttkewitz aus Ulan - Ude Russland (31. März 2022 um 14:45 Uhr)
    In der Propaganda in Deutschland wird die Geschichte der Ukraine seit 2014 verfälscht. Es wird geleugnet, komplett ignoriert, dass das gesamte Land, angefangen von der Volksbildung, neonazistisch verseucht ist. Wären es nicht Gegner Putins, dann würden Leute wie der ukrainische Botschafter oder Nawalny als rechts von der NPD stehend kein Bein auf die Erde bekommen. Deutschland hofiert Rechtsradikale. Sie bekleideten in der Ukraine allerhöchste Regierungsämter (Innenminister, Parlamentspräsident). Russland ist es, welches im Bewusstsein der Menschen den gemeinsamen Kampf aller Sowjetrepubliken gegen Hitler aufrechterhält. Das Zeigen von Symbolen der UdSSR bei Demonstrationen am 9. Mai zum Jahrestages des Kriegsendes steht in der Ukraine unter Strafe. Die Ukraine war es, welche alle Denkmäler, Straßennamen, die an dieses gemeinsame Erbe erinnern, auch noch den letzten Sowjetstern bis ins letzte Dorf entfernen ließ. Eine Ausstellung von jetzt beschlagnahmten 200 Schulbüchern beweist, dass die gemeinsame Geschichte aus dem Bewusstsein der Schüler getilgt wurde - und gleichzeitig Nazikollaborateure und Massenmörder wie Bandera zu Helden erkoren wurden. Der Geburtstag dieses Chefs einer Terrorbande, die 100.000 ermordete Juden und Polen auf ihrem Gewissen hat, welche an dem Massaker in Babi Jar und unzähligen Verbrechen beteiligt war, ist in der Ukraine Nationalfeiertag. Neonazistische Verbände der Armee gelten als Elite. Deutschland unterstützte damals die Bandera-Leute und jetzt wieder - mit Waffen gegen Russland. Das meinten die Veteranen. Im Donbass schießen Neonazis (auch aus anderen Ländern wie Kroatien) nun auch mit deutschen Waffen gegen Russen. Bei Gefangennahme verraten sie sich durch die Hakenkreuztätowierungen wie schon 1945 SS-Angehörige durch die eintätowierte Blutgruppe. Kinder in der Ukraine singen das Lied »Russen sind Kartoffelkäfer«. Wer den Nazismus in der Ukraine leugnet, ist nicht besser als ein Holocaust-Leugner.
  • Leserbrief von Werner de Martin (31. März 2022 um 10:47 Uhr)
    Eine für Deutsche peinliche, beschämende Anklage durch russische Kriegsveteranen. „Reue“ für gemeinschaftlich von ukrainischen und deutschen Faschisten begangene Kriegsverbrechen wird unglaubwürdig. Zurückhaltung der Deutschen bei der Eskalation der Gewalt mit Russland wäre nicht nur Recht, sondern Pflicht gewesen. 
    Mein Großvater war während der NS-Zeit aktiv gegen Kriegsvorbereitungen, verbrachte dafür, „wegen Vorbereitung zum Hochverrat“, einige Jahre im Zuchthaus. Ich war stolz, dass er nicht als Akteur oder Mitläufer Mitschuld am Krieg zu verantworten hatte. 
    Damit sich auch meine Enkel nicht schämen müssen, vertrete ich eine pazifistische Einstellung. 
    Als Stammwähler der Grünen war ich schockiert, als diese Partei im Irak-Krieg die Friedensbewegung unterwanderte. Daraus habe ich meine Lehren gezogen, keine Aufrüstungsbefürworter gewählt, mit gutem Gewissen. Dieses gute Gewissen wünsche ich allen.
  • Leserbrief von E. Rasmus (31. März 2022 um 10:26 Uhr)
    Zwar fehlt in dem Brief das andere Deutschland, das bis 1989 so etwas verhindert hätte und durch Gorbatschow, Jelzin & Co aufgegeben wurde für den Markt, der die Sowjetunion beseitigte und nun Russland bedroht, aber der Brief macht die Verantwortung und Schuld deutlich. Sie kommt der gesamten EU jedoch auch zu, an die er ebenfalls gerichtet werden müsste. Denn die EU hat dieses Deutschland ermöglicht.  Danke an Arnold Schölzel und die junge Welt für die Übersetzung und Veröffentlichung. Die Frage bleibt, wo und wann die Veröffentlichung im „nd“ – einer Zeitung, die sich „sozialistische Tageszeitung“ nennt – eines solchen Dokuments für die Leser der Partei Die Linke stehen wird?! (E)nd(e)
  • Leserbrief von Leon Becker (31. März 2022 um 05:02 Uhr)
    Was für eine unerträgliche Geschichtsverfälschung! Von den 27 Millionen Sowjetbürgern, die den Zweiten Weltkrieg mit ihrem Leben bezahlt haben und die nun von den Autoren dieses Briefes unter »wir« subsumiert werden, waren acht Millionen Ukrainer. In keiner anderen Sowjetrepublik und in keinem anderen Staat war der Anteil der Todesopfer an der Gesamtbevölkerung so hoch wie in der Ukraine. Etwa sieben Millionen Ukrainer haben in der Roten Armee gegen den Faschismus gekämpft, jeder fünfte Rotarmist war Ukrainer. Die Autoren dieses Pamphlets reklamieren den heroischen Kampf der Roten Armee gegen Hitler-Deutschland einzig für Russland und unterstellen, dass der Überfall auf die Ukraine damit gleichzusetzen wäre. Die Millionen ukrainischen Helden des Weltkrieges und die Hinterbliebenen und Nachfahren von Millionen ukrainischer Opfer werden pauschal zu »faschistischem Abschaum« erklärt: Holocaustleugnung auf Russisch.
  • Leserbrief von Junius Quotara aus Deutschland (31. März 2022 um 01:19 Uhr)
    … und wenn es nur drei Leute lesen, ist doch egal. Irgendwann wird sich jemand fragen, warum es soweit gekommen ist, und das ist dann die richtige Frage. Nicht der Krieg in der Ukraine, der sicherlich verhindert hätte werden können und auch sollen, sondern das, was dazu geführt hat. Hier muss sich der Westen und insbesondere die USA die Kritik gefallen lassen, dass die NATO eine Erweiterung geschaffen hat, die niemals vorher auch nur ansatzweise besprochen und/oder akzeptiert wurde. Hinzu kamen zahlreiche Probleme mit veruntreutem Gasgeld von Frau Timoschenko. Wie sie an die Macht kam, kann jeder selbst nachlesen. Das Land wurde hiernach regelrecht auf links gedreht (auch durch gezielte Maßnahmen der CIA). Durch Burisma wurden Gelder gewaschen und der Staatsapparat im Sinne antirussischer Maßnahmen umgebaut. Was bitteschön hatte der Sohn von Biden dort damals zu suchen? Bitte schaut das auch mal nach … Das ist echt haarsträubend! Dann kam sein Vater (damals »noch« Vizepräsident der USA unter Obama, welcher ihn als »pointman« für die Ukraine ernannt hatte) und hatte seinen Sohn, welcher unter Anklage stand, mit den Worten rausgehauen: »Schauen Sie mal, ich habe hier das OK für einen Staatskredit in Höhe von 1 Mrd. US$, (schaut auf seine Uhr)… ich habe noch ca. 6 Stunden Zeit, bis mein Flieger geht! Wenn diese Zeit abgelaufen ist und der ukrainische Staatsanwalt dann noch seinen Job hat, dann fliege ich mit der Milliarde wieder heim!« Was denken Sie, was passiert ist? GENAU! Ich sage nicht, dass der Krieg in Ordnung ist, aber er hätte vermutlich vermieden werden können, wenn die NATO sich nicht gegenüber gegenteilig formulierten Aussagen derart ausgedehnt hätte. Russland hatte vollkommen recht mit seinen Sicherheitsbedenken. Schaut mal bitte auf den »Befreiungskrieg« in Libyen oder den Irak … Was ist daraus geworden? Demokratie? Bitte seid nicht so naiv! Es geht immer nur um Rohstoffe oder um Sicherheit. Das Demokratieversprechen ist dabei nur ein Vehikel.
  • Leserbrief von Stephan Fritz aus Potsdam (30. März 2022 um 21:41 Uhr)
    Eine Hauptlast im 2. Weltkrieg haben Menschen in der Ukraine und in Weißrussland getragen. Und sie haben auch maßgeblich zum Sieg über Hitlerdeutschland beigetragen. Doch jetzt wird unter Putin das Andenken an den Großen Vaterländischen Krieg für die Aggression gegen die Ukraine missbraucht. Heute sind es russische Invasoren, gegen die sich Ukrainer*innen zur Wehr setzen müssen. Mögen sie so erfolgreich sein wie vor 77 Jahren.
  • Leserbrief von Dirk Sch. aus Berlin (30. März 2022 um 19:02 Uhr)
    … Ihr habt wirklich unendlich viel geleistet, liebe Veteranen! Nun bitte ich euch nur noch um eins: Protestiert gegen diesen barbarischen Krieg! Er ist Russlands nicht würdig!
  • Leserbrief von Harry1929 (30. März 2022 um 16:20 Uhr)
    Liebe Veteranen, Ihr habt recht. Es hat Euch einen hohen Blutzoll gekostet, gegen die faschistisch-deutschen Eroberer zu kämpfen. Damals haben Euch unter anderem die Amerikaner und Engländer Waffen geliefert, damit Ihr die deutschen Okkupanten zwingen konntet, Eure Heimat zu verlassen. Ihr habt nicht nur Euch, sondern auch uns vom Hitlerfaschismus befreit. Ihr musstet einen sehr hohen Blutzoll dafür bezahlen. Wir werden Euch für unsere Befreiung auf immer sehr dankbar sein. Leider sind es heute Eure Enkel, die in Euer Nachbarland, die Ukraine, mit Panzern und Kanonen eingefallen sind und Tod und Leid dorthin gebracht haben. Sie haben mitten in Europa einen Krieg vom Zaune gebrochen. Städte brennen, Menschen sterben oder müssen fliehen. Ich frage Euch, liebe Veteranen, warum lasst Ihr das zu? Eure Enkel sind jetzt die Okkupanten, wie damals die deutschen Nazis. Ja, wir liefern den Ukrainern Waffen. Wir liefern sie aus den gleichen Gründen, wie die Amerikaner und Engländer damals Euch Waffen geliefert haben. Waffen, damit die Ukrainer in der Lage sind, gegen die Okkupanten, gegen Eure Enkel sich zu verteidigen und ihr Land zu befreien. Liebe Veteranen, bitte ruft Eure Enkel wieder zurück nach Hause und helft mit, dem Kriegstreiber im Kreml das Handwerk zu legen.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Renate T. (31. März 2022 um 00:30 Uhr)
      Ich finde es ganz unheimlich mies, den sowjetischen Veteranen die Waffenlieferungen der anderen Alliierten zur gemeinsamen Bekämpfung des deutschen faschistischen Regimes hier als besondere Vergünstigung nun sozusagen in Rechnung stellen zu wollen. Von einem grundlos vom Zaun gebrochenen Angriffskrieg der Enkelgeneration kann ja wohl auch nicht ernsthaft die Rede sein, es sei denn, man möchte gerne die Vorgeschichte mit der Russland immer näherrückenden NATO übersehen, die ständigen NATO-Manöver z. B. im Baltikum und den seit 2014 andauernden Krieg der Ukraine gegen die Bevölkerung im Donbass, der infolge des faschistischen Putsches in Kiew von dort begonnen wurde. 13.000 Tote mittlerweile, aber es sind ja fast nur Russen. Einen Kriegstreiber im Kreml kann ich nicht erkennen, es blieb Russland ja wohl kaum noch eine andere Möglichkeit, als sich gegen den weiteren Ausbau der NATO durch die Aufnahme der Ukraine zu wehren, nachdem alle Verhandlungsangebote von der russischen Seite in den letzten Jahrzehnten zum Aufbau einer europäischen Sicherheitsstruktur ignoriert wurden. Ich danke den russischen Veteranen für den Brief und Arnold Schölzel für die Übersetzung. Für eine multipolare Welt, in der Russland seinen würdigen Platz haben muss und seine Sicherheitsinteressen beachtet werden. Schluss mit der Kriegstreiberei und der Dämonisierung alles Russischen in diesem Land. Das neue Sondervermögen der Bundeswehr wieder einziehen und für den sozialen Wohnungsbau einsetzen. Keine weiteren Waffenlieferungen an die Ukraine.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinz-Joachim R. aus Berlin (30. März 2022 um 17:53 Uhr)
      Der Leserbriefschreiber muss auf dem rechten Auge total blind sein und die »junge Welt« nie gelesen haben. Viel zu lange währte die Geduld der russischen Regierung gegen das faschistische NATO-Komplott. Russland würde seine Souveränität aufgeben, wenn es nicht diesen zwar schrecklichen aber notwendigen Schritt unternommen hätte. Allerdings scheint man auf russischer Regierungsseite die schon durch die USA militärisch hochgerüstete und infiltrierte Ukraine möglicherweise unterschätzt zu haben. Selenskij äußerte sich zur Denazifizierung ja, dass sie einer Zerstörung des ukrainischen Nationalbewusstseins gleichkäme. Genau das ist aber die Pest, gegen die der Blutzoll seitens der Sowjetunion im Großen Vaterländischen Krieg aufgebracht worden war. Mit dieser Pest sich solidarisch zu erklären, heißt die Geschichte sich wiederholen lassen zu wollen.
      • Leserbrief von Peter ( 1. April 2022 um 09:27 Uhr)
        Danke für die offenen Worte. »Diesen zwar schrecklichen, aber notwendigen Schritt ...« – war und ist das Glaubensbekenntnis der Folterknechte und Henker in allen Zeiten.
  • Leserbrief von C. Hoffmann aus Dessau-Roßlau (30. März 2022 um 15:05 Uhr)
    Danke an Arnold Schölzel für die Übersetzung und danke jW, dass Ihr den Brief veröffentlicht. Als ich den Brief in der vergangenen Woche las, kamen mir die Tränen. Es war eine Mischung aus Trauer und Wut, vielleicht auch Fassungslosigkeit, dass die letzten Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges sich an das deutsche Volk wenden müssen. Aber welcher Prozentsatz dieses Volkes wird den Brief überhaupt sehen, dann lesen und verstehen? Die (Kriegs-)Propaganda in der Bundesrepublik läuft auch Hochtouren und die v. a. in der alten BRD mehr als nur unterschwellig gehegte und gepflegte Russophobie erlebt eine Renaissance. Widerwärtig. Ich schäme mich für das Land, dessen Bürger ich bin.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Berlin (30. März 2022 um 13:59 Uhr)
    Danke, Arnold Schölzel, für die Übersetzung dieses Briefes! In die Mainstreammedien wird sein Inhalt es nicht schaffen. Wir sollen nicht wissen, wie Menschen in Russland von uns denken. Wir sollen wieder glauben, jeder von ihnen habe ein Messer zwischen den Zähnen und nichts Besseres zu tun, als uns den Bolschewismus bringen zu wollen. Wir sollen vergessen, dass auch in Russland einfache Menschen leben, die nicht anders sind als wir: Menschen, die in Ruhe und Frieden leben wollen. Und die die Erinnerung an eine Zeit quält, in der sie das auch wollten und Krieg bekamen statt Ruhe. Wir sollen nicht verstehen, dass sich das »Nie wieder!« in ihre Seelen so tief eingebrannt hat, dass sie lieber zu den Waffen greifen, als sich noch einmal einer solchen Katastrophe auszusetzen wie zwischen 1941 und 1945.
    • Leserbrief von Peter (30. März 2022 um 14:58 Uhr)
      Sehr richtig und ganz meine Meinung! Denn wie allgemein bekannt, stand die aggressive Ukraine kurz davor, die friedliche Russische Föderation - ungeachtet ihrer 6255 nuklearen Sprengköpfe - zu überfallen. Glücklicher Weise konnte Russland eine solche Katastrophe mit einer Spezialoperation verhindern.
      • Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Berlin (30. März 2022 um 17:41 Uhr)
        Lieber Peter, die Geschichte wird darüber entscheiden, ob es besser gewesen wäre abzuwarten, bis die Waffensysteme, die die NATO gern bis in die Ukraine vorgeschoben hätte, dort einsatzbereit und erstschlagfähig stationiert wären. Ich gehe aber davon aus, dass dann auch der geringste Anlass ausgereicht hätte, einen atomaren Flächenbrand auszulösen, der die menschliche Zivilisation das Leben gekostet hätte. Schauen Sie ruhig in den offen einsehbaren Einsatzszenarien nach, wie einfallsreich dieser Fall von führenden Militärs der NATO bereits durchdacht worden ist. Ich hoffe, das Grauen darüber, wie konkret diese Pläne hinsichtlich Ihrer und meiner Existenz bereits gediehen sind, lässt Sie anschließend wieder los. Und dann beantworten Sie sich bitte ganz ehrlich und im stillen Kämmerlein die Frage: Ist es erlaubt, eine solche Katastrophe notfalls auch mit Waffengewalt zu verhindern? Und bitte auch: Was hätten Sie und ich, wir alle, tun können, um diesen konfrontativen Wahnsinn rechtzeitig zu stoppen? Denn so leid es mir tut, das sagen zu müssen: Wir schauen seit fast drei Jahrzehnten fast alle tatenlos zu, wie diese Katastrophe planmäßig vorbereitet wird. Und streiten uns inzwischen um des Kaisers Bart, obwohl wir doch das Leben und den Frieden alle gleichermaßen brauchen.
  • Leserbrief von Sabine Kammer aus Berlin (30. März 2022 um 09:24 Uhr)
    Ich danke der Redaktion der jungen Welt ganz herzlich, dass dieses Schreiben veröffentlicht worden ist und ich es lesen konnte! Ich schäme mich so sehr!

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